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„Der Berti ist ein richtig feiner Kerl“

Berthold Weishof: Als Coach der Gehörlosen-Nationalmannschaft zur WM

Er ist gefühlt auf allen Fußball-Plätzen dieser Welt zu Hause. Berthold Weishof aus Langendreer kennt keinen Stillstand.

Der 43-Jährige ist es gewohnt, Vollgas zu geben, aktuell beim Deutschen Gehörlosen Sportverband, als Co-Trainer, Scout und Videoanalyst der Nationalmannschaft der Gehörlosen. Das Amt als Co-Trainer des Westfalenligisten DSC Wanne-Eickel legte er vor kurzem wegen Unstimmigkeiten mit der sportlichen Leitung nieder.

Zur WM nach Malaysia

2019 kam die Anfrage, ob er kurzfristig als Co-Trainer der Gehörlosen-Nationalmannschaft einspringen könnte. Natürlich konnte er, natürlich wollte er und feierte gleich die Vize-Europameisterschaft in Griechenland. Heute hat er einen Vertrag beim DFB, und wenn er erzählt, dass im September die WM in Malaysia steigt, dann leuchten seine Augen.

Sein Gehör verlor er im Alter von knapp drei Jahren – wegen eines für Kinder zu starken Antibiotikums. Er konnte nicht mehr hören, alle Behandlungen schlugen fehl. Doch Berthold Weishof ist ein Kämpfer: Er lernte Lippen lesen und die Gebärdensprache: Er kann sich heute auch verbal ohne Probleme im Alltag verständigen: „Ich bin in beiden Welten aufgewachsen“.

Der Besuch eines „normalen“ Kindergarten und eines Kindergartens für Gehörlose hatten sich abgewechselt. Er weiß sich einzurichten, wenn er mit Hörenden oder Nichthörenden arbeitet: Da sind die starken Hörgeräte, die eine Unterhaltung leicht machen, da ist seine Sensibilität, auch aus Mimik und Gestik und vor allem aus von den Lippen und aus den Augen viel herauszulesen.

Kein Bolzplatz war vor ihm sicher

Schon in jungen Jahren ist kein Bolzplatz vor ihm sicher. „Ich habe noch Asche gefressen“, sagt er, und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Er war ein guter Spieler, er hatte Talent: Mit zwölf Jahren ging er zur damaligen SG Bochum Süd. Seine Künste sprachen sich herum, er wechselte in die A-Jugend der SG Wattenscheid 09. „Für eine Ablöse von 20 Derby-Bällen“, sagt er grinsend.

Es folgte eine bewegte Zeit, immer wieder auch beeinträchtigt von Verletzungen. Aber längst war die Gehörlosen-Nationalmannschaft auf ihn aufmerksam geworden, er schnürte plötzlich auch international die Fußball-Schuhe und feierte nationale Titel. Einer wie er weiß, dass man nicht ewig kicken kann, aber den Geruch des Rasens und der Kabine will er nicht missen. Er spürte, „Trainer sein, das ist mein Ding“, über viele Stationen im Jugendbereich führte er GTSV Essen zur Gehörlosen-Meisterschaft. Jetzt hat er Großes mit der Gehörlosen-Nationalmannschaft vor: Er will mit seinem Team die Halbfinal-Niederlage im letzten Jahr vergessen machen.

Berthold Weishof ist ein Trainer, der geschätzt wird, auch wenn er am Spielfeldrand mal explodiert, wenn er mal schimpft, flucht oder wild gestikuliert. „Der Berti ist ein richtig feiner Kerl“, sagten sie übereinstimmend beim DSC Wanne-Eickel, „er ist einer, der andere mitnimmt, den man nur mögen kann“.

Fußball ist immer die Nummer eins in seinem Leben – egal ob mit Gehörlosen oder mit Hörenden. „So groß ist der Unterschied nicht“, erklärt Berthold Weishof mit Blick auf die fußballerischen Fähigkeiten. Während im Hörenden-Fußball mehr zugerufen werde, läuft beim Gehörlosen-Fußball viel über die Augen und Beobachtungen. Der Schiri hält bei jedem Pfiff eine Fahne hoch. „Und eins haben wir Sportler sowieso gemeinsam: Dass wir immer alles geben!“

Text und Fotos: Gerd Strohmann

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