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Die Erfindung des Eierbergs

HistoBO: Wie Bochum zu seinem Rotlichtviertel kam

„Die öffentliche Unsittlichkeit frisst an dem Mark unseres Volkes.“ Wenn etwas auf diese Art und Weise kommentiert wird, dann weiß man: Hier kocht der Volkszorn. Obwohl, das gemeine Volk in Bochum wird das nicht so gesehen haben, sondern eher das sittsame Bürgertum. 

Mit der Industrialisierung und den vielen einsamen und ledigen Männern, die nach Bochum kamen, kam auch unweigerlich die Prostitution in die Stadt. Nicht, dass es sie nicht schon immer gegeben hatte, aber jetzt eben in großem Stil. 

Bürgerschaft war nicht erbaut

Um der etwas wilden Situation Herr zu werden, die in Bochum herrschte, mit reisenden Damen, Straßenprostitution, einzelnen, verruchten Häusern rund um die großen Industriebetriebe und einer ersten Ansammlung von Bordellbetrieben an der heutigen Sophienstraße in Hamme, gingen die Verantwortlichen der Stadt einen Weg, der das älteste Gewerbe der Welt in geordnete Bahnen lenken sollte. Die Bochumer Bürgerschaft war nicht erbaut, es musste etwas geschehen. 

Das, was heute über die Grenzen Bochums als „Eierberg“, „Riemenwalzwerk“ oder schlicht „Gurke“ bekannt ist, entstand zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Ort für besondere Dienstleistungen, eingehegt und kontrolliert.    

Jugendliche Lehrlinge sollten geschützt werden

Der Märkische Sprecher berichtete 1912 über die Pläne der Stadt, einen „geregelten Bordellbetrieb in unmittelbarer Nähe der Innenstadt“ an der damaligen Maarbrücker Straße (heute Gussstahlstraße) zuzulassen. Die Häuser der Sophienstraße hatten umzuziehen, in der Mitte der 1910er Jahre. Aber auch das passte vielen in der Stadt nicht.

Ein Wortführer gegen die Ansiedlung war der spätere Leiter des Stahlwerks Bochumer Verein, Wilhelm Baare. Nicht nur war das Kosthaus des Bochumer Vereins (eins der so genannten Bullenkloster) ganz in der Nähe, sondern: „Die Versammlung hält die Straße für nicht ausreichend und weist auf die schon in der K. Straße herrschenden Uebelstände hin.

Weiter wird auf die Nähe des Bochumer Vereins hingewiesen und auf die Nachbarschaft der Feilenhauerei Mummenhoff und Stegemann, die u. a. 50 jugendliche Arbeiter beschäftigt. An den angrenzenden, völlig ausgebauten Straßen befinden sich zu vier Fünftel hohe Mietshäuser, die jetzt ausschließlich von Arbeiterfamilien bewohnt werden.

Die Versammlung weist auf die Gefahren für die Kinder dieser Familien hin.“ So heißt es in einer Resolution einer Vereinigung gegen die Errichtung eines festen Sperrbezirks, in der Baare mitarbeitete.

Preußische Behörden hatten keine Einwände

Genutzt hat das alles natürlich nichts, die Natur ist immer stärker. Und auch die preußischen Behörden hatten nichts gegen den Rotlichtbezirk. Die königliche Regierung in Arnsberg, der Polizeipräsident und selbstverständlich auch der Magistrat der Stadt winkten ab.

Die Gebäude an der Gussstahlstraße und Im Winkel wurden von den Vorbesitzern schnell verkauft, teils zu hohen Preisen. Sofort nach dem Entscheid ging der Betrieb los. Ab 1913 heißt der heutige Kontakthof „Im Winkel“. Heute arbeiten im Bochumer Rotlichtviertel bis zu 250 Prostituierte. 

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