Peter Mohr

Ausse Lohrheide – die SG 09-Kolumne Juni 2022

Er befindet sich in seiner 32. Saison als Berichterstatter an der Lohrheide, hat alle Höhen und Tiefen rund um den Verein mitgemacht und leugnet nicht, vom schwarz-weißen Virus infiziert zu sein.

Hallo Wattenscheid,

Nichts ist so geheimnisvoll wie die Seelen von Fußballfans – egal bei welchem Verein. Richtige Fußballfans, die ihren Verein tief im Herzen tragen, können von außen euphorisieren, richtig pushen, den Spielern noch einmal „Rückenwind“ geben. Aber es gibt auf das Gegenteil: Fans können auch gnadenlos sein – mit Pfiffen und/oder oft nicht salonfähigen Schmährufen.

Aber wie findet man den Weg ins tiefe Innere der Fans?

Es sind oft nicht die filigranen, leichtfüßigen Ballkünstler, die mit Dribblings und effetvollen Schüssen und Torerfolgen zu glänzen wissen, die in der Gunst der Fans ganz oben stehen.

Werfen wir einen Blick über den Zaun und in die Geschichte. Was hat Spieler wie Kevin Großkreutz bei Borussia Dortmund und Yves Eigenrauch bei Schalke 04 ausgemacht und sie zu Publikumslieblingen werden lassen? 

Es war ihr absoluter Einsatz auf dem Rasen, der kaum zu bändigende Siegeswille, das aufopfern bis zur totalen Erschöpfung. Vielleicht hängt dies auch mit der Ruhrpott-Malocher-Tradition zusammen. Und hinzu kommt eine hundertprozentige Identifikation mit ihrem Club.

Die Wattenscheider Fans waren und sind immer sehr wählerisch bei der Auswahl der Spieler, die sie „lieben“. Auch hier zählt Einsatz, Wille und Kampf mehr als „Hacke-Spitze-eins-zwei-drei“. Wenn wir den Kalender einige Blätter (Jahre) zurück schlagen, dann stoßen wir beinahe unweigerlich auf den Namen Petar Kushev. Der bulgarische Innenverteidiger war alles andere als ein Filigran-Techniker. Aber er vereinte eben diese Tugenden der rustikalen Art. Noch heute ist hin und wieder im weiten Rund des Lohrheidestadions ein „Kushev-Banner“ zu sehen.

Und wenn ich jetzt den Bogen in die Gegenwart schlage, dann sehe ich in der aktuellen Mannschaft einen Spieler, der einen eben solchen Weg einschlagen könnte – mitten hinein ins Herz der SGW-Fans. Ich meine Dennis Lerche, von den Fans liebevoll „Bulle“ gerufen und beim Auswärtsspiel in Aplerbeck geradezu frenetisch gefeiert. 

Ein „Kämpfer vor dem Herrn“, der etliche private Rückschläge hat verkraften müssen, der aber nun in Wattenscheid durchstarten will. Ein emotionaler Spielertyp, ein Stürmer von der Statur eines Jan Koller, der seinen gesamten, stattlichen Körper voll rein haut.Solche Spieler werden von den Fans geliebt – egal, ob in Wattenscheid, Dortmund oder Schalke. Ich bin gespannt auf seine weitere Entwicklung.

Bis demnächst inne Lohrheide
Euer Peter Mohr

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