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Keimzelle für das Dorffest

HistoBo: Marktrechte für Harpen

„Mit einem Bahnhof fängt alles an“, heißt es im Western-Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“. Stimmt aber nicht. Mit einem Markt fängt alles an. Zumindest war das in Sachen Harpener Dorffest so.

Vor 211 Jahren, also 1812, wurde den Harpenern zugestanden, einen „Vieh- und Krammarkt“ zu veranstalten. Die Keimzelle des Harpener Dorffests ist dieser Markt. Das Spiel des Harpener Bauerntheaters erinnert noch heute daran. 

Das handelnde Publikum sollte zufrieden sein

In einer Bekanntmachung aus dem Dortmunder Wochenblatt vom 19. Juli 1812 hieß es: „Mit Genehmigung der hochlöblichen Präfektur wird dieses Jahr zum ersten Mal und künftig alle Jahre im Kirchendorfe Harpen nach der Ostseite hin und auf einem offenen Platze nach dem Gehölze am 14. August ein Viehmarkt und zugleich mit demselben ein Krammarkt gehalten werden. Es soll auf bestmöglichste Weise dafür gesorgt werden, dass dieser Markt so eingerichtet ist, dass das handelnde Publikum zufrieden ist.“ 

Wem hat Harpen das zu verdanken? Nicht den Preußen, nicht dem Grafen von der Mark, nein: den Franzosen. Deren „Departement Ruhr“ mit der Präfektur in Dortmund unterstand Napoleon Bonaparte direkt und hatte bis 1813, bis zu den Befreiungskriegen, Bestand. Glück für die Harpener, dass sie kurz zuvor noch ihr Marktrecht bekamen. 

Gäste nicht unbedingt willkommen

Daraus entstand die Harpener Kirmes – die allerdings ein wenig anders aufgestellt war als heute. Entlang des heutigen Vinzentiuswegs gab es zum Beispiel einen Schweinemarkt. Heute undenkbar. Und Gäste waren auch nicht immer wirklich willkommen. In einem Heimatbuch der Kortumgesellschaft aus den 50er Jahren heißt es:

„Es gab eine Zeit in Harpen, da ging die allgemeine Einstellung der Einwohnerschaft dahin, sich von der Umwelt abzuschließen, man genügte sich selbst. In der Tat haben bis auf den heutigen Tag die richtigen Harpener ihre tief eingewurzelten Eigenarten bewahrt, in gewisser Beziehung führt die Bevölkerung heute noch ein Eigenleben, das sich von außen nicht beeinflussen lässt. Jedenfalls ist die Mentalität der Bewohner in den Nachbarorten Gerthe, Werne, Hiltrop, Altenbochum eine ganz andere, wo durch den Strom der Zugewanderten eine stärkere Vermischung stattgefunden hat.“ Ganz nach dem Motto: „Wie wöt för us bliewen, wie brukt känne Fremmen.“ 

Das galt auch für die Kirmes: Es wird berichtet, dass das Fest in allen Häusern gefeiert wurde – aber eben nur mit Verwandten und Bekannten, die im besten Falle „eingeborene“ Harpener waren.

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