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Passiver Widerstand
verstärkte die Inflation

HistoBO: 100 Jahre Ruhrbesetzung

Diese Jahre gelten als die eigentliche Geburtsstunde des Ruhrgebiets – weil die Menschen da erst wirklich begriffen, dass sie eine Einheit sind. Und nicht nur eine zufällig hingekleckste Ansammlung grauer Käffer.

Genau hundert Jahre ist es her, da marschierten französische und belgische Truppen in das Ruhrgebiet ein und besetzten es. Von 1923 bis 1925 blieben sie, um die Reparationen, die Deutschland nach dem ersten Weltkrieg schuldig blieb, in Form von Kohle, Koks und Stahl zu requirieren. Zehntausende Soldaten kamen ins Ruhrgebiet, auch nach Bochum. 

Schulen, Turnhallen und Hotels als Unterkünfte

Ab dem 15. Januar 1923 war unsere Stadt besetzt, nachdem zuvor Essen und Gelsenkirchen unter Kontrolle gebracht wurden. Mehrere Einheiten der französischen Rheinarmee besetzen wichtige Schlüsselgebäude, wie den Hauptbahnhof, den Nordbahnhof, das Post- und Telegrafenamt, das Gebäude des Benzolverbandes und das Eisenbahnbetriebsamt an der Königsallee.

Nach Bochum kamen zu Beginn der Besatzung 3.500 Unteroffiziere und Mannschaften, 300 Offiziere, dazu 120 Angehörige der Regie-Verwaltung sowie weitere alliierte Kontrollbehörden. Die mussten alle untergebracht werden: Es wurden Schulen, Turnhallen, Hotel, zahlreiche Büros und viel weiteres Eigentum beschlagnahmt.

Neun Bochumer kamen ums Leben

Bei militärischen Zwischenfällen und Unfällen mit den Besatzungstruppen kamen neun Bochumer ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Der erste Tote der Ruhrbesetzung überhaupt war ein Bochumer Schlosser-Lehrling. Josef Birwe war fünfzehn, als er in der aufgeregten Stimmung beim Einmarsch der Soldaten über die Königsallee starb, Soldaten hatten sich bedroht gefühlt und unkontrolliert in die Menge geschossen.

Die Beerdigung am 19. Januar 1923 geriet zu einer politischen Demonstration; im Trauerzug befand sich die gesamte Bochumer Stadtführung mit Oberbürgermeister, Stadtdirektor und allen Vertretern des Stadtrates. Ereignisse wie diese brachten die Bochumer Bürger gegen die Besatzer auf, es wurde versucht, die Stimmung mit einem Flugblatt zu beruhigen. „Mitbürger, laßt Euch nicht provozieren!“ stand da, das Original ist im Stadtarchiv zu sehen. 

Ende der Ruhrbesetzung nach Verhandlungen 

Die Reichsregierung hatte die Bevölkerung zwei Tage nach dem Einmarsch zum passiven Widerstand aufgerufen, wer sich nicht weigerte, mit den Besatzern überhaupt zu sprechen, wurde öffentlich diffamiert. Die Regierung hatte sich entschlossen, die Ruhrgebiets-Arbeiter weiter zu bezahlen, druckte Unmengen an Geld, was die Hyperinflation anheizte.

Arbeitslosigkeit machte sich breit, die Versorgungslage war schlecht. Rechte Kreise nutzten die Ruhrbesetzung für ihre Propaganda. Auf Plakaten waren französische Kolonialsoldaten zu sehen, dargestellt als affenähnliche Wesen, die vor allem eins im Sinn haben – die Vergewaltigung blonder deutscher Frauen.

Bis zum 20. Juli 1925 stand Bochum unter französischer Militärverwaltung, Verhandlungen und Druck aus den USA und aus Großbritannien führten zu einer Einigung über die Reparationszahlungen. Über zwei Jahre lang hatten die Menschen im Ruhrgebiet bis dahin ums Überleben gekämpft.

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