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Sarah trifft ihren Lebensretter

Genetischer Zwilling spendete junger Mutter Stammzellen

„Meine Mama braucht einen Lebensretter“ – Der Aufruf des zweijährigen Henry aus Eppendorf ging weit über Bochum hinaus vor zwei Jahren durch alle Medien.

Mit einem gemeinsamen Foto von Henry und Mama Sarah im Erdbeerfeld suchten Familie, Verwandte, Freunde, Bekannte, Kolleginnen und Kollegen in den sozialen Netzwerken nach einem Stammzellspender. Flyer der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) wurden verteilt mit Infos zur Registrierung – in der Hoffnung, einen genetischen Zwilling für die damals 33-Jährige Lehrerin zu finden. Ende August 2020 hatte sie die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs erhalten. Schon vor der ersten Chemo stand fest, dass nur eine Transplantation ihr Leben retten kann.

Top-Transplantat wurde gefunden

Sarah hatte Glück in ihrem Unglück: „Es wurde ein Top-Transplantat gefunden.“ Neun von zehn Übereinstimmungen gab es, ab fünf „Treffern“ wird transplantiert. Im Dezember begann die Übertragung mit all ihren Begleiterscheinungen – eine qualvolle Zeit in völliger steriler Isolation.

Das ist jetzt zwei Jahre her. Zwei Jahre, die sie ihrem Lebensretter verdankt. Über ihn erfuhr sie in dieser Zeit nur, dass er männlich, 27 Jahre alt und gut gebaut ist. Zwei Jahre lang achtet die Deutsche Stammzellspenderdatei (DSD) ganz streng auf Anonymität– zum Schutz beider Seiten. Danach können Anträge auf Bekanntgabe der Daten gestellt werden. Doch nicht alle wollen das.

Knochenmarkspenderdatei

Allerdings konnten Sarah und Simon das Kennenlernen nicht abwarten und bereits im zweiten Briefkontakt gab es kleine Hinweise zwischen den Zeilen: „So erfuhr ich, dass mein Lebensretter großer HSV-Fan ist und schlug ihm einen Spielbesuch vor, falls der HSV und der VFL in einer Liga spielen.“ Als sie in einem Brief von ihrem Kollegium schreibt, folgerte Simon, dass sie Lehrerin sein musste. Schon bald hatte Simon alias „Sherlock“ Sarahs Identität recherchiert und Kontakt über ihre Schulmailadresse aufgenommen. 

So gab es schon nach 13 Monaten ein erstes Kennenlernen per Facetime mit dem Steinfelder und kurz darauf ein erstes Treffen im hohen Norden. „Es war in einem Hotel am Dümmer See. Er kam mit einem Blumenstrauß auf mich zu und wir hatten beide das Gefühl, uns schon ewig zu kennen.“

Begegnung war „hoch emotional“

Auch für ihren genetischen Zwilling war die Begegnung „hoch emotional“: „Es ist ein unglaubliches Gefühl für mich als Spender, den Menschen umarmen zu dürfen, dem ich das Leben gerettet habe.“ Die vielen Gemeinsamkeiten und gleichen Interessen, wie die Liebe zum Karneval, das nicht Ausstehen können von Kaffee und Glühwein, haben ihn „echt überrascht“. Hoch offiziell kam Simon zu Sarahs „zweitem Geburtstag“ nach Bochum.

Simon hatte sich bereits Jahre zuvor in die Stammzellspenderdatei aufnehmen lassen. Das hatte er schon beinahe vergessen, als die Nachricht kam, er sei ein passender Spender. Auch Henrys Registrierungsaufruf in Bochum hat viele potentielle Stammzellspender hervorgebracht. Sarah weiß von zwei Lebensrettern aus dem Freundeskreis – einer spendete für ein Kind in Skandinavien.

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