Peter Mohr

Ausse Lohrheide – die SG 09-Kolumne Juli 2022

Er befindet sich in seiner 32. Saison als Berichterstatter an der Lohrheide, hat alle Höhen und Tiefen rund um den Verein mitgemacht und leugnet nicht, vom schwarz-weißen Virus infiziert zu sein.

Hallo Wattenscheid,

ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an den Pfingstmontag zurück denke. Wann hat es zuletzt bei einem Pflichtspiel mehr als 6000 Zuschauer gegeben? Wann gab es zuvor einmal eine Anstoßverlegung, weil noch riesige Menschenmassen vor den Stadiontoren auf der Lohrheidestraße standen und Einlass begehrten? Wie müssen sich die zumeist noch sehr jungen 09-Spieler gefühlt haben, als sie vor ihrem „Endspiel“ aus dem Spielertunnel kamen? 

Solch emotionale Momente erlebt jeder Mensch anders. Ich werde das Bild nicht vergessen, als sich nach dem Abpfiff des Spiels gegen Rheine Spieler, Trainer, Vorstand und Fans in den Armen lagen. Es war nicht nur große Freude zu spüren, sondern auch ein Höchstmaß an Erleichterung nach diesem unbeschreiblichen Kraftakt zum Ende der Aufstiegsrunde.

Ich konnte mich des Gefühls nicht erwehren, als hätte der harte Kern der Fans mitgespielt – gezeichnet von einer Melange aus Freude und totaler Erschöpfung. Ich habe noch den „Ur-Schrei“ von Felix Casalino im Ohr, den er direkt nach dem Abpfiff durchs weite Rund hallen ließ. Der Moment ist mit der Kamera eingefangen und für die Ewigkeit dokumentiert – leider ohne Ton.

Was hat diese Mannschaft so stark gemacht? Vor allem (und das zeichnete sie im gesamten Saisonverlauf aus) die 1909-prozentige Fitness. Da hat Coach Christian Britscho mit seinem Team Großes geleistet. Wenn wir einmal inne halten und zurück blicken: Es gab viele Spiele, die erst in der letzten Viertelstunde gewonnen wurden. Dank toller Fitness, aber auch dank einer großartigen Mentalität und eines kaum zu toppenden Teamspirits.

Die in den sozialen Netzwerken veröffentliche Kabinenansprache von Nils Hönicke war „sensationell“. Schade, dass uns dieser positiv „Verrückte“ verlassen hat.

Für mich persönlich bedeutete das Auswärtsspiel in Aplerbeck eine Art „Turn around“. Da ist offensichtlich in der Halbzeit noch einmal ein „kollektiver Schalter“ umgelegt worden.Mentalität und Fitness werden auch in der Regionalliga stimmen, da bin ich mir sicher. Eines ist aber sicher – die kommenden Gegner haben ein anderes sportliches Kaliber, und wir müssen unsere Erwartungshaltung (trotz der noch vorhandenen Aufstiegseuphorie) etwas zurückfahren. Es wird keine Experimente geben, lautete der lobenswerte Tenor des Vorstandes. Richtig so. Und wir sollten bei aller Freudetrunkenheit nicht vergessen – vor rund drei Jahren stand die SGW kurz vor dem Aus.

Ja, es ist (gerade jetzt) an der Zeit, den Verantwortlichen zu danken, die damals Verantwortung übernahmen und das 09-Schiff mit viel Weitsicht und klugen Entscheidungen in ruhiges Fahrwasser lenkten. Lasst uns das Abenteuer Regionalliga (ohne Druck) einfach genießen.

Bis demnächst inne Lohrheide
Euer Peter Mohr

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