Zukunftsvertrag fördert Betreuungsausbau

Stadt richtet 1. Bochumer Kita-Gipfel aus

Mehr Kindertagesstätten, mehr Plätze für unter wie über Dreijährige, mehr Ausstattung, mehr Qualität. Dies sind die klar definierten Ziele für die Kinderbetreuung in Bochum bis Mitte 2026.

Ein Zukunftsvertrag ermöglicht die Umsetzung. Dafür stellt die Stadt freiwillig zusätzliche Gelder bereit. Allein in den nächsten fünf Jahren ergänzend weit über fünf Millionen Euro.

„Bochum soll noch familienfreundlicher werden. Deshalb haben wir uns gemeinsam mit den Kita-Trägern intensiv über die Angebote und Möglichkeiten der Kindertagesbetreuung beraten und Lösungen erarbeitet“, sagte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch.

Vereinbarung beim 1. Bochumer Kita-Gipfel vorgestellt

Zusammen mit Sozialdezernentin Britta Anger und dem Jugendamt stellte er die Vereinbarung jetzt beim 1. Bochumer Kita-Gipfel kleinen und großen Trägern im Saal der Jüdischen Gemeinde vor.

„Der Zukunftsvertrag stellt die Bochumer Kindertagesstätten langfristig und nachhaltig finanziell besser als bisher, sichert das bestehende Betreuungsangebot, unterstützt den weiteren Ausbau von Platzkapazitäten für Kinder sowohl unter als auch über drei Jahren und zielt auf eine qualitätsvolle pädagogische Arbeit“, erklärte Thomas Eiskirch.

Mit den von der Stadt entwickelten Förderangeboten antwortet die Stadt auch auf den Hilferuf der Verbände und Vereine, die Kindertageseinrichtungen in Bochum betreiben. Denn: Während die Landesregierung die Kita-Betreuung durch das im Sommer 2020 in Kraft getretene neue Kinderbildungsgesetz (KiBiz) als „auskömmlich finanziert“ ansieht, beklagen die Kita-Betreiber Finanzierungslücken durch das KiBiz NRW.

„Der Eigenanteil, den die Träger zur Finanzierung ihrer Kitas leisten müssen, ist ihnen dadurch letztlich zu hoch“, erläuterte Jörg Klingenberg, Leiter des Bochumer Jugendamts. Die Stadt ermöglicht den Bochumer Kita-Trägern daher, mit dem Zukunftsvertrag weitere städtische Zuschüsse zu erhalten und den Eigenanteil stufenweise zu senken.

Beispiel: Ein konfessioneller Träger wie die katholische oder evangelische Kirche muss derzeit seine Kitas zu 10,3 Prozent mitfinanzieren. Durch den Zukunftsvertrag kann er ab dem kommenden Kita-Jahr (Start 1. August) in Bochum städtische Zuschüsse erhalten und seinen Eigenanteil an der Kita-Finanzierung künftig auf bis zu 4,3 Prozent senken.

Auch andere Kita-Betreiber stellt die Stadt Bochum mit dem Zukunftsvertrag besser: Träger aus der freien Jugendhilfe können ihren Eigenanteil von 7,8 auf bis zu 1,8 Prozent senken. Elterninitiativen, die einen gesetzlichen Eigenanteil von 3,4 Prozent leisten müssen, können diesen mit dem Bochumer Zukunftsvertrag auf bis zu 0,9 Prozent heruntersetzen.

Der städtische Zuschuss für die Bochumer Kita-Träger setzt sich aus drei Säulen zusammen: Zur Grundfinanzierung erhalten konfessionelle und nicht-konfessionelle Träger künftig vier Prozent Erstattung zu ihrem Trägeranteil, Elterninitiativen erhalten zwei Prozent, weil sie einen geringeren gesetzlichen Trägeranteil zahlen müssen.

An weitere Zuschüsse aus dem Jugendamt knüpfen sich Voraussetzungen: Diese Finanzierungshilfen können die Kita-Betreiber bekommen, wenn sie unter anderem zusichern, dass alle ihre im jetzigen Kita-Jahr 2020/21 bestehenden Einrichtungen und Gruppen in Bochum in den nächsten fünf Jahren erhalten bleiben (Platzgarantie).

Einen weiteren städtischen Zuschuss können sie beziehen, wenn sie an nur maximal 19 Tagen im Jahr schließen (z.B. für Ferien oder Konzeptionstage); maximal zehn Schließtage davon sollen künftig in den Sommerferien liegen. Dies führt zu dem positiven Effekt, dass Kitas in den Sommerferien nicht länger als zwei Wochen am Stück geschlossen sind und Eltern so Familie und Beruf besser vereinbaren können.

„Die Öffnungstage sollen sich an den Bedürfnissen junger Familien orientieren“, betonte Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch.Über die Senkung des Eigenanteils hinaus beinhaltet der Zukunftsvertrag weitere Hilfen: So übernimmt die Stadt weiterhin den Trägeranteil für alle neuen u3-Plätze zu einhundert Prozent.

Neu hinzu kommt: Mit 1.000 Euro bezuschusst die Stadt künftig zusätzlich die Ausstattung für jeden weiteren Platz im u3- und ü3-Bereich, für den Bund und Land pauschal 3.500 Euro bereitstellen. Dies gilt für alle Plätze, die bis zum 1. August 2024 entstehen.„Mit dem städtischen Zuschuss helfen wir bei der Anschaffung von benötigten Möbeln oder auch Spielgeräten“, so Jörg Klingenberg.

„Flexible Kitas“, die zum Beispiel auch frühmorgens, abends oder samstags öffnen, können für ihre höheren Personal- und Betriebskosten zudem 200.000 Euro jährlich aus einem mit Stadt- und Landesmitteln bestehenden Fördertopf beantragen.

Familienfreundliche Kommune bis 2025

„Unser Ziel im Zuge der Bochum Strategie ist es, als familienfreundliche Kommune bis 2025 zehn Kitas in verschiedenen Stadtgebieten zu solchen ,FlexKitas‘ erweitern zu können“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch.

„Wir wollen damit berufstätigen Eltern, die im Schichtdienst und am Wochenende arbeiten müssen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern.“Darüber hinaus gibt es einen neuen Anreiz für Investoren, Kindertageseinrichtungen in Bochum zu bauen.

Hier regelt der Zukunftsvertrag, dass Kita-Träger nur die Mietkosten an den Investor zahlen, die nach dem Kinderbildungsgesetz NRW förderwürdig sind, und Investoren die fehlenden Mieteinnahmen durch einen städtischen Zuschuss ausgleichen können, damit sich das Bauvorhaben refinanziert.

200.000 Euro stellt die Stadt dafür jährlich bereit. Damit können umgerechnet acht neue Kitas gefördert werden. Die dazugehörige städtische Förderrichtlinie sichert unter anderem, dass die so entstehenden Einrichtungen bis spätestens 1. August 2024 betriebsbereit sein müssen und für 25 bzw. 30 Jahre als Kita genutzt werden.

Insgesamt zwölf neue Einrichtungen mit zusammen 818 Plätzen benötigt Bochum nach einer Bedarfsrechnung bis zum Kita-Jahr 2024/25. Vier davon wird die Stadt selber bauen.Stimmen sollen dann aber auch der Personalschlüssel und die fachliche Qualifizierung in den Kitas, so der Wunsch der Gastgeber und Gäste des 1. Bochumer Kita-Gipfels. „

Die Ausbildung ist eine schulische, auf die wir Kita-Träger selbst also keinen direkten Einfluss haben“, erläuterte Nadine Belge, die im Jugendamt die Abteilung für Kindertagesbetreuung leitet. „Wie in anderen Bundesländern fehlt Lehrpersonal an den Fachschulen und es stehen nicht genug Schulplätze für Auszubildende zur Verfügung, so dass wir Kita-Träger nicht genug Fachkräfte einstellen können.“

Dies sei ein landes- und bundesweites Problem. „Um die pädagogische Qualität zu verbessern und zu sichern, haben wir mit den anderen Kita-Trägern heute die Projektgruppe ,Personal’ gegründet“, so Sozialdezernentin Britta Anger.

„In dieser werden wir uns gemeinsam und mit dem Städtetag auf Landesebene sichtbar und stark machen für dringend nötige Veränderungen.“Erste eigene konkrete Bochumer Ideen gibt es bereits: So soll die Zusammenarbeit mit Fachschulen verstärkt werden, Klassengrößen könnten zum Beispiel erhöht werden, um mehr Fachkräfte-Nachwuchs ausbilden zu können.

Für Seiteneinsteiger sollen Qualifizierungsprogramme aufgelegt werden, die sie fachlich fit für die Arbeit in Kindertagesstätten machen. Auch eine Personalgewinnung aus dem Ausland wäre denkbar, verbunden mit Qualifizierungsangeboten, zu denen – so erforderlich – Deutsch-Sprachkurse zählen.

„Ich finde es einzigartig und innovativ, alle Träger an einen Tisch zu holen“, kommentierte Barbara Mag, Bereichsleiterin Ruhrgebiet für Kitas und Offene Ganztagsschule bei der Outlaw gGmbH. „Ich denke, es ist genau der richtige Weg, sich als Stadt in der Kinderbetreuung gut aufzustellen und die Träger zu gleichen Teilen gleichberechtigt einzubeziehen, um das gemeinschaftliche Ziel zu erreichen.“

Auch bei Vertreterinnen und Vertretern der anderen Träger fanden der Zukunftsvertrag und der erste Bochumer Kita-Gipfel Zustimmung: „Wir begrüßen den Bochumer Kita-Gipfel“, so Marc Schaaf, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Ruhr-Mitte, „denn neben den finanziellen Herausforderungen, vor denen wir stehen, gilt es, genauso den Fokus auf den Fachkräftemangel und weitere Themen zu legen.

Gerade in Bezug auf den Fachkräftemangel und den gleichzeitig kontinuierlich wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen braucht es gemeinsame Lösungen. Der Zukunftsvertrag ist eine sehr gute Grundlage.“

Wolfram Ring, Einrichtungsleiter des evangelischen Kinder- und Jugendhauses, teilt diese Ansicht: „Der Zukunftsvertrag tut uns gut und hilft.“

Zahlen & Fakten

In Bochum gibt es aktuell 187 Kindertageseinrichtungen. 168 werden von Trägern der freien Jugendhilfe betrieben. 19 sind in städtischer Trägerschaft. Bis zum Kita-Jahr 2024/25 sollen mindestens zwölf neue Kitas gebaut werden; vier von diesen errichtet die Stadt selbst.

Die Stadt vergrößert wie die anderen Träger seit Jahren stetig ihr Platzangebot durch Neu- und Ausbau. Seit 2015 sind so 1.130 Plätze für Kinder unter drei Jahren und 920 Plätze für Kinder über drei Jahren zusätzlich entstanden. 2021 kommen durch Neu- und Ausbau 212 u3- und 302 ü3-Plätze neu hinzu.

Im Kindergartenjahr 2021/22 (ab 1. August) stehen in Kitas 2.229 und in der Kindertagespflege 1.716 Plätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung (+ 117). Für Kinder über drei Jahren gibt es dann 9.369 Plätze (+ 243).

Quelle: https://www.bochum.de/Pressemeldungen/26-Februar-2021/Stadt-richtet-1.-Bochumer-Kita-Gipfel-aus-Zukunftsvertrag-foerdert-Betreuungsausbau

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