„Anne Bude“

Christa Stadtler: Seit sechzig Jahren hinter der Kiosk-Theke

Manche Dinge halten gefühlt ewig. Wie der Kiosk-Betrieb an der Hiltroper Straße 361. Den gibt es seit vielen Jahrzehnten – und seit rund sechs Jahrzehnten steht Christa Stadtler hinter der Scheibe.

Christa Stadtler verkauft das, was man gemeinhin von einem klassischen Ruhrgebiets-Kiosk erwartet. Eigentlich fast alles also. Ein kleiner Tipp: Salmiak-Silberlinge gibt es hier noch für fünfzig Cent – für genau und einzeln abgezählte fünfzig Stück. Die kriegt man gar nicht mehr überall. Aber so ganz sterben die Dinger eben nicht aus. 

Ganz gleich, viel wichtiger und gleichzeitig auch traurig ist: Allzu lang wird es den Kiosk von Christa Stadtler in dieser Form wohl nicht mehr geben. „Ich stehe den ganzen Tag im Laden, insgesamt schon fast sechzig Jahre, und ich hab nicht so viel Lust, das noch lange zu machen“, sagt die resolute Frau, „aber das hält auch fit, sie müssen immer rechnen, Buchführung machen. Aber wenn einer sagt, hier ist es ruhig, dann kann er sich ja mal einen Tag hier reinstellen.“

Achtzig Jahre alt ist Christa Stadtler jetzt. Damals, in den frühen Sechziger Jahren, hat sie als junge Erwachsene, nach der Berufsausbildung ihrer Mutter geholfen, die als erste den Kiosk in einem Anbau am Haus der Familie betrieb. So blieb mehr Zeit für das Kind.

Danach hat sie den Laden übernommen und so weitergeführt, wie er jetzt existiert. „Wir sind noch ein Kiosk vom alten Schlag“, sagt Christa Stadtler. 

Zu ihr kommen auch mal Kunden aus Gerthe und Castrop, die meisten aber, sind Stammkunden. „Da sind schon ein paar Unikate dabei“, erzählt sie, „manchmal muss ich auch wen wegscheuchen, aber ansonsten habe ich sehr liebe Kunden. Mich kennen hier alle.“

Einkaufen fährt Christa Stadtler immer noch regelmäßig selbst. Das ist praktisch und spart Geld. „Wenn man sich was bringen lässt, wird’s teurer“, lacht sie, „das hatten wir früher mal mit Langnese, da hat sich meine Mutter beliefern lassen. Da hab ich gesagt, Mama, bist du bescheuert, das kriegen wir doch im Großmarkt viel billiger. Das haben wir dann gemacht – und Langnese hat dann auch ganz schnell die Eistruhe abgeholt. Aber am Ende hat es sich rentiert.“

Christa Stadtlers Kiosk ist auch am Wochenende geöffnet, sonntags aber nicht so lang. Und donnerstags braucht man auch nicht vorbeizufahren. Da ist Ruhetag. Aber was heißt das schon, Ruhetag. Da werden dann die Dinge erledigt, die die Woche über, außerhalb des Kiosk-Lebens, liegen bleiben. „Sind sie jetzt fertig?“, fragt sie den hallobo-Reporter (an einem Donnerstag), „ich muss meine Wohnung putzen.“ Keine weiteren Fragen.

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