Katja Zakotnik im Ruhrgebiet unterwegs
Celloradeln definiert Konzerte neu
Wenn Katja Zakotnik mit ihrem Cello unterwegs ist, dann reicht eine Bühne längst nicht mehr aus.
Die Cellistin denkt Konzerte neu – und verlegt sie kurzerhand dorthin, wo das Leben passiert: nach draußen, in Bewegung, mitten in den Alltag. Mit ihrem Projekt „Celloradeln“ wird der RuhrtalRadweg im Mai zur längsten Konzertbühne der Region – und das Publikum gleich mit in Bewegung versetzt.
Text von Kira Kosthorst:
240 Kilometer, 15 Konzerte, ein Cello – und „Martha“. So heißt der kleine Fahrrad-Wohnanhänger, der Zakotnik auf ihrer Reise begleitet. Transportmittel, Rückzugsort und Mini-Bühnenlogistik in einem. Vom 17. bis 24. Mai fährt sie von der Quelle der Ruhr bis zur Mündung in Duisburg – und macht dabei Halt an Orten, die so unterschiedlich sind wie das Ruhrgebiet selbst: von der Himmelstreppe in Meschede bis zur Industriekulisse der Henrichshütte, vom Kurpark bis zur Fähre.
Mitmachen radikal weitergedacht
Was zunächst wie ein sportliches Experiment klingt, ist vor allem ein künstlerisches Konzept. Zakotnik will klassische Musik aus ihrer gewohnten Umgebung befreien. „Ich habe Musik nie als etwas gesehen, das man nur konsumiert“, sagt sie. Schon früh begann sie, ihre Konzerte dramaturgisch zu inszenieren, das Publikum einzubeziehen, Geschichten zu erzählen. Heute sind solche partizipativen Formate im Trend – Zakotnik hat sie längst gelebt, bevor sie zum Schlagwort wurden.
Beim Celloradeln wird dieser Ansatz radikal weitergedacht. Das Konzert ist kein fixer Termin mehr im Kalender, sondern Teil eines Flusses. Wer will, kann ein Stück mitradeln, spontan stehen bleiben, zuhören, weiterfahren. Vielleicht in Radkleidung, vielleicht mit Picknickdecke. Die Grenzen zwischen Alltag und Konzert lösen sich auf.

Gerade darin liegt für Zakotnik die Kraft des Projekts. In einer Zeit, in der Bildschirme und Nachrichten den Takt vorgeben, setzt sie bewusst auf Entschleunigung. Fahrradfahren und Live-Musik, sagt sie, hätten etwas gemeinsam: Sie holen uns zurück ins Hier und Jetzt. „Die Leute gehen anders raus aus diesen Konzerten“, beobachtet sie. Offener, gelöster, verbunden.
Bach im Liegestuhlformat
Auch musikalisch passt sie sich den Orten an. Mal Bach im Liegestuhlformat, mal zeitgenössische Werke über Widerstand und Diktatur, mal sphärische Klänge zwischen Industriekulisse und Nacht. Jedes Konzert entsteht aus dem Moment heraus – abgestimmt auf Umgebung, Publikum und Atmosphäre.
Dass das funktioniert, liegt nicht zuletzt an den Menschen entlang der Strecke. Zakotnik schwärmt von der Offenheit im Ruhrgebiet: „Das sind alles Macher.“ Überall treffe sie auf Unterstützung, Ideen, spontane Hilfe. Ein Eindruck, der sich durch das ganze Projekt zieht: Celloradeln ist nicht nur eine Reise durch Landschaften, sondern auch durch Mentalitäten.
Eintritt frei
Der Eintritt zu allen Konzerten ist frei. Wer möchte, kann spenden – für zukünftige Projekte und vor allem für Kinderkonzerte, die Zakotnik besonders am Herzen liegen. Denn auch das gehört zu ihrer Mission: Zugänge schaffen. Für Musik, für Begegnung, für neue Perspektiven.
Vielleicht ist Celloradeln am Ende genau das, was dem klassischen Konzertbetrieb manchmal fehlt: weniger Distanz, mehr Bewegung. Und die Erkenntnis, dass große Momente nicht immer große Bühnen brauchen. Manchmal reicht ein Fahrrad, ein Cello – und der Mut, einfach loszufahren. Mehr zum Celloradeln und die Konzertdaten von Katja Zakotnik auf celloradeln.de
Konzert-Halte im Überblick:
- 17.05., 15 Uhr Winterberg Ruhrquelle
- 18.05., 13 Uhr Olsberg Kurpark Dr. Grüne
- 18.05., 19 Uhr Bestwig Kloster Bestwig
- 19.05., 11 Uhr Meschede Himmelstreppe
- 19.05., 18 Uhr Arnsberg Kloster Wedinghausen
- 20.05., 12:30 Uhr Wickede „NO HATE“-Kunstwerk
- 20.05., 19 Uhr Schwerte Haus Villigst
- 21.05., 14 Uhr Schwerte Klimagarten
- 21.05., 17 Uhr Holzwickede Haus Opherdicke
- 22.05., 12-14 Uhr Witten Ruhrtalfähre
- 22.05., 20 – 23 Uhr Hattingen Henrichshütte
- 23.05., 12 Uhr Witten Zeche Nachtigall
- 24.05., 11 Uhr Mülheim Aquarius Wassermuseum 24.05., 16 Uhr Duisburg Rheinorange
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