Ex-Sprintstar

Marc Blume sucht Stammzellenspender für seine Tochter

„Lange nichts von dir gehört“, sage ich in mein Mobiltelefon, und Marc Blume am anderen Ende der Leitung meint nur: „Und dann wegen so einer Sache.“ Aber es ist Ehrensache, dass ich mich melde und diese Geschichte auch in unserem neuen Blatt erzähle: Marc Blumes Tochter Feelia (5) ist schwerkrank und braucht eine Stammzellenspende.

Marc Blume war ein erfolgreicher Leichtathletik-Sprinter

In den Neunzigern und auch zu Beginn des neuen Jahrtausends war Marc Blume im Trikot des TV Wattenscheid 01 der schnellste deutsche Sprinter. Ein Jahrzehnt ganz oben. Und er war jemand, den man auch international auf dem Zettel hatte. 1996 gewann er Gold über 60 Meter bei den Hallen-Europameisterschaften – einer der größten Erfolge der Wattenscheider Leichtathletik. Im März ist Marc Blume unerwartet wieder auf meinem Radar aufgetaucht, als er auf Facebook das Schicksal seiner Tochter öffentlich machte.

Angefangen hat alles vor rund einem halben Jahr, als Marc und seine Frau Alexandra auf einmal merkten: Hier ist etwas nicht in Ordnung. „Feelia hat Fahrradfahren gelernt, und obwohl sie es schon ganz gut konnte, hatte sie auf einmal überall blaue Flecken, einen neben dem anderen“, erzählt Marc Blume, „die Kinderärztin hat uns dann direkt in die Kinderklinik Bethel geschickt. Dort fand man heraus, dass Feelia zu wenig Thrombozyten hat. Erst glaubte man an eine verschleppte Infektion.“ Doch als die Blutwerte sich nicht besserten, brachte eine Knochenmarkpunktion Klarheit: MDS, das Myelodysplastische Syndrom, eine Vorstufe der Leukämie, bei der das Knochenmark nicht genug gesunde Blutzellen produziert.

Feelia muss besonders geschützt werden

„Die eigene Blutbildung wird immer weniger, das Immunsystem leidet“, erklärt Marc Blume. Für Feelia bedeutet das gerade jetzt in der Pandemie, dass sie besonders geschützt werden muss. Das geliebte Fahrrad steht in der Ecke, in die Kita darf sie nicht. Stattdessen bekommt sie nun mehrmals in der Woche Bluttransfusionen. Und die Krankheit krempelt natürlich das Leben der gesamten Familie um. Um für Feelia ein möglichst steriles, staubfreies Umfeld zu schaffen, mussten Teppiche und Gardinen aus der Wohnung entfernt werden. Auch Topfpflanzen sind tabu, und der Familienhund ist vorläufig bei Verwandten.

Seitdem die Diagnose feststeht, hat für die Familie die große Suche begonnen – nach dem „genetischen Zwilling“ von Feelia, der für eine Knochenmarkspende in Frage kommt. Dafür ist Marc Blume auch bewusst in die Öffentlichkeit gegangen: „Wir hatten Tage, da war es ein einziges Bangen. Man kommt sich so hilflos vor. Aber seitdem klar ist, dass wir einen Spender brauchen, bespielen wir alle Kanäle, um ihn zu finden.“

Die Rechnung ist einfach: Je mehr Menschen bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (www.dkms.de) registriert sind, umso besser sind die Aussichten, eine Spenderin oder einen Spender zu finden – für Feelia und natürlich für viele, viele andere Betroffene. Marc Blume ist übrigens auch schon lange dabei, etwa ein Vierteljahrhundert: „Ich habe auch schon einmal einen Brief bekommen, aber dann hat sich doch noch jemand anders gefunden, der besser gepasst hat.“ Die Resonanz auf seine Aufrufe hat den früheren Sprintstar überwältigt: „Durch den Sport habe ich viele Bekannte, die alle mithelfen. Aber der Schneeballeffekt hat mich dann doch überrascht, alle machen mit – auch der Deutsche Leichtathletik-Verband und der Deutsche Olympische Sportbund.“

Es ist schwer gerade für die Familie von Marc Blume, der von Haus aus eine erfolgsverwöhnte Frohnatur ist. Aber unterkriegen lässt er sich nicht: „Wir sagen: Der Anruf kommt, dass ein Spender gefunden ist. Wenn er heute nicht kommt, kommt er morgen.“

Bericht von Michael Ragsch

Schlagwörter