Bauchmensch, Frühaufsteher,
VAR-Gegner
So tickt Uwe Rösler!
Uwe Rösler hat beim VfL Bochum in nur zehn Monaten Kultstatus erlangt. Dietmar Nolte hat sich für das hallobo.1848-Magazin mit dem Cheftrainer zu einem sehr persönlichen Gespräch getroffen, um etwas mehr über ihn als Menschen zu erfahren. Wie der 57-Jährige tickt, denkt und fühlt, verrät er im Entweder-oder-Interview – wobei es natürlich auch um Fußball geht.
Nachtmensch oder Frühaufsteher?
Heute ganz klar Frühaufsteher. Früher war ich eher ein Nachtmensch, aber das hat sich verändert. Ich lebe heute bewusster, gehe morgens ins Gym und investiere Zeit in meinen Körper und meine mentale Vorbereitung auf den Trainerjob.
Bauchmensch oder Kopfmensch?
Bauchmensch. Mein Bauchgefühl hat mich zwar auch schon enttäuscht, aber das gehört dazu. Mit fast 40 Jahren Erfahrung im Fußball lernt man aus Fehlern. Heute kann ich mich auf mein Bauchgefühl deutlich mehr verlassen als früher.
Katze oder Hund?
Hund. Mein Hund Coby hat mich tatsächlich zu einem geduldigeren Menschen gemacht. Geduld war nie meine Stärke, aber mit einem Hund lernt man, sich Zeit zu nehmen und sich auf einen anderen Rhythmus einzulassen.
Kino oder Theater?
Kino. Gerade als Spieler war das für mich ein guter Ausgleich, um mental abzuschalten. Beim Genre bin ich völlig offen – Hauptsache, ich kann für ein paar Stunden den Fußball ausblenden.
Couch oder Sport?
Sport. Ich versuche, jeden Tag etwas für meine Fitness zu tun: Gym, Golf, Hundespaziergänge. Bewegung gehört für mich einfach zum Alltag.
Currywurst oder Fish & Chips?
Currywurst. Nach vielen Jahren in England und Skandinavien war das immer etwas Besonderes, wenn ich mal wieder eine Currywurst essen konnte. Jetzt bin ich im Land der Currywurst angekommen und genieße das natürlich.
Bier oder Wein?
Heute Wein. Früher hätte ich Bier gesagt, inzwischen genieße ich lieber ein gutes Glas Wein. Natürlich in Maßen, aber dagegen gibt es nichts einzuwenden.
Strand oder Berge?
Strand – auch wenn ich die Berge liebe. Ich habe viele Jahre direkt am Meer gelebt, ob in Malmö, Aarhus oder auf Mallorca. Gleichzeitig gehe ich wahnsinnig gerne in den Bergen wandern. Mallorca ist deshalb für mich perfekt, weil die Insel beides bietet.
Online oder offline?
Offline – auch wenn man sich das heutzutage kaum leisten kann. Natürlich kommt man als moderner Trainer an digitalen Medien nicht vorbei. Ich selbst bin auch bei Instagram aktiv. Aber in unserer Familie gibt es eine klare Regel: Beim Essen bleiben die Handys weg. Diese gemeinsame Zeit ist uns wichtig.
Heimatgefühle bei Altenburg oder Manchester?
Manchester, denn das ist mein „Spiritual Home“. Dort habe ich die schönste Zeit meines Lebens verbracht, meine Frau kennengelernt, unser Sohn wurde dort geboren und viele meiner engsten Freunde leben dort. Aber das Wetter ist mir zu kalt, als dass ich dort immer leben könnte. Zu Altenburg habe ich zwar eine Verbindung als Geburtsort, geprägt hat mich als Jugendlicher aber vor allem Leipzig.
Main Road oder Ruhrstadion?
Main Road – obwohl das echt eine schwierige Frage ist. Das alte Stadion von Manchester City war die Bühne meiner schönsten Fußballjahre. Die Atmosphäre dort war außergewöhnlich, ein echtes Arbeiterstadion mit leidenschaftlichen Fans. Gegen das heutige Etihad Stadium mit seinem Kommerz würde ich allerdings jederzeit das Ruhrstadion bevorzugen.
Premier League oder Bundesliga?
Premier League. Für mich ist sie mit Abstand die beste Liga der Welt. Sie ist ausgeglichener, offensiver und vermarktet sich hervorragend. Außerdem spielen dort Jahr für Jahr die besten Fußballer.
Skandinavien oder Deutschland?
Skandinavien. Ich habe dort viele erfolgreiche Jahre erlebt, meine Trainerausbildung gemacht, meine Frau ist Skandinavierin, und ich habe mich immer sehr wohlgefühlt. Die Lebensqualität ist hoch, die Grundstimmung in den Ländern ist positiv. Deutschland habe ich während meiner Spielerkarriere relativ früh verlassen und bin nie auf Dauer zurückgekommen. Insgesamt würde ich mich heute als Europäer bezeichnen.
Rheinland oder Ruhrgebiet?
Ruhrgebiet wegen der Fußballleidenschaft. Ich war ja auch in Düsseldorf als Trainer. Aber hier spürt man jeden Tag, welche Bedeutung Fußball für die Menschen hat – und das gefällt mir.
Joachim Streich oder Ede Geyer?
Joachim Streich. Streich war mein Entdecker, dem ich eigentlich alles zu verdanken habe. Ede Geyer hat mich in die Nationalmannschaft berufen. Beiden Trainern verdanke ich viel, aber ohne Joachim Streich hätte meine Karriere vermutlich nie begonnen. Deshalb fällt die Wahl am Ende auf ihn. Später war auch Otto Rehhagel prägend für mich, von dem ich viel gelernt habe in Sachen Menschenführung und Mannschaftszusammenstellung.
Datenbasiertes Scouting oder persönlicher Eindruck?
Persönlicher Eindruck. Daten helfen dabei, den riesigen Markt einzugrenzen. Die endgültige Entscheidung treffe ich aber erst, wenn ich einen Spieler selbst gesehen und kennengelernt habe. Das persönliche Gespräch bestätigt am Ende auch mein Bauchgefühl.
Techniker oder Kampfschwein?
Beides. Eine erfolgreiche Mannschaft braucht Spieler, die Zweikämpfe gewinnen und sich aufopfern, genauso wie Spieler mit Kreativität und dem gewissen X-Faktor. Ich bin Pragmatiker, darum bin ich so lange im Job als Trainer. Nur die Mischung macht eine Mannschaft komplett.
Matchplan oder Mentalität?
Auch wieder beides. Ohne einen guten Matchplan wird es schwer, Spiele zu gewinnen. Aber ohne Mentalität funktioniert der beste Plan nicht.
VAR oder Tatsachenentscheidung?
Tatsachenentscheidung, ganz klar. Die Technologie sollte den Fußball unterstützen wie bei der Torlinientechnologie, aber nicht dominieren. Aus meiner Sicht greift der VAR zu häufig ein, verkompliziert die Regeln und nimmt den Schiedsrichtern zu viel Eigenverantwortung. Der VAR kontrolliert jetzt den Fußball und vor allem kontrolliert er die Schiedsrichter. Sie bilden dadurch keine Persönlichkeit mehr aus, um eigene Entscheidungen treffen zu können.






Fotos: firo sportfotos
„Die Familie ist das Wichtigste“
Die Diagnose Krebs gehört zu den einschneidendsten Momenten im Leben von Uwe Rösler. Als er 2003 mit 34 Jahren die Diagnose erhielt, „da ist im ersten Moment alles zusammengebrochen“, erinnert er sich.
Die Gedanken an den Tod haben ihn begleitet, aber aufzugeben war keine Option. Als ein CT nach der ersten Chemotherapie zeigte, dass der zuvor tennisballgroße Tumor in der Brust schrumpfte, kehrte die Hoffnung zurück: „Da wusste ich, dass ich eine Chance habe. Und daran habe ich mich hochgezogen.“
Geholfen hat ihm in der schweren Zeit die Familie – und der Fußball, wie er selbst sagt. Da war zum einen die kräftezehrende Behandlung: „Das jahrelange Training hat mir geholfen, die enormen Belastungen besser auszuhalten.“ Und da war auch die mentale Seite. Bereits im Krankenhaus plante Uwe Rösler intensiv seine Zukunft als Trainer und blickte nach vorn: „Wenn man permanent an seine Krankheit denkt, wird man depressiv.“ Dass seine Klubs Manchester City und Lillestrøm ihm viel Anteilnahme bewiesen und Unterstützung gaben, tat ein Übriges.
Die Leidenschaft für den Fußball hat sich Uwe Rösler bis heute bewahrt, aber der Fokus ist nach dem Krebs ein anderer geworden. „Für mich war Fußball früher immer Leben oder Tod, aber die Familie ist das Wichtigste“, weiß er jetzt. Und muss selbst lachen: „Wenn man mich heute an der Seitenlinie sieht, kann man das vielleicht kaum glauben.“ Das liegt auch daran, dass sein Ehrgeiz auf dem Platz ungebrochen ist: „Ich bin genauso verbissen wie früher, vielleicht sogar noch verbissener“, meint Rösler. Nur etwas geduldiger sei er geworden – „aber auch nicht wirklich“.

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