Nach dem Weltkrieg
kam das Brauchtum zurück

HistoBo: Die Maiabendgesellschaft ist nicht von 1388

Als es wieder losging, durften die Schützen keine Waffen tragen. Stattdessen führten sie Stöcke mit sich und warfen sich diese über die Schulter. Das Tragen von Uniformen war den Schützenvereinen ebenfalls verboten. 

Das alles hatte seinen guten Grund. Der Zweite Weltkrieg war erst seit drei Jahren zu Ende, die britischen Befreier wollten nichts auf den Straßen sehen, was in irgendeiner Form mit deutschem Militarismus oder Waffen im Allgemeinen zu tun haben könnte. 

Das Brauchtum wurde aber akzeptiert – und da lief seit 1948 erstmals alles in geordneten Bahnen. Denn im Jahre 1948 wurde die Bochumer Maiabendgesellschaft gegründet – und auch, wenn die in ihrem Namen die Jahreszahl 1388 führt, älter ist sie nicht. Wie auch immer: Ab diesem Jahr wurde wieder nach Harpen ausgezogen, in die Stadt zurückgekehrt und gefeiert, auch wenn der Weg durch noch nicht wieder aufgeräumte Trümmerlandschaften führte. 

Hierarchische Strukturen

Eins aber ist klar: Seit 1948 ist die Feier des alten Brauchs erstmals so richtig durchorganisiert. Und Hierarchien gibt es auch. Mitglied werden kann jeder, der „unbescholten“ ist, so steht es in den Statuten der Maiabendgesellschaft. In Bochum wohnen muss er auch nicht, Hauptsache, er identifiziert sich mit der Stadt und dem Maiabendfest. Sogar juristische Personen wie Firmen können dabei sein. Die Maiabendgesellschaft besteht aus vier Kompanien, die haben Hauptleute, ganz oben stehen seit 1948 ein Junggesellenhauptmann und sein Junggesellenadjudant.

Der erste Junggesellenhauptmann war Hermann Möller, der blieb das aber nur für das Jahr 1948, auf ihn folgte für zwei Jahre Heinz Ostmeier. 

Die beiden legten den Grundstein für ein immer weiter wachsendes Volksfest. Ab den 1950er Jahren war das Bochumer Maiabendfest so gut besucht, dass es über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde und Zehntausende an die Straßenränder zog, um den Maischützen zuzujubeln.

So verbreitete sich auch die Legende von den Bochumer Jungen, die das Vieh mit einer List zurückholten. Die stammt nach Angaben der Stadt Bochum aber eher aus dem 19. Jahrhundert. Denn der Baum aus Harpen wurde erst ab 1882 geholt. Das ist historisch gesichert. Alles andere aber nicht. Leider. Aber eine schöne Geschichte ist es schon.

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