Vier Schnapspumpen zur Blütezeit

HistoBo: Bei Stratenhoff zechten die Kumpel

Die Gaststätte Stratenhoff an der Rüsingstraße in Werne, das war im letzten Jahrhundert für Jahrzehnte ein beliebter Anlaufpunkt für die Kumpels in Werne, denn die Zeche Vollmond war direkt benachbart.

Seit 1867 befanden sich Grundstück und Gebäude im Besitz der Familie. Derzeit sind die Rollladen des Hauses mal oben, mal unten. Die Tür aber ist verschlossen.

Wilhelm Stratenhoff, Großvater des in den 1980er Jahren „amtierenden“ Wirtes Otto Stratenhoff, hatte im Hause einen „Specerei- und Viktualienhandel“ eröffnet. Schon zu dieser Zeit war er bemüht, die Schankerlaubnis für sein Haus zu bekommen, die er dann am 18. Mai 1870 auch erhielt: Der Landrat von Amsberg, zuständig für das Dorf Werne, erteilte im Auftrag der königlich-preußischen Regierung die begehrte Lizenz. Kurz darauf wurde die Wirtschaft eröffnet, die dann jahrzehntelang ein beliebter geselliger Mittelpunkt im Werner Vollmondviertel war. Nach dem Tode von Vater Wilhelm übernahm dessen Sohn Emil das Geschäft und führte es 45 Jahre lang zur vollen Zufriedenheit seiner Gäste.

Dienstältester Wirt im Bochumer Osten

1947 schließlich übernahm „Ötte“ Stratenhoff – aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt – die Gaststätte seines Vaters mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau Liesel und war 1980, mit seiner 33jährigen „Dienstzeit“ in der eigenen Gaststätte, vermutlich der dienstälteste Wirt des Bochumer Ostens. Er selbst meinte damals augenzwinkernd, er sei „der letzte Mohikaner“. 

Natürlich wusste Ötte auch das eine oder andere „Döneken“ aus seiner Jugend zu erzählen, als er zum Beispiel mit 30 Hackenstielen unter der Bühne des 500 Personen fassenden Saales (1969 abgerissen) saß. Das war immer der Fall, wenn Turnfest gefeiert wurde, was nie ohne Schlägerei vonstatten ging. Dann musste Ötte schnell die Hackenstiele rausreichen, damit der „Flurschaden“ im Saal so gering wie möglich ausfiel. 

Taschengeld abgezweigt

Nach dem Krieg, wenn die Kumpels von Vollmond Löhnung hatten, stand am Verkaufsschalter immer eine Schachtel mit Heftzwecken. Damit „zweigten“ sich die Bergleute ihr Taschengeld vom Lohn ab: Der eine oder andere Schein wurde kurzerhand unter den Schrank gezweckt. Andere ließen das Geld gleich beim „Ötte“, der in einem großen Buch alles notierte und bei Bedarf wieder auszahlte. Hier war das Vertrauen der Kumpels grenzenlos. „Nie hat einer kontrolliert – es hat einfach immer gestimmt.“

Der Vorgang wurde im Übrigen – in Anlehnung an das Skatspiel – als „Geld drücken“ bezeichnet. 

Bei Stratenhoff gab es zur Blütezeit von Vollmond gleich vier Schnapspumpen, aus denen „Alter“ (Brauner) und „Klarer“ hektoliterweise ausgeschenkt wurde. Noch bis etwa 1950 waren zwei davon im Einsatz. Die Zeche Vollmond zählte übrigens damals zu den modernsten in der Stadt: Dort wurde die erste Dampfmaschine Bochums in Betrieb genommen. 

Bericht von Eberhard Franken

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