HistoBo

Hausbesetzung Auf den Holln: Vier Jahrzehnte „Rock’n Holln“

Die Zeiten waren heiß. Damals. Als vor rund 40 Jahren die Hausbesetzerszene nicht nur, aber auch in Bochum begann, für Diskussionen, Demonstrationen und zuletzt auch für Duldungen zu sorgen.

Am 27. März 1981 war es das Haus Auf den Holln 3 in Werne, das eigentlich dem Abriss geweiht war und besetzt wurden – es war die zweite Besetzung eines Hauses in Bochum. Das geschah zunächst unspektakulär, sorgte aber in der Folge für viele Diskussionen bei Politik, Eigentümern und Polizei – wie bei den anderen, später besetzten Objekten in Bochum auch. Georgia Andreadis, die aktuell 72jährige Mieterin in Hausnummer 1, wohnte zu diesem Zeitpunkt schon fünf Jahre dort. Erzählen mochte sie nicht viel, aber ihren idyllischen Garten am Rande der Bahnstrecke durften wir fotografieren. Bei den aktuellen Bewohnern hatten wir leider erfolglos um ein Gespräch gebeten.

Eine Geburtstagsfete anlässlich des 40jährigen scheint es wohl auch nicht zu geben, aber die Bewohner teilen mit einem großen Transparent am Gebäude mit, dass die vier Jahrzehnte „Rock’n Holln“ voll sind. Es dürfte damit eine der längsten Hausbesetzungen in der deutschen Historie sein. 1983, zum zweiten Jahrestag der Besetzung, haben sie allerdings noch gefeiert. Mit Gästen und Musik, was unser historisches Foto dokumentiert.

Es wurde viel und laut gefeiert

Eine Zeitzeuge (Name ist der Redaktion bekannt) erinnert sich an seine Zeit in der „Villa Kunterbunt“, die einst als Direktorenvilla der Westfälischen Drahtwerke genutzt wurde und zum Zeitpunkt der Besetzung der Stadt Bochum gehörte. „Das war damals ein kunterbunter Haufen. Nicht alle waren politische Aktivisten, einige waren einfach auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum, andere wollten ihren Traum eines selbstbestimmten Lebens realisieren. Wir haben uns damals einfach gegen den sinnlosen Abriss von Häusern gewehrt. Und gerade „Auf den Holln“ war ein Beispiel dafür, dass die Hausbesetzer gemeinsam versucht haben, das Haus instand zu setzen. Direkt nach der Besetzung haben wir mit den Renovierungsarbeiten begonnen und versucht, mit den Möglichkeiten, die uns zur Verfügung standen, die alte Villa wieder bewohnbar zu machen.“

Auch an die Stimmung damals kann sich der ehemalige Bewohner noch gut erinnern: „Wir haben viel und gerne gefeiert, und da wurde es auch schon mal etwas lauter“, erinnert er sich schmunzelnd. „Beim ersten Solidaritätsfest waren auch Geiersturzflug mit dabei. War dann einigen aus der Nachbarschaft wohl zu laut, jedenfalls bekamen wir Besuch von der Polizei. Dass die dann später mit ihrem Hit Bruttosozialprodukt in der Hitparade landeten, war schon etwas skurril.“

Auf der Internetseite https://www.mao-projekt.de/BRD/NRW/ARN/Bochum_Repression_Hausbesetzungen.shtml hat der Gelsenkirchener Autor Dietmar Kesten eine ganze Reihe von Originaldokumenten aus diesen Tagen zusammengetragen und eine interessante Chronik der Ereignisse erstellt. Einer der dort dokumentierten Handzettel wurde (ein nettes Wortspiel) von B. Sätzer in der Poststraße verantwortet.

Und selbst auf Wikipedia ist das Haus zu finden: https://de.wikipedia.org/wiki/Auf_den_Holln_1%E2%80%933_(Bochum)

Text: Andrea Schröder/Eberhard Franken; Fotos: Eberhard Franken

Schlagwörter