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Künstlerin Kirsten Mikus zeigt Haltung

Die Würde der Currywurst

Eine Currywurst im Supermarkt, eingeschweißt, mikrowellenbereit, schneller als schnell. Für viele ein praktischer Snack – für die Bochumer Künstlerin Kirsten Mikus der Auslöser für ein ganzes künstlerisches Universum. „Fast Food noch faster machen ist eigentlich total gaga“, sagt sie. Ein Gedanke, der sich festsetzte. Und der schließlich in Holz geschnitten wurde.

Mikus arbeitet mit dem Holzschnitt, einem der ältesten Druckverfahren der Kunstgeschichte. Ihre Motive: Würste. Genauer gesagt: Currywürste. Was zunächst nach Ironie klingt, ist bei ihr ernst gemeint – und zugleich überraschend vielschichtig. „Ich verleihe der Currywurst einen Strahlenkranz“, sagt sie. In kleinen Formaten entstehen serielle Drucke, reduziert auf Linien, Formen und eine Farbe: ein warmes, gebranntes Siena.

Wer satt ist, streitet nicht

Die Wahl ist kein Zufall. Für Mikus steckt in Material und Motiv dieselbe Logik. Holz als Naturstoff, bearbeitet von Hand, trifft auf die handwerklich hergestellte Wurst. Beide sind vergänglich, beide entstehen in Serien, beide sind Teil einer Kultur. „Ein Würstchen wird gegessen und dann kommt das nächste. Beim Druck ist es ähnlich“, erklärt sie. Kunst und Imbiss – zwei Welten, die sich näher sind, als man denkt.

Doch Mikus geht es nicht nur um formale Parallelen. Ihre Arbeiten tragen eine klare Haltung. In ihrem Druck „Send Currywurst – Not Bombs“ etwa verwandeln sich Kriegsflugzeuge in Lieferanten von Nahrung. Die Botschaft: Wer satt ist, streitet nicht. Es ist eine einfache, fast naive Idee – und gerade deshalb so wirksam. „Ich möchte das hervorheben, was ich gut finde“, sagt sie. Nicht anklagen, sondern entgegenhalten.

Dabei scheut sie auch nicht die Reibung. Eine von ihr gebaute „Currywurst-Monstranz“, die das Alltagsgericht ins Spirituelle überhöht, stieß auf Kritik. Zu profan, zu respektlos, hieß es. Mikus zog sich zeitweise zurück, zweifelte. Heute sieht sie darin einen notwendigen Teil ihres Weges. „Kunst muss sich selbst befragen, wo sie Grenzen überschreitet“, sagt sie. Und entscheidet sich bewusst dafür, weiterzumachen.

Ausstellung vom 17. Juni bis 31. Juli

Ihre Arbeiten entstehen außerhalb klassischer Kunstkontexte – und genau das ist gewollt. Vom 17. Juni bis 31. Juli 2026 stellt Mikus in der Thalia-Buchhandlung an der Kortumstraße aus. Zwischen Regalen und Laufkundschaft, mitten im Alltag. „Die Currywurst ist für alle. Dort ist meine Kunst für alle“, sagt sie. Keine Schwellenangst, keine stillen Galerieräume, sondern Begegnung.

Die Künstlerin, die sich lange Zeit nicht traute, ihre Arbeiten offensiv zu zeigen, organisiert heute selbstbewusst ihre Ausstellung, verteilt Karten in Imbissen und spricht Menschen direkt an. „Wenn keiner kommt, muss ich eben dafür sorgen“, sagt sie. Ein Satz, der gut zu ihrer Kunst passt: pragmatisch, direkt, und mit einem leisen Trotz.

Am Ende ist es genau diese Haltung, die ihre Arbeiten trägt. Die Currywurst wird bei Mikus zum Symbol – für Handwerk, für Alltag, für Gemeinschaft. Und vielleicht auch für eine Sehnsucht nach einer Welt, in der das Einfache wieder zählt. Oder, um es in ihrer Bildsprache zu sagen: lieber Würstchen als Waffen.

Text und Fotos: Kira Kosthorst

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