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Kaum auf, schon fast wieder zu

Anne Bude: Najjar-Kiosk am Castroper Hellweg

Wer hat eigentlich gesagt, dass das Betreiben einer Bude, eines Kiosks, einer Trinkhalle, immer ein ruhrgebietsromantisch-angehauchtes Vergnügen ist, ein Zuckerschlecken? Wohl niemand.

Dass es eben nicht so ist, dem würde Rawanna Najjar zustimmen, ganz und gar.

Harte Arbeit

So ein kleiner Laden ist verdammt harte Arbeit – und die wird noch härter, wenn man jeden Tag kämpfen muss. Kämpfen darum, dass es den Laden überhaupt noch gibt, kämpfen, dass man nicht aufgibt, dass man jeden verdammten frühen Morgen aufsteht und dasteht, um dann die Erfahrung zu machen: Es kommt keiner, um etwas zu kaufen. 

Dem wiederum würde Rawanna Najjar sehr wohl zustimmen. Das hat sie so jeden Tag im Najjar-Kiosk am Castroper Hellweg, Ecke Hiltroper Landwehr in Gerthe. Oder zumindest zu oft. 

„Ich denke darüber nach, wieder zu zumachen“, sagt sie. Dabei hat sie den ehemaligen arabischen Käseladen erst im letzten Sommer übernommen und den dann einen Monat lang eigenhändig renoviert. Das Ergebnis: die wohl bunteste Bude des Bochumer Nordens. Seit dem 1. August 2021 steht sie hinter der Verkaufstheke, von sechs Uhr bis Mitternacht, jeden Tag kommt sie dafür aus Castrop-Rauxel. Nur wenn sie zum Arzt muss, was im Moment leider öfter vorkommt, hilft der Papa aus. 

Studierte Juristin

„Ich wollte nicht zu Hause herumsitzen oder wieder zum Job-Center“, sagt Rawanna Najjar, die Erfahrung im Trinkhallen-Wesen hat und schon vorher mit der Familie in Herne einen Kiosk betrieb, „und ich will wieder studieren.“ Jura hat sie studiert, zu Hause, vor ihrer Flucht mit der Familie aus Syrien, das von russischen Soldaten ebenso kaputt gebombt wurde wie jetzt die Ukraine. 

Kiosk läuft nicht gut

Seit 2016 lebt sie in Deutschland, die Sprache hat sie so gut gelernt, weil sie sich zwei Jahre lang in der Flüchtlingshilfe engagiert hat. Und jetzt der „Najjar-Kiosk“? Es läuft nicht gut. „Wir haben hier keinen Parkplatz, dazu gibt es im nahen Umkreis gleich noch drei andere Kioske“, sagt sie, „ich  musste schon so viele Sachen wegwerfen, weil sie abgelaufen waren.“

Die Shishas, die sie neben all dem üblichen Buden-Angebot auch verkauft, haben kein Lebensmittel-Mindesthaltbarkeitsdatum, die dazugehörigen Tragetaschen aus schwarzem Stoff auch nicht. 

Rawanna Najjar schaut traurig und denkt darüber nach, wieder zu schließen. Schade.

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