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Ein Highlight jagt das nächste

Wattenscheider Diskuswerfer Daniel Jasinski will zurück in die Weltspitze

Sein größter Erfolg liegt schon fünf Jahre zurück, und doch ist es nach wie vor die bemerkenswerteste Leistung eines Wattenscheider Leichtathleten in diesem Jahrtausend: Diskuswerfer Daniel Jasinski vom TV 01 hat eine Olympische Medaille zu Hause. Und in diesem Jahr will der Bronze-Gewinner von Rio wieder in der Weltspitze mitmischen.

Auch nach Rückschlägen optimistisch geblieben

Daniel Jasinski ist mit mittlerweile 32 Jahren alt genug, um Höhen und Tiefen zu kennen. Erstaunlicherweise ist er auch nach Rückschlägen ein ziemlich ausgeglichener, optimistischer Typ geblieben. Im letzten Jahr gab es einen solchen Rückschlag: Nachdem er eine neue persönliche Bestleistung (67,47 Meter) aufgestellt und sich erstmals den Deutschen Meistertitel geschnappt hatte, verpasste er beim Saison-Highlight, im Finale des Olympischen Diskus-Finales von Tokio, den Endkampf der besten Acht. 

Gedankenverloren saß der Wattenscheider da in diesem Olympiastadion ohne Zuschauer und ohne Stimmung; kein Moment, in dem man darüber jubeln würde, der zehntbeste Diskuswerfer der Welt zu sein. „Es waren komische Spiele“, sagt Jasinski mit dem Abstand eines knappen Jahres, „wegen Corona war man isoliert, eingesperrt. Die Leistung war unter meinem Niveau. Ich kann nur daraus lernen und es besser machen.“ Da ist er wieder, der hoffnungslose Optimist.

Ziel Olympia 2024

Ich führe mein Interview mit dem Deutschen Meister per Telefon, weil sich Daniel Jasinski zu dieser Zeit im Trainingslager im türkischen Belek befindet. Es läuft gut dort, auch wenn ihn Rückenprobleme ein wenig ausbremsen. Wir müssen kurz unterbrechen, weil seine Frau anruft; die Kinder, anderthalb und vier Jahre jung, wollen dem Vater eine gute Nacht wünschen.

Daniel Jasinski ist ein Familienmensch. Und zu seiner Bodenständigkeit passt, dass er seinem Trainer durch all seine Höhen und Tiefen treu geblieben ist – einem Trainer, der noch dazu sein Vater ist: Miroslaw Jasinski, der in Wattenscheid Größen wie den zweimaligen Kugelstoß-Vizeweltmeister Oliver-Sven Buder und Diskuswerfer Michael Möllenbeck geformt hat, der drei internationale Medaillen gewonnen hat.

„Man muss die Dinge aus eigenem Antrieb wollen“

„Wir verstehen uns gut, sind ein eingespieltes Team“, sagt der Sohn, „er hat mich behutsam an den Sport herangeführt.“ Selbstverständlich ist das nicht unbedingt: „Es gibt bestimmt auch Fälle, wo die Kinder die Träume der Eltern verwirklichen sollen. Meine Brüder und ich hatten immer die Freiheit, alles Mögliche auszuprobieren. Am Ende war es kein Zwang. Man muss die Dinge aus eigenem Antrieb wollen.“

Daniel Jasinski hat noch genug Energie, um seine aktive Laufbahn mindestens bis zu den Olympischen Spielen in Paris 2024 fortsetzen zu wollen. In diesem Jahr jagt sowieso ein Highlight das nächste, dass man kaum zum Nachdenken kommt: Deutsche Meisterschaften in Berlin im Juni, im Juli die Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Eugene, im August schließlich die Europameisterschaft in München.

Zunächst Deutsche Meisterschaft im Fokus

„Vor heimischem Publikum ist es immer schön“, sagt der Wattenscheider mit Blick auf DM und EM, „aber eins nach dem anderen. Jetzt nehme ich erst einmal die Deutschen Meisterschaften in den Fokus. Zwischen WM und EM wird von der Konkurrenz her kein so großer Unterschied bestehen, da die besten Diskuswerfer der Welt nun einmal hauptsächlich aus Europa kommen.“

Ob bei der Schinderei im Training oder im Wettkampf: Das Wissen, dass man schon einmal eine Olympische Medaille geholt hat, beflügelt Daniel Jasinski immer wieder: „Ich kriege Gänsehaut, wenn ich die Bilder von Rio sehe. So etwas will man wieder erleben. Und mit 32 fühle ich mich auch noch nicht alt.“ An die Zeit nach der sportlichen Karriere denkt er dennoch schon: „Ich mache aktuell den A-Trainer-Schein vom Deutschen Leichtathletik-Verband.“ Irgendwann wird beim TV Wattenscheid eine Stelle frei, die auf das Eigengewächs passt wie die Faust aufs Auge. Aktuell hat sie sein Vater.

Bericht von Michael Ragsch

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