Hürden-Pam will wieder in die Weltspitze

Pamela Dutkiewicz: Neustart mit Ehering

Unter dem Namen Pamela Dutkiewicz kennen sie Sportinteressierte in aller Welt. Denn unter diesem Namen hat „Pam“ Deutsche Meistertitel im Hürdensprint geholt, die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in London gewonnen und Silber bei der EM 2018 im Berliner Olympiastadion.

Die Welt muss sich umgewöhnen, denn die Frau vom TV Wattenscheid hat geheiratet und heißt jetzt Dutkiewicz-Emmerich. Sie selbst hat sich schon an den Doppelnamen gewöhnt, auch wenn er auf einer Startnummer kaum noch in eine Zeile passen wird: „Natürlich ist das verdammt lang. Aber ich finde es gut. Und Maik gehört ja auch zu meiner sportlichen Karriere dazu.“ Maik: der Freund, der Ehemann wurde – und Physiotherapeut geblieben ist. Er war dabei, bei den großen Triumphen und den Rückschlägen, die zu jeder Karriere dazugehören.

„Privatleben und Beruf verschmelzen bei uns total“, erklärt Dutkiewicz-Emmerich, „aber ich profitiere einfach wahnsinnig davon, dass Maik Physiotherapeut ist – und zwar ein guter. Das kann anstrengend werden, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt, und dann ist beim Mädchen die Wade fest. Aber wir sind ein Team. Dass sein Name auf einer Startnummer steht, ist das Mindeste.“

Das „Mädchen“ ist natürlich inzwischen eine erfahrene Athletin von 29 Jahren, die auf der Zielgeraden ihrer Karriere noch einmal neue Wege geht und neben dem Beziehungsstatus einiges in ihrem Leben geändert hat. Nach über zehn Jahren hat sie im Februar den Trainer gewechselt, das Wattenscheider Urgestein Slawo Filipowski verlassen, um bei ihrem Ex-Bundestrainer Rüdiger Harksen zu trainieren. Einer der Pluspunkte des neuen Coaches: „Er hat Erfahrung mit älteren Damen.“

Ältere Damen?! Dutkiewicz-Emmerich ist durchaus klar, dass sie keine 20 mehr ist: „Der Körper steckt manche Dinge nicht mehr so leicht weg.“ Und unter diesem Aspekt bezeichnet sie dieses irre Pandemie-Jahr 2020 mit der Olympia-Verschiebung im Nachhinein sogar als Geschenk: „Die Geschwindigkeit in meinem Leben war hoch. Ich konnte einfach mal stehenbleiben und innehalten. Die Entschleunigung hat gutgetan. Gleichzeitig war die Absage der Spiele auch sachlich natürlich das einzig Richtige. Wir haben ein Virus, da wäre es Wahnsinn gewesen, so viele Sportler zusammenzubringen.“

Pamela Dutkiewicz: „2021 soll gut werden.“

Ob es in diesem Jahr Olympia in Tokio gibt? Soweit schaut Pamela Dutkiewicz-Emmerich noch gar nicht. Sie sagt nur: „2021 soll gut werden.“ Und bis 2022 will sie auf jeden Fall weitermachen, dann steht eine Europameisterschaft in München an: „Ich habe es in Berlin erleben dürfen. So eine Meisterschaft im eigenen Land hat einen besonderen Zauber.“

Um weiter in der Weltspitze mitzumischen, ist die Wattenscheiderin derzeit auch seltener in ihrer heimischen Dachgeschosswohnung anzutreffen. Da der neue Trainer in Mannheim arbeitet, hat sie dort ein kleines, spartanisch eingerichtetes Zimmer im Olympiastützpunkt bezogen, das sie an ihre Anfänge als junges Mädchen beim TV Wattenscheid 01 erinnert, für den sie auch weiterhin startet.

Und wie auch immer 2021 sportlich wird, im November steht der erste Hochzeitstag an. Wann war der nochmal? „Heute“, lacht sie, „war ich mir beim Training tatsächlich nicht mehr sicher, ob es der 7. oder der 9. ist. Und da ich den Ring nicht abbekommen habe, werde ich wohl Maik fragen müssen.“

Michael Ragsch

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