Hiltroper: Früher war mehr Gesang

Walter Höppner bedauert Veränderung der Vogelwelt

Walter Höppner macht der neue Lidl-Markt in Hiltrop nicht froh. Der Hiltroper begegnet dem Wandel im Dorf Hiltrop mit mehr als gemischten Gefühlen. Der Endpunkt einer langen Zeit, in der immer mehr Idylle und vor allem auch Artenreichtum aus dem Dorf verschwunden ist. 

„Es wurden die großen Vorteile für die Hiltroper Bürger beschrieben und sicher mit Recht die 30 Arbeitsplätze erwähnt, die das neue Unternehmen geschaffen hat“, schrieb er dem Hallobo-Magazin, „alles „Festangestellte, die übertariflich bezahlt werden. Ich sehe das alles ein. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, aber es schleicht sich mir auch eine gewisse Wehmut ins Herz über den rasanten Wandel, den das Dorf in den 56 Jahren, in denen ich mit meiner Familie hier wohnen durfte und noch immer darf, mitgemacht hat.“

Dreck der Zechen störte die Vögel offensichtlich nicht

Was dem Hobby-Ornithologen Walter Höppner besonders fehlt, sind die Stimmen der Vögel:

„Als unsere 1965 noch junge Familie aus der vom Verkehrslärm geplagten Bochumer Innenstadt in das ruhige, uns bis dahin noch gänzlich unbekannte Dorf Hiltrop ziehen konnte, war das ein völlig neues Lebensgefühl.“ Der Dreck, den die umliegenden Zechen in die Luft pusteten, schien den Vögeln nichts auszumachen, schreibt Walter Höppner: „In den ausgedehnten Bauern- und Obstgärten zogen gleich 3 – 4 Paare Gartenrotschwänze ihre Jungen auf. Grauschnäpper nisteten im alten Birnbaum neben unserem Terrassenaufgang, und in der Krone über ihnen hatten Misteldrosseln ihr Nest gebaut.“ Dazu habe es Schwarzdrosseln, Singdrosseln, Mönchsgrasmücken, Heckenbraunellen, Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen, Kleiber, Stare, Schwalben, Mauersegler, Bachstelzen und Zaunkönige gegeben. Und natürlich Spatzen. 

„Es gab im Frühjahr ein vielstimmiges Vogelkonzert, besonders in den frühen Morgenstunden“, so Walter Höppner. 

Weniger Bauernhöfe, weniger Singvögel

Im Laufe der Jahre sei die Vogelidylle aber mehr und mehr dahingeschwunden, schreibt Walter Höppner weiter. Die Bauernhöfe stellten ihre Viehhaltung ein, Felder und Wiesen wurden bebaut, auf dem Auslauf für Schweine entstand eine Tankstelle. „Als letztes wurde eben besagter Lidl-Discounter errichtet, groß und langgestreckt wo bis vor kurzem noch Pferde wieherten. Ich will nicht jammern, aber die einst so artenreiche Vogelwelt des Dorfes ist verschwunden, nicht auf einmal, nicht mit lautem Protest, sie verschwanden einfach nach und nach still und leise und von vielen Menschen sicherlich unbemerkt.“

Natürlich gibt es auch heute noch Vögel in Hiltrop. So hat sich seit einiger Zeit eine Mehlschwalbenkolonie mitten im Dorfkern angesiedelt und klebt ihre Nester unter die Dachkante der neuen Häuser, nicht immer zur Freude der Anwohner. Auch Amseln sind noch da und Rotkehlchen, Tauben, Elstern oder Meisen. Aber es ist eben nicht mehr so wie es mal war. Das lässt sich auch wissenschaftlich messen. Der NABU und andere Naturschutzorganisationen beklagen den vehementen Artenschwund von Vögeln und Insekten in Deutschland und anderen europäischen Ländern. 

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