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VfL Bochum: Interview mit
Timo Horn und Philipp Hofmann

„Mannschaftliche Geschlossenheit ist wichtig“

Leistungsträger und Führungsspieler – Philipp Hofmann (33) und Timo Horn (33) übernehmen beim VfL Bochum auf und neben dem Platz Verantwortung, und prägen die Mannschaft nicht nur durch Leistung, sondern auch durch ihre Persönlichkeit und Erfahrung.

Im Interview mit Dietmar Nolte für das hallobo.1848-Magazin sprechen der Stürmer und der Torhüter des VfL über ihre Rolle im Verein und gegenseitige Wertschätzung, blicken voraus auf die neue Saison und erklären, in welchen Bereichen sich der VfL noch steigern muss.

Philipp, Timo, für unser Fotoshooting seid Ihr in die Rolle des jeweils anderen geschlüpft. Stürmer oder Torwart – wer von Euch hat den schwierigeren Job?

Timo Horn: Läuferisch auf jeden Fall Hoffi. Aber grundsätzlich haben wir beide Schlüsselpositionen. Hoffi soll Tore schießen, ich soll sie verhindern. 

Philipp Hofmann: Das würde ich unterschreiben. Wir spielen beide auf wichtigen Positionen, gehören zu den erfahrensten Spielern im Kader und tragen entsprechend Verantwortung.

Was zeichnet den jeweils anderen als Führungsspieler aus?

Philipp Hofmann: Timo bringt unglaublich viel Ruhe und Ausstrahlung mit. Er hat jahrelang auf höchstem Niveau gespielt und gibt der Mannschaft Sicherheit. Wir kennen uns schon seit der Jugend, deshalb weiß ich, was ich an ihm habe. Für jede Mannschaft ist ein verlässlicher Rückhalt enorm wichtig – und genau das ist Timo.

Timo Horn: Hoffi ist schon länger in Bochum und genießt innerhalb der Mannschaft großes Ansehen. Die Jungs schauen zu ihm auf – sowohl sportlich als auch menschlich. Er geht voran und übernimmt Verantwortung. Sportlich ist er enorm wichtig, weil er Bälle festmacht, Gegenspieler bindet und immer anspielbar ist. Dazu kommen seine oft entscheidenden Tore. 

Der Kader hat sich im Sommer deutlich verändert. Verändert das auch Eure Rolle?

Philipp Hofmann: Unsere Aufgabe bleibt, die neuen und jungen Spieler zu integrieren und ihnen den Weg zu zeigen. Gerade zu Beginn der Vorbereitung war das wichtig. Viele kannten die Abläufe noch nicht. Wir wollen möglichst schnell als Mannschaft zusammenwachsen.

Timo Horn: Gleichzeitig merkt man, dass sich die Neuzugänge immer wohler fühlen. Anfangs halten sich viele noch zurück, inzwischen wird deutlich mehr gesprochen und Verantwortung übernommen. Kommunikation ist für unsere Spielweise enorm wichtig. Der Trainer legt darauf großen Wert, und wir haben die volle Unterstützung des Trainerteams, auch mal klare Worte zu finden. Natürlich können wir uns auch hier noch weiterentwickeln, aber insgesamt sind wir auf einem guten Weg.

Ist Euch jemand in Sachen Kommunikation schon besonders positiv aufgefallen?

Timo Horn: Enis Çokaj zum Beispiel. Er bringt auf der Sechserposition viel Aggressivität mit und ist von Woche zu Woche lauter geworden. Das tut der Mannschaft gut. Insgesamt übernehmen immer mehr Spieler Verantwortung – das brauchen wir.

Mit Spielern wie Enis Çokaj und Jean-Manuel Mobom, vor allem aber mit den Innenverteidigern Karol Mets, Michael Steinwender und Yigit Karademir stehen einige Defensivkräfte neu im Team. Wie lange dauert es, bis sich eine neu formierte Defensive wirklich gefunden hat?

Timo Horn: Abstimmungen und Automatismen brauchen einfach Zeit. Natürlich wollen wir möglichst schnell eingespielt sein, aber manche Dinge entwickeln sich erst über Wochen. Als Torwart versuche ich, mein Spiel auf die Stärken der Jungs vor mir abzustimmen. So wächst man Schritt für Schritt zusammen.

Auch in der Offensive gibt es neue Konkurrenz.

Philipp Hofmann: Konkurrenz ist immer gut. Niemand kann sich ausruhen, das Niveau im Training steigt automatisch. Davon profitiert am Ende die ganze Mannschaft. Es ist wichtig, auf jeder Position gute Alternativen zu haben.

Im Verein wurde im Zusammenhang mit dem Kaderumbruch viel über Identität und Teamgeist gesprochen. Was macht den VfL Bochum für Euch aus?

Timo Horn: Der VfL ist ein bodenständiger Verein, der genau weiß, wo er herkommt. Einsatz, Leidenschaft und Zusammenhalt gehören einfach dazu. Gerade die Heimspiele sind etwas Besonderes. Obwohl ich Kölner bin, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut, wenn wir im Ruhrstadion einlaufen. Genau diese Mentalität muss man auf dem Platz sehen, dann kann man auch individuell stärkere Gegner schlagen.

Hat der Verein zuletzt zu Recht mehr Mentalität eingefordert?

Timo Horn: Gerade auswärts hätten wir mutiger und aggressiver auftreten können. Das entsprach manchmal nicht dem, wofür der VfL steht. Da haben wir Luft nach oben. Ich bin aber überzeugt, dass wir mit den neuen Spielern auch charakterlich gut aufgestellt sind und genau diese Tugenden wieder stärker zeigen werden.

Was ist in dieser Saison möglich für den VfL?

Philipp Hofmann: Ein guter Start wäre erst einmal wichtig. Danach gilt die bekannte Floskel: Du musst von Spiel zu Spiel zu denken.

Mit Hertha BSC wartet direkt ein attraktiver Gegner.

Philipp Hofmann: Freitagabend unter Flutlicht, volles Stadion – schöner kann eine Saison kaum beginnen. Wir wollen direkt mit einem Erfolgserlebnis starten. Und die Liga ist unglaublich ausgeglichen, da ist jeder Gegner schwer zu spielen.

Timo Horn: Natürlich gibt es Vereine, die finanziell andere Möglichkeiten haben. Aber die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass am Ende nicht nur individuelle Qualität entscheidet. Mannschaftliche Geschlossenheit ist oft wichtiger, um in dieser Liga viel zu erreichen. Genau darin sehen wir auch unsere Chance. Körperlich sind wir zum Auftakt auf einem deutlich besseren Stand als im vergangenen Jahr. Das hat man schon in den Testspielen gemerkt.

Uwe Rösler geht mit dem VfL in seine erste komplette Saison. Wie erlebt Ihr den Trainer?

Philipp Hofmann: Er ist ein spezieller Trainer, gibt unglaublich viel Input und ist sehr emotional. Ich glaube, dass wir genau das brauchen. Das passt sehr gut zu unserer Mannschaft. Mich stört es nicht, wenn er mal laut wird. Für jüngere Spieler ist das anfangs vielleicht ungewohnt, aber daran gewöhnt man sich.

Timo Horn: Man nimmt die Jungs auch mal beiseite und erklärt ihnen, dass sie sich Kritik nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollen. Sie ist immer positiv gemeint. Profifußball ist anspruchsvoll, und daran müssen sich junge Spieler gewöhnen. Nach dem Training oder nach Spielen merkt man außerdem schnell, dass Uwe die Spieler immer unterstützt und hinter ihnen steht.

Gibt es Talente, die Euch in der Vorbereitung besonders aufgefallen sind?

Philipp Hofmann: Da gibt es einige, die sehr viel Potenzial mitbringen. Jetzt geht es darum, konstant auf diesem Niveau zu trainieren und sich die Einsatzzeiten zu verdienen. Der VfL sollte dafür stehen, jungen Spielern regelmäßig den Sprung in die erste Mannschaft zu ermöglichen.

kurz & knapp 

Wer braucht länger in der Kabine?

Philipp Hofmann: Ganz klar Timo, er steht immer noch vor dem Spiegel. Er hat ja noch Haare, die müssen gestylt werden. 

Wer hadert nach Niederlagen länger?

Philipp Hofmann: Ich glaube, wir sind da ähnlich ehrgeizig. Direkt nach dem Spiel ärgert man sich. Aber wenn man zuhause die Kinder in den Arm nimmt, rückt der Fußball schnell in den Hintergrund.

Wer ist lauter?

Timo Horn: Hoffi kann schon laut werden, wenn es ihm zu bunt wird. Aber wir gehören beide eher zu den ruhigeren Typen. Wenn wir mal ausrasten, dann richtig.

Wer hat mehr Tattoos?

Philipp Hofmann: Timo, er hat auch den Rücken noch tätowiert – ich nicht.

Timo Horn: Und fertig bin ich auch noch nicht.

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