Die VfL-Kolumne mit Ansgar Borgmann
Anne Castroper – Vor dem ersten Heimspiel
VfL-Bochum-Stadionsprecher Ansgar Borgmann philosophiert in seiner VfL-Kolumne „Anne Castroper“ mal wieder über unsere blau-weißen Jungs.
So – mal ein bisken Hochkultur hier in diesen Laden bringen: „Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“ – na, klingelt´s? Genau. Ist aus Faust. Also, nicht Agit Kabayel (Glückwunsch zum Titel und zu den voll verdienten Feierlichkeiten auf dem Bochumer Rathausvorplatz), sondern Johann Wolfgang von. Goethe, nämlich. Nachtszene aus „Faust I“.
Der Titelgebende (im Gegensatz zum boxenden Titelträger) sinniert darüber, dass er viel gelernt, gemacht und getan habe, um an Ende die Welt im Ganzen doch weder erfassen noch verstehen zu können. Auf den Fußball übertragen: Da steh´n wir vor dem Tor und sind so klug als wie zuvor.
Bis dato (also: jetztjetzt) sind vier Zweitligaspieltage sowie eine Pokalrunde rum. Bilanz: Drei Siege und zwei Niederlagen. Und, um beim Goethe zu bleiben: Ist das jetzt gut oder schlecht? Antwort: beides. Auswärts sind wir mittlerweile unbesiegbar (also bis zur ersten Niederlage jedenfalls), zuhause steht die Null – aber auf der falschen Seite (zumindest bis wir treffen). Der Freitagabend als neuer Feind, egal ob Hertha oder Osnabrück, in beiden Fällen hieß es Nullzueins. War knapp, war unverdient – es juckte niemanden, weil Punkte weg. Alle sauer, trotz spielerischen Fortschritts. Doch auswärts: Halleluja! Und da machte sich dann doch bemerkbar, dass der runderneuerte VauEffEll inzwischen auch Ballbesitz in Erfolge verwandeln kann.
Zum Beispiel in Dresden, einem Topspiel am Samstagabend. Bei einer der heimstärksten Truppen in Liga Zwo gewannen die Jungs von Uwe Rösler mit Zweizueins, unter anderem weil Koji Miyoshi seinen inneren Goalgetter rechtzeitig wiedergefunden hatte und nach zwei blitzsauberen Ballgewinnen überragend einnetzte. Da sagen wir im Chor: Omedetō! Was so viel wie „Herzlichen Glückwunsch!“ auf Japanisch bedeutet.
Noch nie in der Geschichte des VfL gab es eine solche Anzahl an Kaderbewegungen wie in diesem Sommer. Nach Schließung des Transferfensters wurde ausgezählt und siehe da: 18 Zu- und 22 Abgänge, macht in Summe 40 Transferbewegungen – mehr gab es bei keinem Team in der Ersten oder Zweiten Liga. Entsprechend ruckelig verlief die eine oder andere Partie, schwere Verletzungen haben den personell schlanker gewordenen Kader zudem schon leider gebeutelt. Die besten Genesungswünsche begleiten die Neuzugänge Babis Drakas, Manuel Mbom und Enis Çokaj, die allesamt über Wochen und Monate ausfallen werden.
Noch sind es zwei Spiele bis zur Länderspielpause, aber schon jetzt kann man absehen, dass die Ziele, die sich die neu zusammengestellte Mannschaft gesetzt hat, realistisch sind. Und hinter eines kann man schon ´nen Haken machen, denn im Pokal sind wir eine Runde weiter. Mehreinnahmen, die nicht einkalkuliert waren, plus ein Heimspiel in der zweiten Runde – das nennt man wohl das Glück der Tüchtigen. Möge es uns weiterhin begleiten, in den kommenden Partien gegen Hannover und gegen Bielefeld. Das wird übrigens das erste Heimspiel sein, bei dem dann auch das Stadioninnere eine Baustelle ist, nachdem sich außen schon viel tut. Wir sind gespannt. Auch, ob Heinz Faust ein kleines bisschen schlauer geworden ist.
Mit torreichen blau-weißen Grüßen
Euer Ansgar Borgmann
Schlagwörter
Auch interessant
Meist gelesen
-
Menschen bewegen
-
„SommerLeseClub“-Finale
-
DRK-Infoabend in Wattenscheid
-
Schulzentrum Nord
-
Erstmalig in NRW
-
Zwischen Glamour und Vollkontakt



