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Doppelspitze im Exklusiv-Interview:

Stadtwerke investieren in die Energiewende

Der Strom- und Gaspreis wird 2026 nicht erhöht. Das war für die meisten Bochumerinnen und Bochumer die wichtigste Nachricht der letzten Wochen von den Stadtwerken Bochum.

Ganz nebenbei meldete das städtische Unternehmen noch einen Gewinn von rund 105 Millionen Euro und hatte damit seinen eigenen Erfolgsplan um 15 Millionen Euro übertroffen. Bis 2030 will der städtische Energieversorger rund eine Milliarde Euro in die Energiewende stecken. hallobo.life-Herausgeber Björn Pinno hat mit Stadtwerke-Bochum-Geschäftsführerin Elke Temme und Geschäftsführer Frank Thiel gesprochen.

hallobo.life: Sie planen aktuell die Energiewende für Bochum. Hat die Energiewende denn auch bei Ihnen zu Hause schon stattgefunden?

Frank Thiel: Photovoltaikanlage, Wärmepumpe und Wallbox. Alles ist zu Hause installiert und wird über die App gesteuert.

hallobo.life:  Elke Temme, haben Sie auch schon eine entsprechende Ladeinfrastruktur zu Hause?

Elke Temme: Ja, auf jeden Fall. Ich fahre schon seit zehn Jahren elektrisch. Ich kann mir auch gar nichts anderes mehr vorstellen. Ich glaube auch, wenn man einmal elektrisch fährt, dann stellt man nicht mehr um. Diese Beschleunigung, diese Ruhe im Wagen –  da gibt es einfach so viele Vorteile.

hallobo.life: Viele Menschen haben allerdings diese Reichweitenangst, dass der Strom einfach nicht bis zum Ziel reicht.

Elke Temme: Ja, die konnte ich auch nachvollziehen. Vor zehn Jahren war das noch herausfordernd. Mit meinem Auto komme ich inzwischen echte 450 bis 500 Kilometer weit. Und selbst wenn ich zu meinem Sohn nach München fahre, dann muss ich halt einmal zwischendurch zehn oder 15 Minuten aufladen. Nach vier Stunden Autofahrt ist das keine Einschränkung. Ladesäulen gibt es ebenfalls viele, und bezahlen ist oft einfach mit der EC-Karte möglich.

hallobo.life: Bei den Stadtwerken Bochum wurde schon über Elektromobilität geredet, als sie fast noch niemand kannte. Hätten Sie gedacht, dass sich das so fulminant entwickelt?

Frank Thiel: Am Anfang haben wir den Strom an den Ladesäulen noch verschenkt. Das waren zunächst aber nur dreihundert Kilowattstunden im Jahr. Da denkt man natürlich: Wieso nutzt das keiner? Aber seit 2020 ist die Entwicklung sehr stetig nach oben gegangen. Bei unseren Planungen bis 2045 gehen wir davon aus, dass 80 Prozent des Individualverkehrs in Bochum elektrisch sein werden.

hallobo.life:  Sowohl die Stromnetze als auch die Wärmenetze werden umgebaut. Müssen sich Bochumerinnen und Bochumer darum Sorgen machen, dass die Stadtwerke Bochum morgen kein Gas mehr liefern?

Elke Temme: Also morgen bestimmt nicht. Aber wir beschäftigen uns natürlich mit der Frage, wie es mit dem Erdgasnetz weitergeht. Die kommunale Wärmeplanung unterteilt die Stadt in zwei gleichwertige Gebiete. In einem Bereich ist Fernwärme aus unserer Sicht die beste Lösung, um unseren Kunden auf Dauer verlässliche Preise zu bieten. Hier ein Fernwärme- und ein Gasnetz gleichzeitig zu betreiben, lohnt sich auf Sicht nicht für die Kunden. Das andere Gebiet ist ein dezentrales Versorgungsgebiet, in dem in der Regel die Wärmepumpe die beste Lösung darstellt. Fakt ist auch hier: Je mehr Kunden das Gasnetz verlassen, umso teurer wird der Betrieb für den Einzelnen.

hallobo.life: Wie wichtig ist bei diesem Thema Beratung und Vertrauen in die Kompetenz des Energieversorgers hier am Ort?

Frank Thiel: Die Stadtwerke Bochum gibt es seit über 170 Jahren, und wir haben uns immer dadurch ausgezeichnet, objektiv und fair zu beraten. Für viele Menschen ist es einfach wichtig, vor so einer auch teuren Zukunftsentscheidung wie dem Einbau eines neuen Heizsystems, mit Ansprechpartnern vor Ort zu sprechen –  und das machen wir gerne.

hallobo.life: Bis 2030 wollen die Stadtwerke Bochum rund eine Milliarde Euro in neue Kabel und Fernwärmeleitungen investieren. In Bochum wird überall gebuddelt. Die Menschen sind aber zunehmend von den Baustellen genervt. Welche Perspektive kann man ihnen aufzeigen?

Frank Thiel: Die Perspektive ist, dass wir jetzt die Energieversorgung für unsere Kinder und für unsere Enkelkinder bauen. Natürlich ist es für denjenigen, der jetzt eine Baustelle vor der Tür hat, sei es privat oder wenn er ein Geschäft hat, nicht schön.

Elke Temme: Aber wir schauen schon, dass wir Maßnahmen bündeln, also eine Straße möglichst nur einmal öffnen. Aber es lässt sich in Summe natürlich nicht vermeiden, dass wir buddeln.

hallobo.life: Auch der Solarstrom, der auf Bochums Dächern erzeugt wird, soll zunehmen. Welche Rolle spielt das denn?

Frank Thiel: Gemeinsam mit der Stadt Bochum haben wir uns auf den Weg gemacht, geeignete Dachflächen städtischer Gebäude mit PV-Anlagen auszustatten. Kürzlich ist die bisher größte städtische Einzelanlage auf dem Dach des Lohrheidestadions mit einer Leistung von über 900 kWp fertiggestellt worden. Wenn größere Einzelprojekte Sichtbarkeit für ein Thema schaffen, ist das immer eine schöne Sache. Wirklich bemerkenswert wird das Thema aber mit einem Blick auf das große Ganze. Als wir im Jahr 2024 mit dem Ausbau starteten, waren Anlagen mit in Summe rd. 1,3 MW Leistung auf städtischen Liegenschaften installiert. Ende 2025 waren es 3,6 MW. Bis zum Ende dieses Jahres werden wir eine installierte Leistung von 6,1 MW erreicht haben.

hallobo.life: Die Stadtwerke Bochum liefern in Bochum nicht nur Energie, sondern für viele Vereine, Institutionen und Projekte wichtige finanzielle Unterstützung. Wieso macht das ein Energieversorger?

Frank Thiel: Wir sehen das als Teil unserer Aufgabe an. Wir versuchen, Bochum noch lebenswerter zu machen, als Bochum eh schon ist. Wir meinen es völlig ernst, dass das Teil unserer Aufgabe ist. Also nicht nur die Aufgabe, Energie zu liefern, sondern auch hier einen Beitrag zu leisten. Wichtig ist uns, alle gesellschaftlich relevanten Bereiche zu unterstützen. Deswegen verteilen wir unser Sponsoring auf die Bereiche Sport, Kultur, Bildung und Soziales. Außerdem bestimmen bei unseren Bürgerprojekten die Bochumerinnen und Bochumer und unsere Kundinnen und Kunden die Auswahl der Projekte. Also letztlich diejenigen, die dafür sorgen, dass wir Sponsoringmittel zur Verfügung stellen können.

Digitaler Smartmeter für Strom kommt

Eine gute Steuerung ist für das Stromnetz der Zukunft enorm wichtig. Besonders dann, wenn immer mehr Haushalte auch Stromerzeuger werden und Strom einspeisen. Deshalb müssen die alten schwarzen Stromzähler durch eine digitale, „smarte“ Version ersetzt werden. 20.000 dieser „Smartmeter“ wollen die Stadtwerke in Bochum nun pro Jahr einbauen. Insgesamt gibt es in der Stadt 240.000 Stromzähler.

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