Wattenscheider Diskuswerfer

Daniel Jasinski vertritt Deutschland bei Olympia

Der Satz gilt kulturübergreifend – wenn man die Welt nicht gerade durch die Brille eines Fußballers sieht: Olympia ist für jeden Sportler das Größte.

Noch größer als das vielbesungene „Dabeisein“ ist allerdings der Gewinn einer Olympischen Medaille. Und so betrachtet hat Daniel Jasinski vom TV Wattenscheid 01 für den größten sportlichen Erfolg eines Wattenscheiders im noch jungen Jahrtausend gesorgt: 2016 holte der Diskuswerfer Bronze bei den Olympischen Spielen in Rio. Fünf Jahre später will er bei Olympia in Tokio wieder vorne mitmischen.

Die Aufgabenstellung war Anfang Juni klar: Wenn Daniel Jasinski bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig den Titel holt, dann hat er das Ticket für Olympia sicher. Und dann hat er genau das gemacht: zum ersten Mal in seinem Leben und mit über 30 Jahren Lebenserfahrung den Meistertitel gewonnen. Dasein, wenn‘s drauf ankommt. Den Tag nutzen – ruhig, solide und ohne Showeinlagen: Das zeichnet Daniel Jasinski aus. Und nach fünf harten Jahren, die sportlich gesehen eine ziemliche Durststrecke voller Verletzungsprobleme waren, stimmen in diesem Jahr die Weiten wieder.

Neue persönliche Bestmarke

Schon vor den Deutschen Titelkämpfen hat er mit 67,47 Metern eine neue persönliche Bestleistung aufgestellt. „Die letzten Wochen waren eine Bestätigung der harten Arbeit in den vergangenen Jahren“, sagt Daniel Jasinski, der endlich einmal verletzungsfrei durch seine Vorbereitung gekommen ist: „Das Jahr fühlt sich gut an bis auf ein paar Kleinigkeiten. Ich habe vielleicht ein bisschen Rücken, aber das hat jeder Werfer – wenn nicht jeder normale Mensch! Ich bin physisch stark wie noch nie, besser als die letzten Jahre.“

Ich kenne Daniel Jasinski lange, war beim Bronze-Coup von Rio sein Pressesprecher. Beim Rückblick auf die erwähnte Durststrecke kann ich eine Frage nicht vermeiden: „Warst du jemals kurz davor, das Handtuch zu werfen?“ Daniel überlegt. Lange. Sagt dann: „Nee. Eigentlich nicht. Es war nicht einfach. Vielleicht hätte ich darüber nachgedacht, wenn dieses Jahr nicht funktioniert hätte.“

„Aber es ist irre, wie schnell die Zeit seit Rio vergangen ist, oder?“

„Der Wahnsinn. Aber es ist auch viel passiert. Ich habe jetzt zwei Kinder. Wären sie nicht gewesen, hätte es mich vielleicht wirklich in ein tiefes Loch gezogen.“

Der Vater ist Trainer und Wegbegleiter

Der Sport ist bei Daniel Jasinski ohne die Familie undenkbar, schließlich ist sein Vater Miroslaw sein Trainer. Eigentlich immer schon: „Ich hatte in der Jugend das Glück, bei meinem Vater trainieren zu können, der mich behutsam aufgebaut hat.“ Der „Miro“ ist eine Wattenscheider Trainerlegende; Erfolg hatte er mit vielen Athleten – bis hin zu Podestplätzen bei Weltmeisterschaften. Eine Olympische Medaille hat nur der eigene Sohn nach Hause gebracht. Und in Tokio?

Die Qualifikation der Diskuswerfer steht am 30. Juli auf dem Programm, gleich am ersten Tag der Olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe. Die muss der Wattenscheider erst einmal überstehen. „Im Finale“, sagt er, „ist dann alles möglich. Das haben wir 2016 gesehen. Dann geht es darum, auf den Punkt die Leistung zu bringen.“ Mit Würfen im Bereich seiner persönlichen Bestleistung könnte auch diesmal mehr drin sein als das „Dabeisein“. Und wenn er weiterhin nur ein bisschen „Rücken“ hat wie jeder andere auch, dann dürfte die deutsche Leichtathletik auch in den kommenden Jahren viel Freude an Daniel Jasinski haben. Der Star des TV 01 wird Anfang August 32, amtsmüde ist er nicht: „Die Olympischen Spiele 2024 in Paris will ich auf jeden Fall mitnehmen. Ich setze mir vom Kopf her kein Limit. Es macht mir immer noch Spaß, ich mache das ja nicht wegen des Geldes!“

Bericht von Michael Ragsch

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