TV Wattenscheid 01:
Gold und Silber bei Leichtathletik-DM
Einmal Gold, einmal Silber. Das ist die Bilanz des Gastgebers TV Wattenscheid Leichtathletik e.V. bei der Leichtathletik-DM. Vor jeweils 14.000 Zuschauern und damit einem ausverkauften Sportpark Lohrheide gab es dazu eine Menge Top-Platzierungen – und wertvolle Erfahrungen vor großer Kulisse für das in großen Teilen junge Team des TV Wattenscheid 01.
Ganz zufrieden konnte der TV Wattenscheid mit der Medaillen-Ausbeute allerdings nicht sein. „Wir hatten im Vorfeld den Ausfall von Christina Honsel als Gold-Favoritin zu verkraften, dann Daniel Jasinski mit Fußproblemen“, sagte Manager Michael Huke in einer ersten Bilanz, „dann Sprinter Deniz Almas, der nicht nur über 100 Meter ausgefallen ist, sondern auch die Staffel geschwächt hat. Mit so einem gewinnst Du die Goldmedaille, ganz klar.“ In der Zukunft werde der TV 01 verstärkt auf junge Athletinnen und Athleten setzen, die jungen hätten bei diesen Meisterschaften überzeugt und in Person von Verena Meisl und Jolina Ernst für positive Überraschungen gesorgt.
Jolina Ernst sensationell
Für die Sensation dieser Deutschen Meisterschaften überhaupt sorgte nämlich eine Wattenscheiderin: Jolina Ernst holte sich völlig überraschend die Goldmedaille im 100-Meter-Sprint. Dabei schlug die 22-jährige Gina Lückenkemper und die Jahresbeste Rebekka Haase. Bei 11,26 Sekunden blieb die Uhr für Jolina Ernst stehen, das bedeutete neue persönliche Bestzeit – und einen wahrhaft kleinen Abstand zur Zweitplatzierten. Drei tausendstel Sekunden betrug der Unterschied. Dabei war der Tag für Jolina Ernst gar nicht so gut gelaufen – die Sprinterin des TV Wattenscheid 01 hatte sich nur knapp für das Finale qualifiziert. „Aber das zeichnet sie aus“, sagte ihr Trainer und Vater André Ernst, „sie kann alles ausblenden, was vorher war und sich sagen, ich will das unbedingt, und das auf den Punkt.“ „Es ist unfassbar, unglaublich, ich kann das noch gar nicht glauben“, sagte Jolina Ernst nach dem Rennen, „das Wichtigste ist, dass ich mir noch mal gezeigt habe, dass ich es draufhabe. Weil ich doch noch ein bisschen gezweifelt habe in dieser Saison. Meine Freunde, meine Familie waren da, mit Plakaten, das Stadion war so laut.“ Im Vorfeld der DM hatte hallobo bereits über Jolina Ernst berichtet.

Silber für Verena Meisl
Silber sicherte sich 1.500-Meter-Spezialistin Verena Meisl. In einem typischen, von Taktik geprägten Meisterschaftsrennen überholte sie auf den letzten Metern noch eine vor ihr liegende Läuferin, für ganz vorn reichte es leider nicht mehr. Dennoch hat Verena Meisl ein Ziel erreicht: Eine andere Medaillenfarbe als Bronze. Die Zeit für die deutsche Jahresbeste: 4:21,93 Minuten. „Ich bin überglücklich“, sagte sie kurz nach dem Rennen, „nach zwei dritten Plätzen konnte ich jetzt Silber gewinnen. Die heimische Kulisse hat mich total beflügelt. Und ich habe dieses Jahr gezeigt, dass ich einen großen Schritt nach vorne gemacht habe. Im nächsten Jahr will ich dann da weitermachen, wo ich jetzt aufgehört habe.“
Mit dem ungewohnten vierten Platz im 1.500-Meter-Finale musste sich Marius Probst begnügen. Zum ersten Mal seit Jahren kam der vielfache Deutsche Meister nicht aufs Treppchen und wurde im Sprint zum Schluss noch überholt. Seine Zeit: 3:41,18 Minuten. Der etwas kraftlose Auftritt hatte allerdings seinen Grund: „Ich habe mich eigentlich von Start an schlecht gefühlt, schwach gefühlt, ich hatte vor ein paar Tagen noch eine Magen-Darm-Erkrankung, die mich dann doch mehr zurückgeworfen hat, als mir lieb war. Aber gut, es sind Deutsche Meisterschaften zu Hause und ich hätte hier gern eine Show, einen Fight geliefert. Aber ich habe dann doch sehr schnell gemerkt, dass mir die Substanz fehlt“, sagte ein sichtlich angeschlagener Marius Probst nach seinem Rennen.
Joyce Oguama kehrt zurück
Im Diskuswerfen der Frauen war der TV Wattenscheid 01 gleich mit vier Athletinnen vertreten – und das bei einem Wettkampf auf allerhöchstem Niveau. Joyce Oguama wurde als beste Wattenscheiderin Vierte, mit einer Weite von 60,13 Metern. „Ich bin schon zufrieden damit, ich wollte in Deutschland noch mal eine gute Weite werfen. Ich freue mich, gerade bei diesem Niveau“, sagte Joyce Oguama, die derzeit in den USA ihren Master macht, „ich hatte eine lange Saison, die ist jetzt vorbei. Jetzt bleibe ich noch zehn Monate in Amerika, dann komme ich nach Deutschland zurück, for ever.“ Julia Ritter kam auf Platz sechs, bei einem ihrer zuletzt selten gewordenen Auftritte mit dem Diskus. Sie zeigte ihre beste Leistung des Jahres, kam auf eine Weite von 57,53 Metern. Talent Favour Adesokan wurde achte, nachdem sie in den Altersklassen U20 und U23 jeweils Gold und Silber geholt hatte, mit einer Weite von 53,74. Frieda Echterhoff leistete sich drei Fehlversuche und war schnell raus – aber drei Diskuswerferinnen unter den besten acht, das gelingt nicht vielen Clubs. Im Diskuswurf der Männer kam Marcel Reisch auf Platz zehn, mit einer Weite von 52,62.
Tolle Atmosphäre
Das galt auch für das Kugelstoßen der Frauen. Mit Julia Ritter und Anina Brandenburg schafften es gleich zwei Wattenscheiderinnen in den Endkampf. Für eine Medaille reichte es leider nicht – Julia Ritter wurde mit ihrem weitesten Stoß in diesem Jahr Fünfte mit 17,94 Metern, Anina Brandenburg kam, ebenfalls mit Saisonbestleistung von 16,72 Metern, auf Rang sechs. „Trotzdem bin ich mit dem Wettkampf für mich sehr zufrieden“, sagte Julia Ritter anschließend in der Mixed-Zone im Interview mit Radio Bochum, „und die Atmosphäre im Stadion habe ich sehr genossen.“
Nicht ganz so wie erhofft lief es für die 4 mal 100-Meter-Staffel der Männer – ohne Deniz Almas. Max Fischer, Kevin Ugo, Alvin Mawumba und Julian Reichmann kamen in der Endabrechnung nur auf Platz fünf, mit einer Zeit von 39,85 Sekunden.
Platz fünf wurde es auch für 400-Meter-Läufer Manuel Sanders, der auf den letzten 100 Metern seinem recht hohen Anfangstempo Tribut zollen musste. Für ihn stoppte die Uhr bei 45,95 Sekunden, damit blieb der Wattenscheider Viertelmeiler und Vorjahres-Zweite etwas unter seinen Möglichkeiten. Kevin Ugo erreichte über die 200 Meter das Finale, hatte dann aber das Pech, auf der ungeliebten Bahn eins laufen zu müssen, für einen großgewachsenen Sprinter keine leichte Sache. Am Ende standen ein siebter Platz und eine Zeit von 21,34 Sekunden.
Im Dreisprung der Frauen kam Berenike Roos auf Platz 12. Die U20-Athletin erzielte eine Weite von 12,54 Metern, machte aber wegen einer Verletzung nur zwei Versuche.
Für Marie Celie Warneke lief auf 800 Metern nicht viel zusammen. In ihrem Halbfinale kam die ehemalige australische U20-Meisterin auf Platz acht, in einer Zeit von 2:08,59 Minuten. U20-Youngster Malin Bornemann wurde im Halbfinale über die 400 Meter Siebte (57,60 Sekunden). Fabian Straberg kam im 400-Meter-Halbfinale der Männer ebenso auf Rang sieben (48,39).
Über 100 Meter der Männer war für den TV Wattenscheid 01 im Einzel nur Max Fischer angetreten. Deniz Almas hatte kurz vor Start passen müssen, nachdem er sich beim Warmmachen eine Wadenverletzung zugezogen hatte. Max Fischer wurde Vierter im Vorlauf (10,69 Sekunden) und verpasste damit das Halbfinale. Die 4 mal 100-Staffel der Frauen kam mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe samt Hochspringerin Luisa Deeken (Halemeier, Sprung, Bornemann, Deeken) auf Platz 16 (47,60 Sekunden), schlug sich dabei aber überraschend gut.
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