Der Wille zu helfen
125 Jahre Berufsfeuerwehr – Brandbekämpfer berichten
Die Bochumer Berufsfeuerwehr wird 125 Jahre alt. Stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen berichten hier vier Menschen, die sich für den Einsatz als Brandbekämpfer entschieden haben, was das für sie bedeutet. Martin Lindner hat mit ihnen gesprochen und informiert über den Tag der offenen Tür am 5. September.
Der Einsatzleiter
Wenn Frank Hilbig (63) die Hauptfeuer- und Rettungswache in Werne betritt, atmet er Geschichte ein. Bis zu seiner Pensionierung war er 37,5 Jahre für die Feuerwehr im Dienst, zuletzt als Einsatzleiter. „Als ich in den 80er-Jahren angefangen habe, gab es keine gute Ausrüstung oder gar Schutzkleidung“, erzählt er. Mit einem fast schon ungläubigen Lächeln berichtet er, wie seine Kameraden und er damals mit Sakko und Baumwollhosen zu ihren Einsätzen fuhren. Oder wie sie die Leiter mit Hilfe eines Handrads, an dem sie drehen mussten, aufrichteten.

„Nach meinem ersten Tag wollte ich schon kündigen“, erinnert er sich. Denn er hatte mehr Leid und Verwüstung gesehen, als andere in ihrem ganzen Leben: eine bei einem Verkehrsunfall eingeklemmte Person; einen Rettungsdiensteinsatz, bei dem eine Person auf offener Straße reanimiert werden musste; einen Hausbrand, der ganze Existenzen vernichtet hat; Wassermassen, die unter körperlicher Höchstanstrengung abgepumpt werden mussten. Doch Hilbig ist geblieben – und hat sein enormes Wissen immer an den Nachwuchs weitergegeben.
Der Brandmeisteranwärter
Lars Sickelmann gehört aktuell zur jüngsten Generation der Bochumer Feuerwehr. Der 26-Jährige wechselte als Zimmermann zur Truppe und ist seit April dieses Jahres Brandmeisteranwärter in Ausbildung. Er hebt vor allem die Kameradschaft in der Truppe hervor: „Wir sind hier wie eine zweite Familie und unterstützen uns gegenseitig beim Lernen und Sport.“
Einen seiner ersten Einsätze hatte Sickelmann beim Brand der Tedi-Filiale in Linden. Hier hat er zum ersten Mal mit eigenen Augen gesehen, welche immense Kraft das Feuer entfalten kann: nämlich hat es Stahlträger auf einer Terrasse verformt. „Sie sahen aus wie gekochte Nudeln, die runterhängen“, erzählt er und holt Luft. Er weiß, dass sein Job gefährlich ist. Doch der Wille, Menschen in ihrer schwersten Not zu helfen, ist stärker als jede Angst.

Die Zugführerin
Frauen im aktiven Dienst der Berufsfeuerwehr sind heutzutage noch immer selten. Kim Stracke (27), die als Zugführerin eine verantwortungsvolle Position innehat, kann sie in Bochum an einer Hand abzählen. „Der Beruf ist auf jeden Fall etwas für Frauen. Man steht jeden Tag vor neuen Herausforderungen und wächst an ihnen“, betont sie. Jedoch sind die Voraussetzungen, die Frauen beim Sporttest oder im Hinblick auf technisches Know-how mitbringen müssen, dieselben wie bei Männern.
Stracke, die Rettungsingenieurwesen studiert hat, merkt, dass sich in der einst undurchlässigen Männerdomäne vieles zum Positiven verändert hat und es unter den Kollegen und Bürgern kaum noch Vorurteile gibt. Denn welches Gesicht unter dem Helm steckt, ist egal, wenn man gemeinsam durchs Feuer geht. Text: Martin Lindner

Drei Fragen an Amtsleiter Simon Heußen
Simon Heußen ist seit 2017 Amtsleiter der Bochumer Feuerwehr und damit für rund 500 hauptberufliche und 450 ehrenamtliche Feuerwehrfrauen und -männer verantwortlich. Über das gesamte Stadtgebiet verteilen sich vier kombinierte Feuer- und Rettungswachen und zusätzlich fünf reine Standorte des Rettungsdienstes.

Wie oft rückt die Feuerwehr am Tag aus?
Simon Heußen: Wir rücken im Schnitt 120-mal am Tag zu medizinischen Notfällen, Bränden und technischen Hilfeleistungen aus, wobei die Rettungsdiensteinsätze mit über 90 Prozent den Großteil der Einsätze ausmachen.
Welche Einsätze sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Simon Heußen: Das war zum einen der Brand im Bergmannsheil. Ich denke, jeder Bochumer verbindet etwas mit dem Haus, es ist eine Institution in der Stadt. Der Brand eines Außenlagers an der Stadtgrenze zu Herne hat uns eine Woche lang in Atem gehalten, weil das Feuer sich unkontrolliert übers Gelände ausgebreitet hatte. Ebenso in Gedächtnis bleiben wird mir der einwöchige Hilfseinsatz beim Hochwasser der Elbe im Jahr 2013.
Was wünschen Sie sich für die nächsten 125 Jahre Bochumer Feuerwehr?
Simon Heußen: Dass unser Beruf menschlich bleibt. Wir sind stolz auf die Tradition, die wir haben und auf die Geschichte, die mit handgetriebenen und pferdegezogenen Pumpen ihren Anfang genommen hat. Es gibt innerhalb der Feuerwehr gute Entwicklungen hin zu mehr Hightech-Equipment und Digitalisierung. Aber ich möchte nicht, dass irgendwann Löschroboter unsere Arbeit übernehmen.
Tatütata, hier wird gefeiert!
Am Samstag, 5. September, lädt die Hauptfeuer- und Rettungswache III in Werne (Brandwacht 1) von 10 bis 18 Uhr zum großen Tag der offenen Tür ein. Anlass ist das 125-jährige Bestehen der Berufsfeuerwehr Bochum. Für alle Interessierten gibt es spannende Einblicke in die Arbeit der Einsatzkräfte und des Rettungsdienstes sowie Mitmach-Aktionen.

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