Mitbegründerin Ilse Kivelitz ist ausgetreten

Zoff im Kulturrat

Im Bochumer Kulturrat hängt der Haussegen offensichtlich mehr als schief. Die Mitbegründerin des Vereins, Ilse Kivelitz, hat ihren Austritt verkündet, viele Künstler beschweren sich über das Gebaren des neuen Vorstands des Gerther Vereins.

Kündigung des langjährigen Kurators des zum Kulturrat gehörenden Kunstvereins

Auch der Bochumer Schauspieler Armin Rohde stellt sich auf die Seite derjenigen, die dem im letzten Jahr neu gewählten Vorstand einen schlechten Stil vorwerfen.

Es geht um die Kündigung des langjährigen Kurators des zum Kulturrat gehörenden Kunstvereins. Der Kunsthistoriker Carsten Roth hatte zehn Jahre lang die Ausstellungen in Gerthe zusammengestellt. Er hatte den Job nach dem überraschenden Tod von Christian Kivelitz übernommen. Die Ausstellungen waren erfolgreich, zogen Publikum – einen fachlichen Grund für die Demission von Carsten Roth kann es also nicht geben. Dementsprechend harsch auch seine Reaktion. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er:

„Meine willkürliche und stillose Kündigung durch den neuen Vorstand des Bochumer Kulturrat e.V. ohne Gespräch und ohne Angabe eines Kündigungsgrundes per Einschreiben wird natürlich nicht widerspruchslos hingenommen. Ein Arschtritt nach über 10 Jahren guter Arbeit!“

Seit 2011 hatte Roth 58 Ausstellungen von auswärtigen Künstlern und Künstlerinnen sowie von Bochumer Kreativen geplant, betreut und eröffnet und, wie er sagt: „versucht, unter vergleichsweise sehr eingeschränkten Finanzbedingungen – ohne Etat und ohne Honorierungsmöglichkeit der opferbereiten Ausstellenden – sowie mit recht spärlichem Stundenlohn soviel herauszuholen wie nur möglich.“

Das ist jetzt vorbei, Roth war freier Mitarbeiter, nach Aussage des Kulturrats sei die Kündigung rechtlich okay. Wie zu hören war, ist allerdings nicht jeder im Verein mit der Entscheidung, Carsten Roth zu kündigen, einverstanden.

Aber nicht jeder geht einen so harten Weg wie Ilse Kivelitz. Die Ehrenringträgerin der Stadt Bochum hatte gemeinsam mit ihrem Mann den Verein ins Leben gerufen, jetzt schrieb sie dem Vorstand: „Mit nicht zu überbietender Empörung habe ich von der Kündigung (…) Kenntnis erhalten. Wie hoch der Imageschaden für den Kunstverein und in der Konsequenz für den Bochumer Kulturrat e. V. durch diese Maßnahme sein wird, ist unabsehbar.“

„Akt höchster Unprofessionalität und Unkollegialität“

Mit Carsten Roth, so Kivelitz, kündige man einem überregional anerkannten Mitarbeiter. Wenn diesem Mitarbeiter nach zehnjähriger qualitativ hochstehender und professioneller Tätigkeit ohne die vorherige Chance, etwaige Unstimmigkeiten durch mündliche Aussprache auszuräumen, die Kündigung erteilt werde, müsse das als Akt höchster Unprofessionalität und Unkollegialität angesehen werden, zudem als Akt der Unmenschlichkeit bei einem Menschen mit lebensbedrohlicher Nierenerkrankung. Ein solches Verhalten stehe dem traditionellen Verständnis des Bochumer Kulturrats als soziokulturellem Zentrum und seines Gründers Gerd Kivelitz diametral entgegen. Ilse Kivelitz schließt mit den Worten: „Dieses ist nicht mehr mein Verein! Hiermit erkläre ich meinen Austritt aus dem Mitgliederverein Bochumer Kulturrat e. V.

Der neue Vorstand des Kulturrates gab in einer Erklärung seine Betroffenheit und sein Bedauern über diesen Schritt Ausdruck. Und erklärte gleichzeitig, dass der Vorstand Entscheidungen treffen müsse, „die keinesfalls leicht, aber wohlbegründet sind. Das trifft auch die jetzige, allerdings nach einem längeren Prozess vollzogene Kündigung eines Vertrags über freie Mitarbeit.“ Hintergrund laut Kulturrat ist, dass der Galeriebetrieb aufgrund dringend erforderlicher Sanierungsmaßnahmen auf unbestimmte Zeit geschlossen wird sowie die pandemiebedingten Einschränkungen jeglichen Kulturbetriebes.

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