Spaß haben!
Willkommen beim Bad at Chess Club
Beim Bad at Chess Club geht es so lustig zu, wie der Name verspricht. Gerd Strohmann war für hallobo.life dabei.
Es ist laut in der Oval Office Bar unter dem Schauspielhaus. Elektronische Musik dröhnt durch den Raum, es wird laut gelacht, es gibt Bier und andere Drinks. Es herrscht beste Stimmung. Und inmitten dieser fröhlichen und beschwingten Atmosphäre stehen zehn oder mehr Bretter, an denen Schach gespielt wird, locker, ungezwungen, ohne jeden Wettkampfcharakter. „Spielen, spielen, spielen, und nicht alles so ernst nehmen“, nennt Dr. Paul Buckermann im Gespräch mit Gerd Strohmann die Devise. Mitte 2025 hat der Soziologe gemeinsam mit Arpi Grigoryan, Managerin im soziokulturellen Bereich, den „Bad at Chess Club“ ins Leben gerufen. „Wir zwei wuppen alles zusammen“, sagt Paul Buckermann, wohl wissend, dass dieses Projekt ungewöhnlicher kaum sein könnte.
hallobo.life: Wie wurde die Idee geboren?
Buckermann: Wie viele andere habe ich auch in der Schule in einer Schach-AG gespielt. Dann aber habe ich es aus den Augen verloren, habe lieber Handball gespielt. Während der Pandemie habe ich es als schönen Online-Zeitvertreib wieder entdeckt. Arpi ging es genauso und wir haben überlegt, wie wir dieses schöne Hobby in die Öffentlichkeit kriegen. Die Leute sollen nicht nur zu Hause allein „over the board“ sitzen und schweigen. Es geht bei uns um Kommunikation, es soll lebendig sein, es muss Spaß machen: ja, und es soll auch gern laut sein, richtig laut. Es ist Schach, passiert aber eben im Nachtleben.



hallobo.life: Stört die laute Musik nicht in der Konzentration?
Buckermann: Nein, die Spiele werden dadurch eher dynamischer, sie nimmt auch die Ernsthaftigkeit raus.
hallobo.life: Sind sie von dem Zulauf überrascht worden?
Buckermann: Ja, mehr als das. Wir hatten bei der ersten Veranstaltung mit 20 Interessierten gerechnet, es kamen aber gleich 70. Und es kommen Jung und Alt, eigentlich alle Schichten, sehr gemischte Herkünfte. Deshalb wird auch bevorzugt Englisch gesprochen, das nimmt weitere Hemmschwellen weg. Bei uns wird niemand ausgegrenzt. Wir wollen Hürden abbauen. Hier denkt keiner daran: Oh, ich bin doch viel zu schlecht im Schach. Da sitzen zwei an einem Brett und tauschen sich aus, die sonst nie miteinander geredet hätten.
hallobo.life: Die Events alle paar Wochen sind beispielsweise in der Zanke am Westring 41 in Bochum, in der KoFabrik, inzwischen auch in Duisburg, Gelsenkirchen, Bielefeld. Gibt es andere ungewöhnliche Orte?
Buckermann: Ja, wir gehen auch auf öffentliche Grünflächen, spielen vor dem Bergbaumuseum, wir nennen es Chess-Picnic. Alles ist frei zugänglich, es wird kein Eintrittsgeld verlangt, die Getränke werden sehr kostengünstig angeboten. Inzwischen wird auch manchmal Kinderschach angeboten und auch ein Training für Erwachsene. Viele kommen allein, Studierende kommen zu uns, viele Zugezogene, viele Menschen, die einfach auch Kontakt suchen, die bei uns auch Freundschaften schließen. Es ist schön zu sehen, dass wir Menschen in einer ungezwungenen Atmosphäre zusammenbringen. Sie erleben neue Realitäten.
hallobo.life: Wie sehr wechselt das Publikum?
Buckermann: Wir haben auch viele Stammgäste. Aber es ist auch schön zu beobachten, dass die Besucher und Besucherinnen schnell auftauen, auch wenn sie schüchtern sind. Wir vermitteln auch mal Paarungen, und wer nicht will, muss auch nicht viel von sich erzählen. Manche haben auch noch nie Schach gespielt. Und es kommen auch Leute, die nicht Schach spielen wollen. Sie kommen nur für einen Drink, oder auch, um Karten zu spielen. Aber für manche ist unser Projekt vielleicht auch das Sprungbrett in einen Verein.
hallobo.life: Sind alle Leute willkommen?
Buckermann: Wir verstehen uns als ein Ort, an dem alle willkommen sind, die offen und demokratisch sind, die inklusiv denken, die respektvoll miteinander umgehen. Weltbilder, die gegen solche Werte stehen, haben bei uns keinen Platz.
hallobo.life: Auch wenn Arpi Grigoryan und Sie es ehrenamtlich machen, das Projekt kostet doch Geld. Ein DJ möchte doch auch bezahlt werden. Zahlen Sie als Verantwortliche das aus eigener Tasche?
Buckermann: Die ersten 10 Bretter haben wir zum Vorzugspreis von Niggemann aus Münster erhalten und selbst bezahlt, genauso wie die Fahrtkosten, Werbekosten und natürlich die ganze Arbeit. Irgendwann haben wir aber öffentliche Gelder aus dem Bochum-Fonds bekommen und konnten Honorare für eine Trainerin und DJs auszahlen und mehr Material anschaffen. Und dass wir inzwischen wegen der großen Nachfrage auch in andere Städte gehen können, ist möglich durch Förderung im mittleren vierstelligen Bereich von Soziokultur NRW.
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