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Interview mit Simon Zoller, Direktor Lizenzfußball beim VfL Bochum

Mehr als ein Karrierewechsel

Seine Rolle hat sich verändert – seine Haltung ist geblieben. Was Simon Zoller schon als Profi ausgezeichnet hat, lebt er heute als Direktor Lizenzfußball beim VfL Bochum: Verantwortung übernehmen, Menschen zusammenbringen, sich mit Leidenschaft für den Verein und seine Werte einsetzen.

Manchmal gibt es im Fußball keine lange Übergangsphase, kein behutsames Herantasten. Manchmal heißt es einfach: machen. So erlebte auch Simon Zoller den Wechsel vom Rasen an den Schreibtisch. „Ich wusste, jetzt musst du funktionieren“, beschreibt er im Gespräch mit Dietmar Nolte für das hallobo.1848-Magazin den Moment, in dem die neue Aufgabe plötzlich Realität wurde.

Im Herbst 2025 steckte der VfL in der sportlichen Krise, Trainer und Sportgeschäftsführer waren nicht mehr im Amt – quasi über Nacht rückte der Ex-Stürmer in die Chefetage auf. Ein echter Kaltstart, nachdem er zuvor in verschiedenen Bereichen hospitiert hatte. Aber für Zoller ein Wechsel ohne Zögern: „Es war ein Sprung ins kalte Wasser: reinspringen, losschwimmen und versuchen, den Verein in einer schwierigen Situation zu stabilisieren. Aber damals stellte sich mir nicht mehr die Frage, ob ich mir das zutraue. Da stellte sich nur noch die Frage, ob ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen.“

Entscheidungen mit größerer Tragweite

Der Schritt vom Spieler zum Funktionär war groß, kam für ihn aber nicht überraschend. Schon während seiner aktiven Karriere reizte ihn nicht nur das Geschehen auf dem Platz. Wie entstehen Entscheidungen? Wie entwickeln sich Strukturen? Was passiert hinter den Kulissen? „Ich habe schon während meiner Zeit beim VfL gemerkt, dass mich diese Prozesse interessieren. Ich wollte verstehen, wie ein Verein funktioniert“, erinnert sich der 35-Jährige.

Die Veränderungen in seinem Berufsalltag spürt Simon Zoller täglich. „Die Tage beginnen früher, enden später und Freizeit gibt‘s deutlich weniger“, sagt er mit einem Lachen. Vor allem aber haben seine Entscheidungen heute eine andere Tragweite. Während sich der Spieler auf den nächsten Gegner konzentriert, muss der Sportverantwortliche das große Ganze im Blick behalten. „Als Profi willst du am Spieltag drei Punkte holen. Das will ich immer noch. Aber in meiner heutigen Rolle sehe ich, was daraus in den nächsten Wochen entstehen kann“, beschreibt Zoller den Perspektivwechsel.

VfL hat Simon Zoller sportlich und persönlich geprägt

Seine Vergangenheit als Profi empfindet er als großen Vorteil, weil er beide Seiten kennt. „Ich habe mir als Spieler immer gewünscht, dass Gespräche ehrlich und auf Augenhöhe geführt werden. Genau das ist auch heute mein Anspruch.“ Nicht jedes Gespräch sei angenehm, nicht jede Entscheidung einfach. Umso wichtiger ist für ihn der respektvolle Umgang miteinander: „Am Ende geht es darum, die bestmögliche Entscheidung im Sinne des Vereins zu treffen, dabei aber die Menschlichkeit nicht zu verlieren.“ Dabei hilft ihm die eigene Erfahrung; Verletzungen und Rückschläge kennt er aus seiner aktiven Laufbahn. „Du weißt, wie Spieler denken. Du weißt, was Verletzungen bedeuten. Diese Erfahrung kann kein Studium ersetzen.“

Der VfL Bochum ist für ihn dabei weit mehr als nur eine berufliche Station. „Meine Zeit hier war sportlich und persönlich unglaublich prägend. Wir haben gemeinsam große Erfolge gefeiert, aber auch schwierige Phasen erlebt. Diese Mischung schweißt zusammen.“ Zoller hat den VfL als Verein kennengelernt, dessen größte Stärke in der Gemeinschaft liegt: „Der VfL ist ein sehr nahbarer Verein. Jeder unterstützt sich. Jeder weiß, dass einer nicht alles alleine schaffen kann.“

Teamgeist und Identität sind wichtige Faktoren

Diese Kultur prägt auch seinen Blick auf die tägliche Arbeit. Für ihn geht es nicht allein darum, begabte Fußballer zusammenzustellen. „Am Ende entscheidet nicht nur Talent darüber, ob eine Mannschaft funktioniert. Sondern auch, ob Menschen zusammenpassen“, macht Zoller deutlich. Neben Teamgeist spielt für ihn Identität eine entscheidende Rolle: „Wir brauchen Spieler, die wissen, dass es nicht nur darum geht, Fußball zu spielen. Sondern was es heißt, für den VfL Bochum zu spielen.“ 

Charakter, Verantwortungsbewusstsein und die Identifikation mit dem Verein und seinen Werten sind Eigenschaften, die Zoller heute von einer Bochumer Mannschaft einfordert – so, wie er sie selbst als Profi beim VfL erlebt hat: „Wir waren früher vielleicht nicht immer die Mannschaft mit den größten Namen. Aber wir hatten Spieler, die verstanden haben, was es bedeutet, dieses Trikot zu tragen.“

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