Bochumer Bürger können am 19. April mitentscheiden
Olympia – eine einmalige Chance
Mit Herzblut und Überzeugung wirbt Oberbürgermeister Jörg Lukat dafür, dass seine Stadt mittendrin ist in einer möglichen Bewerbung Deutschlands für die Olympischen Sommerspiele 2036, weit realistischer aber 2040.
17 Bewerbungen
Lukat sagt: „Bochum kann das. Bochum ist eine Sportstadt, Bochum wäre ein großartiger, ein würdevoller Gastgeber.“ Noch ist es vielleicht nicht mehr als eine Vision, eine schöne Träumerei, ein kesser Wunsch. Die Hürden sind hoch, sehr hoch, aber wer nicht springt, der kann sie auch nicht überqueren. Das Projekt nennt sich „Olympia Köln/Rhein-Ruhr“, quasi über Nacht wurde Köln zur Leading City der Bewerbung Nordrhein-Westfalens für die Sommerspiele auserkoren.
17 Kommunen haben ihren Hut in den Ring geworfen, und Bochum soll und will eine gewichtige Rolle mitspielen. Das Lohrheidestadion ist auserkoren als Schauplatz des Modernen Fünfkampfes. Das Ruhrstadion als Veranstaltungsort für den Fußball.
Es sei kein Weg daran vorbeigegangen, Köln an die Spitze der Bewerbung zu stellen, da sind sich alle Entscheidungsträger wohl einig. Vor allem der Kölner Dom solle als weltweit bekanntes Bauerwerk ein Wahrzeichen der Spiele werden. Und im gleichen Atemzug wird dann betont, dass die Kampagne mit den anderen Kommunen von vielen starken Schultern getragen wird.
Geeignete Spielorte
Als eine davon ist Bochum ausgewählt, und Jörg Lukat sieht die Stadt bestens aufgestellt. Erst im Sommer habe das gründlich renovierte und umgebaute Lohrheidestadion bei den FISA World University Games mit Bravour seine Feuertaufe bestanden. „Es hat sich nachhaltig gezeigt, wie sehr der Sport bei den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt ankommt. Olympia ist eine einmalige Chance für uns.“
Die Sportbegeisterung in dieser Region sei beispielhaft, und darüber hinaus werde auch die Stadt enorm von einem möglichen Zuschlag profitieren. Die dringend erforderlichen Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr würden intensiviert, „das wird uns nach vorn bringen“. Und natürlich gelte es auch, die weltweite Strahlkraft der Stadt zu erhöhen, das Zauberwort ist Marketing.
Michael Huke, Manager des TV Wattenscheid 01, denkt dabei auch an die positiven Effekte für den Vereinssport. „Es geht doch auch darum, die Begeisterung bei jungen Talenten zu wecken, die wir dann bis 2040 begleiten wollen.“ Als ehemaliger Olympia-Teilnehmer habe er erfahren dürfen, „das ist das Größte, was du erleben kannst“. Und dann noch Olympia vor der eigenen Haustür, „das ist nun wirklich nicht zu toppen“.
Jörg Lukat weiß auch über die Parteigrenzen hinaus um die nötige Unterstützung. So sagt Sophie Sommer, die sportpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion: „Bei allem Größenwahn rund um Fußball ist Olympia immer noch das größte Sportereignis der Welt. Und zusammen mit den Paralympics haben wir hier das Musterbeispiel an Internationalität und Inklusion.“
Signale für Vereinssport
Das alles klingt wunderschön und höchst verlockend, aber bis zu einem möglichen Zuschlag sind noch reichlich dicke Brocken aus dem Weg zu räumen. Da ist die Schar der Kritiker, die da meinen, all die vielen Euros, die im Vorfeld investiert werden müssen, seien an anderer Stelle wie Schulen und Straßenbau weit dringender benötigt. Und sie lassen sich auch nicht damit überzeugen, dass die Spiele durch den Besuch der Gäste aus aller Welt viele Tourismus-Euros in die Stadtkasse spülen. Nicht jeder ist ein Freund von Olympischen Spielen, die immer auch die Frage der Nachhaltigkeit aufwerfen und mit dem Vorwurf des Gigantismus leben müssen.
Und so darf mit Spannung erwartet, zu welchem Ergebnis der Bürgerentscheid am 19. April führen wird. An dem Tag sind alle Bürger in den 17 Kommunen per Briefwahl aufgerufen, mit „Ja“ oder „Nein“ für eine Bewerbung zu stimmen. Und sollte sich beispielsweise Essen oder Düsseldorf gegen eine Bewerbung aussprechen, „dann könnte das ein echtes Problem werden“, sagt Michael Scharf, Leistungssportdirektor im Landessportbund Nordrhein-Westfalen.
Und auch Ministerpräsident Hendrik Wüst betont: „Die Zustimmung der Menschen ist von zentraler Bedeutung. Moderne, nachhaltige Spiele kann es nur mit und nicht gegen den Willen der Menschen im Land geben.“ Den Befürwortern schwebt der Rekord von 14 Millionen verkauften Tickets vor. Und Hendrik Wüst schwärmt schon jetzt von den „spektakulärsten, kompaktesten und nachhaltigsten Spielen“. Und um die Bedeutung des Sports für das Zusammenleben zu unterstreichen, wird eine „NRW-Sportmilliarde“ auf den Weg gebracht, die in Vereine und Sportanlagen fließen soll.
Sollte es zu einer überzeugenden Zustimmung kommen, in München haben beispielsweise zwei Drittel für Ja gestimmt, dann gilt es, sich Ende September gegen die anderen nationalen Bewerber Berlin, München und Hamburg durchzusetzen. Und dann ist es noch ein weiter, ein ganz weiter Weg, bis Bochum tatsächlich eine Olympiastadt wird. Aber all denen, die davon träumen, ist dieser Traum erlaubt.
Text: Gerd Strohmann
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