Einkommen sinkt dramatisch
Tagesmütter geraten in finanzielle Not
Die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder sinkt, damit auch das Einkommen. Von diesen Existenzsorgen sehen sich in Bochum Tagesmütter bedroht.
Bettina Kaiser, Anke Wagner und Janine Kaddoura gehören dazu. hallobo hat mit den Tagesmüttern gesprochen.Rechenbeispiel: Kündigen einer Tagesmutter, die allein und zuhause arbeitet, bei fünf betreuten Kindern zwei Eltern den Vertrag, bedeutet das einen Einkommensverlust von 40 Prozent. Pflegepersonen, die Räume angemietet haben und bis zu neun Kinder betreuen könnten, müssen zudem Zuschüsse zurückzahlen.
Janine Kaddoua bringt es auf den Punkt: „Aktuell erleben viele Tageseltern, dass Plätze leer bleiben. Für Außenstehende mag dies nach einer normalen Schwankung klingen – für uns bedeutet es jedoch existenzielle Unsicherheit. Bleiben Kinder aus, geraten wir schnell in einen finanziellen Ruin, da unsere Einnahmen direkt von der Belegung abhängen. Rücklagen sind kaum möglich, während laufende Kosten bestehen bleiben.“
In Bochum ist neben dem Jugendamt Bochum, Abteilung für Kindertagesbetreuung, der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF) für die Vermittlung und Beratung in der Kindertagespflege zuständig. In Bochum arbeiten 420 Kindertagespflegepersonen. Insgesamt gibt es 193 Kitas in Bochum mit rund 12.300 Betreuungsplätzen.
Eltern unter Druck
Anke Wagner kritisiert: „Es wird von den Kitas unnötiger Druck auf die Eltern ausgeübt, die Angst bekommen, dass sie keine Betreuung für ihre Kinder finden. Deshalb kündigen sie oft kurzfristig den Vertrag mit der Tagesmutter. Dabei hat Bochum eine Platzabdeckung von 98 Prozent.“
Für die Kleinen kann das Stress bedeuten, wenn sie sich plötzlich an eine Gruppe von 20 Kindern und neue Bezugspersonen gewöhnen müssen. „Das ist doch der Vorteil einer Betreuung durch eine Tagessmutter: Kinder lernen bei der Tagesmutter im familiären Umfeld zu vertrauen und können mit 3 Jahren trocken, selbstbewusst, selbstständig und freundlich in eine Kita wechseln.“
Sozialraumkarte KoBoQ
Bettina Kaiser ist seit 2001 Tagesmutter und beurteilt die Entwicklung ebenso kritisch wie ihre beiden genannten Kolleginnen. „Wir haben teilweise schon mit Flyern und an Infoständen auf Märkten auf die Probleme aufmerksam gemacht, aber das reicht nicht. Ich wünsche mir eine bessere Zusammenarbeit und Vernetzung untereinander und dass wir auch auf dem Stadtportal genau wie Kitas aufgelistet werden.“
Ein kleiner Anfang ist im Bochumer Norden gemacht, darauf weist Bettina Kaiser hin: „Es gibt eine Sozialraumkarte vom Kooperationsverbund Bochumer Quartiersarbeit (KoBoQ), die zwar noch nicht ganz komplett ist, aber schon einen Überblick über den Bochumer Norden gibt.“
Infos im Netz: Kooperationsverbund Bochumer Quartiersarbeit Hier finden Interessierte Kitas – und Tagespflegepersonen.


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