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Villa Kunterbunt: Räumung nach Rekordbesetzung
Einen Platz im Online-Lexikon Wikipedia – den muss man sich verdienen. Die Hausbesetzer, die – in wechselnden Besetzungen – seit 1981 die alte Direktorenvilla an der Straße Auf den Holln bewohnten, haben es geschafft, sich dieses digitale Denkmal zu sichern: Die „Villa Kunterbunt“ ist genau unter diesem Namen dort zu finden.
Die 1898 gebaute Villa diente den Chefs der Westfälischen Drahtwerke als Wohnsitz, hatte allerdings schon länger leer gestanden, als es Punks und Alternative für ihre eigenen Wohnzwecke entdeckten – und diesen Coup später mit mehreren Nachbarschaftsfesten feierten. Der Autor dieser Zeilen war (als Chronist) schon dabei, als die „Mobile Einsatzkapelle“ bei einem dieser Feste auftrat und Stimmung machte.
„Instandbesetzen statt kaputtbesitzen“
1981 war ein Jahr mit vielen Hausbesetzungen – nicht nur in Bochum, wo die Ko-Fabrik, Häuser an der Wasserstraße, im Heusner-Viertel und das „Haus Berlin“ am Werner Hellweg besetzt wurden. Motto überall: „Instandbesetzen statt kaputtbesitzen“. Die alte Direktorenvilla der ehemaligen Drahtwerke war ein weiterer Standort der Bochumer Besetzerszene. Und es war eindeutig der dauerhafteste. Mehr als 44 Jahre waren die Besetzer vom Eigentümer, der Stadt Bochum geduldet worden. Sicher ein Rekord, den sie 2021 mit einem Transparent feierten: „40 Jahre Rock‘ n Holln“.
Die Hausnummern 1 und 3 waren unterschiedlich genutzt: In der 1 lebten Mieter der Stadt zu extrem günstigen Bedingungen, und die Hausnummer 3 wurde kostenfrei bewohnt. Das änderte sich final, als – nach mehreren Ankündigungen – das komplette Gebäude am Morgen des 18. Dezember von der Stadt geräumt und gesichert wurde. Brandschutzmängel waren der Hauptgrund. Es war anfänglich viel Polizei zugegen, aber alles verlief friedlich. Viele Bewohner hatten bereits ihre Zimmer geräumt, das Mieter-Ehepaar Andreadis seine Koffer gepackt, um in eine Ersatzwohnung zu ziehen
Hinterlegung von 1 Mio. Euro
Alle wollen sie aber zurück in das Gebäude. Die Stadt würde dies aber erst nach umfangreicher Sanierung zulassen. Die Besetzer haben über ihren Rechtsanwalt signalisiert, die Immobilie (für 1 Euro) kaufen zu wollen. Die Stadt fordert dann aber die Hinterlegung von 1 Mio. Euro für die Sanierung.
Wie es weitergeht, weiß aktuell niemand. Fenster und Türen sind seit der Räumung gesichert. Bereits da fragten sich einige, „ob da nicht doch noch jemand einen Eingang suchen wird.“ Die Stadt hat einen Wachdienst engagiert, die Ex-Bewohner halten eine Mahnwache auf dem Bürgersteig vor dem Haus.




Text und Fotos von Eberhard Franken
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