Anne Bude

Marianne Scheele: Sie ist in Wattenscheid heimisch geworden

So kann das gehen: Marianne Scheele ist der Liebe wegen nach Wattenscheid gekommen. Nicht wegen der Liebe zur Stadt, was man natürlich auch für absolut möglich halten könnte, sondern der zu ihrem Mann. Und der hatte einen Tipp für sie.

Als das Ehepaar Frisse des Alters wegens ihren Kiosk samt Lotto-Toto-Annahmestelle aufgab, hat er sie gefragt, ob das denn nichts für sie sei. Gesagt, getan. Seit Anfang letzten Jahres führt Marianne Scheele jetzt ihren Laden an der Hüllerstraße 89 A, direkt an der Ecke Watermannsweg.

Die Leute kommen gerne

Und es funktioniert. „Ich habe hier vorher schon zwei Monate mit dem Vorbesitzer Thomas Frisse gemeinsam gearbeitet. Und die Stammkunden, vorwiegend Rentner, sind geblieben. Aber es sind auch viele neue Kunden dazugekommen“, sagt Marianne Scheele, die aus Werne an der Lippe stammt und vorher für den Bayer-Konzern gearbeitet hat. Jetzt also Wattenscheid: „Mein Mann sagt, ich kenne hier schon mehr Leute als er“, schmunzelt sie. „Wattenscheid ist gemütlich. Das Schöne ist, dass das hier so familiär ist, so dass man mit den meisten per Du ist.“ Der Vorbesitzer habe ein wenig Bammel gehabt, erzählt sie, dass mit einer neuen Leitung kaum noch einer zum Kaffeetrinken kommt. Die Befürchtung war grundlos.

Einfach auf alle Wünsche eingehen

Das Erfolgsrezept ist eigentlich ganz einfach. „Ich versuche, auf alle Wünsche einzugehen. Das klappt zwar nicht immer, aber doch meistens. Ich bestelle für alle, die das wollen, spezielle Zeitschriften oder besondere Zigaretten. Und ich biete meinen Kunden auch immer mal was an oder verschenke etwas. Hunde bekommen ein Leckerchen. Ein Hund kommt sogar von allein, das hat sich so eingespielt. Zu Ostern gab es Osterhasen für alle, zu Weihnachten kleine Geschenketüten. Kinder kriegen Bonbons, Lollis oder Weingummis. Aber die Erwachsenen natürlich auch. Damit die auch zu Stammkunden werden.“

Ein Kunde, der nicht mehr so gut zu Fuß ist, bekommt jeden Morgen seine Zeitung ans Auto gebracht. Da soll noch mal jemand von der Service-Wüste Deutschland sprechen – bei Marianne Scheele ist das anders.

Drei Angestellte arbeiten im Lotto-Toto-Kiosk an der Hüllerstraße mit. „Ein Super-Team“, sagt sie Neu-Wattenscheiderin, die ganz in der Nähe ihres Ladens wohnt, in der Südfeldmark.

Nach Corona die Hochzeitsreise nachholen

Jetzt heißt es für Marianne Scheele, das Ende der Corona-Krise abzuwarten. Eigentlich wollte sie noch eine Einweihungsparty starten. „Aber das kann man alles nachholen“, sagt sie. Genau wie die Hochzeitsreise. Die ist nämlich auch flachgefallen. Im letzten Jahr hat sie „ihren Wattenscheider“ geheiratet. Es könnte also sein, dass sie Wattenscheid noch eine ganze Zeit erhalten bleibt. Allzu viele Anlaufstellen für ein „Quätschken“ gibt es nämlich dort, wo ihr Laden ist, nicht. Die Nachbarschaft wird’s danken.

Bericht von Ingo Knosowski

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