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Lenny alias Peter Lehneweit und die ultimative Vereinshymne

Es ist ein Jubiläum, das in diesem Jahr auf keinen Fall unter den Tisch fallen darf. Nicht in dieser Stadt: 30 Jahre Vereinshymne „SG Wattenscheid 09“.

Peter Lehneweit: „Wattenscheid 09 wird niemals untergeh‘n!“

Im Sommer 1991 war Lennis unverwüstlicher Gassenhauer zum ersten Mal im Lohrheidestadion zu hören. Seitdem hat er den Verein von den Höhen der 1. Bundesliga in tiefste Täler des Amateurfußballs begleitet. Und als die SGW am Abgrund stand und im Insolvenzverfahren nur noch die Hoffnung blieb, erwies sich der schlichte Text als reinste Prophetie: „Wattenscheid 09 wird niemals untergeh‘n!“

In der heißesten Phase des Existenzkampfs gab es eine Mahnwache am Stadion, auf dem Parkplatz hinter der Tribüne, die die Wattenscheider immer noch „die neue“ nennen. Hunderte Fans, Hunderte Kerzen. Und mittendrin Lenni, der Barde, unverdrossen seine Hymne schmetternd. Es war der emotionalste Auftritt mit seinem berühmtesten Lied, den er je hingelegt hat: „Es war damals ja nicht fünf vor zwölf, sondern ein paar Sekunden vor zwölf. Ich habe das Mikrofon immer wieder in die Leute gehalten. Gänsehaut pur war das. Aber ich war der festen Überzeugung, dass wir nicht untergehen.“

Lied ist so unverwüstlich wie der Verein

So unverwüstlich wie die Sportgemeinschaft von 1909 selbst ist auch das Vereinslied, das im ganzen Land bekannt ist und seine Fans hat. Im vergangenen Jahr landete Lennis launiges Lied bei einer Abstimmung über Deutschlands beliebteste Fußballsongs auf Platz sieben. Nicht so schlecht für einen Verein, der schon länger nicht mehr in der 1. oder 2. Liga vorbeigeschaut hat.

Den fröhlichen Sound und den eingängigen Text nennt Peter Lehneweit als Hauptgründe für den anhaltenden Erfolg der Hymne. Peter Lehneweit ist kein Musikwissenschaftler, es ist der bürgerliche Name von Lenni, den natürlich fast niemand so nennt. „Ich war immer ein Stimmungsmacher“, sagt der Musiker, bei dem vor 30 Jahren ein paar glückliche Zufälle zusammenkamen. „Paletti“ Schwicker, damals Vorsitzender des Fanclubs „Wattenscheider Jungs“, streckte Lenni das nötige Kleingeld für die Produktion von „SG Wattenscheid 09“ vor. Die Melodie hatte ihm der Komponist und Produzent Klaus Pelizaeus zugeschustert, für den Text sorgte Lehneweit selbst. Gut so – denn Pelizaeus soll textlich an einer Idee rund um Neandertaler gearbeitet haben. Das hätte womöglich nur einen Karneval gehalten.

Discoversion und Punksong

„Als das Lied rauskam“, sagt Lenni, „habe ich es an jeder Ecke gehört.“ Inzwischen kennen Generationen von 09-Spielern den Song, zu manchen Urgesteinen hat der Sänger bis heute Kontakt – Frank Hartmann, Hans-Werner Moser, Olaf Skok. Und Samy Sané sowieso. Unzählige Male hat Lenni das Lied live gesungen – in der 1. Liga und einige Spielklassen darunter. Bei Spielen der 09-Ladies, aber auch im Karneval natürlich. Zweimal hat er die Hymne neu aufgenommen, und so gibt es neben einer Disco-Version auch eine rockig-punkige Fassung mit den „Kassierern“ um Wolfgang Wendland, den Lenni über die sozialen Medien kontaktiert hatte: „Das war für mich eines der schönsten Erlebnisse, mit denen im Studio zu stehen. Wölfi hatte anfangs so gesungen, wie er das von mir kannte. Ich musste ihn erst davon überzeugen, dass es nach den Kassierern klingen soll.“ Was sensationell gelungen ist.

Ich war vor einigen Jahren bei den Studioaufnahmen in Krefeld selbst dabei und schwer beeindruckt von Wendlands Performance – genauso wie Lenni, der im Überschwang meinte: „Wolfgang ist der Caruso aus Wattenscheid!“ Und Caruso revanchierte sich nicht weniger pathetisch: „Selbst Stuttgarter Fans haben mir mal gesagt, unser Wattenscheider Lied sei die schönste aller Hymnen. Es ist die Ur-Hymne aller Fußballhymnen, die Hymne aller Hymnen.“

Bericht von Michael Ragsch

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