Nachhaltigkeit

Kraut und Rüben: Eine ganz besondere Kleingartenanlage

Markus Königs baut Gemüse an. „So viel es nur geht“, sagt er. Er ist einer der Glücklichen, die eine Parzelle in der mittlerweile wohl bekanntesten Kleingartenanlage Wattenscheids haben.

Kraut und Rüben, gelegen am Naturschutzgebiet Am Blumenkamp in Günnigfeld. Seit über 20 Jahren gärtnern die Menschen bei Kraut & Rüben ökologisch. Statt auf Maschendraht und kastige Hecken setzt man bei Kraut und Rüben auf blühende Wegränder, Trockenmauern aus Natursteinen und eine Obstwiese für alle. Hier grasen Ziegen auf einer Weide mit angeschlossenem Stall, eigene Bienenvölker stellen Honig her.

Kleingartenpächter kommen sogar aus Dortmund – aber mit dem Rad

Und gepflanzt und geerntet wird ausschließlich Bio. Deswegen ist auch Markus Königs mit seiner Frau hier – auch, wenn sie eigentlich aus Dortmund kommen und den Weg nach Wattenscheid oft mit dem Fahrrad erledigen. „Ich arbeite mit ganz viel Kompost, alle Nährstoffe bleiben hier im Garten; ich lege Mischkulturen an, die zusammen und nacheinander wachsen; es gibt keinen Rasen, sondern nur eine Blumenwiese; ich dünge auch mit dem Mist aus dem Stall, Mulch fällt hier immer genug an“, sagt er, „und man entdeckt immer wieder Dinge, die man vorher noch nicht gesehen hat.“ Zehn verschiedene Kartoffelsorten pflanzt er an. Dafür muss man sich erstens auskennen und zweitens Zeit haben. So ein Ökogarten sieht vielleicht wilder aus als ein betonierter Kurzrasen-Terassengarten, macht aber mindestens genau so viel Arbeit. Markus Königs ist im dritten Jahr bei Kraut und Rüben.

Kein Gift im Garten und Unkraut, dass man essen kann

Genau wie Luzie Seeliger. Sie kommt aus Altenbochum. „Den Weg nehme ich in Kauf“, erzählt sie, während sie ein neues kleines Beet anlegt. „Natürlich gibt es hier Auflagen, aber hinter denen stehe ich auch. Zum Beispiel dem völligen Verzicht auf Gifte. Das hat was mit Haltung und Bewusstsein zu tun. Für mich ist das ein Stück Freiheit.“

Wildkräuter dürfen bei Kraut und Rüben übrigens sein – andere sagen Unkraut dazu. „Giersch zum Beispiel, den kann man nicht entfernen. Den kann man nur essen“, lacht Luzie Seeliger. Freie Parzellen gibt es bei Kraut und Rüben im Moment übrigens nicht. Für die Warteliste kann man eine Mail an info@oekokleingarten. de schreiben. Der bessere Weg, sagt der Kleingartenverein selbst, ist das Helfen. Manche Pächter schaffen die Bewirtschaftung aus Zeitgründen hin und wieder nicht, da kann man mit anpacken. Auch wenn es aussieht wie Kraut und Rüben, macht es eben doch Arbeit.

Bericht und Fotos von Ingo Knosowski

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