Das unvergessliche Spiel

Der Bochumer Valentin Baus ist Paralympics-Sieger im Tischtennis

Auf einmal ganz oben: Valentin Baus aus Bochum hat sich bei den Paralympics in Tokio seinen ganz großen Traum erfüllt – und die Goldmedaille im Rollstuhl-Tischtennis geholt. Schon in Rio hatte er fünf Jahre zuvor Silber gewonnen.

Damals hat er gegen denselben Finalgegner wie diesmal noch verloren: Ningning Cao, der in seiner Wettkampfklasse über viele Jahre der absolute Dominator war. Ins Finale von Tokio war der Chinese eingezogen, ohne vorher auch nur einen einzigen Satz verloren zu haben.

Es ist nach deutscher Zeit drei Uhr morgens, als die Kontrahenten mit ihrem Duell beginnen. Es wird ein würdiges Finale, das an Spannung kaum zu überbieten ist. Der Bochumer startet sensationell, gewinnt den ersten Satz klar. „Da habe ich alles getroffen“, sagt er. Später ist Baus dennoch ganz nah dran an der Niederlage – doch der Chinese vergibt seinen Matchball. Baus dreht das Match und gewinnt die Sätze vier und fünf.

Nach Silber in Brasilien nun paralympisches Gold, der absolute Triumph für einen Leistungssportler mit Handicap. Er war vielleicht nicht der Favorit, doch er hat immer an seine Chance geglaubt. „Ausrechnen muss man sich immer etwas. Ich bin keiner, der dann denkt: Silber hab ich doch sicher! Ich wusste, dass ich Gold gewinnen kann“, erklärt der 25-Jährige aus Laer, der an der Glasknochenkrankheit leidet.

Mit Paralympicssieg wird Traum wahr

Nach dem Spiel seines bisherigen Lebens gab’s zur Feier des Tages nur ein Käffchen mit seinem Team, erst zu Hause in Bochum hat sich der Student dann „auch mal ein Bier gegönnt“. Seine Paralympics-Erfahrung vor Ort in Japan war wie auch bei den nichtbehinderten Olympia-Athleten einige Wochen zuvor ein eher gebremstes Vergnügen unter den Bedingungen einer globalen Pandemie: „Von Tokio habe ich nicht viel gesehen.“

Auch die opulente Eröffnungsfeier hat Baus sich geschenkt, schließlich musste er gleich am nächsten Tag an der Platte ran. Voller Fokus aufs große Ziel: „Ich habe so lange davon geträumt, die Paralympics zu gewinnen!“ Alles erreicht also, WM- und EM-Titel hat er ja auch schon eingetütet in seiner Karriere.

Aber ein Motivations-Tief ist beim ehrgeizigen Bochumer nicht zu erwarten: „Ich möchte immer Spiele gewinnen, gegen gute Gegner spielen.“ Das macht Valentin Baus demnächst wieder für Borussia Düsseldorf in der Rollstuhl-Bundesliga – und die TTG Weitmar in der Bezirksliga.

Da trifft er dann auf Sportler ohne Behinderung, was für Baus an sich nichts Besonderes ist. Tischtennis ist Tischtennis, Siege sind Siege. Der Finalerfolg von Tokio bekommt allerdings einen Ehrenplatz im Gedächtnis von Valentin Baus: „Das Spiel werde ich nicht vergessen.“

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