Ohne Autos – oder weniger Autos?

Auseinandersetzung um den August-Bebel-Platz geht in die finale Runde

Es wird schon seit einigen Jahren mit großer Leidenschaft über die Umgestaltung des August-Bebel-Platzes gestritten. Ganz ohne Autoverkehr oder stark eingeschränkter Individualverkehr? An dieser zentralen Frage schieden sich die Geister. Und das ist heute nicht anders.

Mehr Bepflanzungen, die Instandsetzung und optische Auffrischung des Brunnens  – das ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf denen sich die beteiligten politischen Parteien und die Stadtverwaltung einigen konnten.

Gutachten favorisiert einen autofreien

Ein auf der Bezirksvertretungssitzung Ende Januar vorgelegtes Gutachten favorisiert einen autofreien Platz. Dafür sprach sich auch die Mehrheit der Wattenscheider Bezirksvertreter aus. Nach diesen Plänen soll künftig nur noch der Öffentliche Nahverkehr den Platz befahren dürfen. Im  Gutachten sind vier unterschiedliche Varianten enthalten. 

Variante 1: Autos und ÖPNV queren auf einem gemeinsamen Fahrstreifen je Fahrtrichtung den Platz. Es gilt ein Tempolimit von 20 km/h.

Variante 2: Autos queren den Platz nur noch im Einbahnstraßenverkehr vom Bebel-Platz Richtung Rathaus.

Variante 3: Der Verkehr wird mit nur einem Auto- wie einem davon separierten ÖPNV-Fahrstreifen je Fahrtrichtung über den Platz geführt.

Variante 4: Der August-Bebel-Platz wird autofrei.

Im Rahmen dieses Gutachtens wurden die Auswirkungen der Verkehrsführungen auf die Umgebung geprüft. Vor allem wurden negative Auswirkungen von eventuellem Ausweichverkehr auf Straßen in der Nachbarschaft des Platzes betrachtet. Eine knappe Mehrheit gab es für die von SPD, Grünen und FDP in der Bezirksvertretung favorisierte Variante 4. Eines der zusätzlichen Argumente: Diese Variante ermöglicht offensichtlich hohe Fördersummen zur Umgestaltung Platzes abzurufen. 

Kritik von der CDU 

Die CDU hielt eine außerordentliche Sitzung ihres Stadtbezirksvorstandes zum Thema Bebel-Platz ab und bleibt dabei, dass ein Entscheid für „Variante 4“ ohne Autoverkehr am Bürgerwillen vorbeigeht. „Anwohnern und Kunden der Geschäfte am Platz wäre das nicht zumutbar, auch den betroffenen Unternehmen nicht“, so CDU-Bezirksfraktionschef Gerd Kipp. CDU-Ratsherr Hans Henneke kritisiert noch etwas Anderes: „Da wurde eine Verwaltungsvorlage präsentiert, die eine politische Entscheidung praktisch vorwegnimmt und uns nur eine Variante als annehmbar präsentiert.“

Vor ziemlich genau zwei Jahren waren schon Proteste aus der Geschäftswelt laut geworden, und es war durch Wolfgang Dressler (Werbegemeinschaft), Hans Hennecke und Marc Westerhoff (beide CDU) ein Bürgerbegehren initiiert worden. „Wir sehen unsere Existenz gefährdet“, lautete damals der Tenor der ansässigen Händler.

„Die Diskussion über den motorisierten Individualverkehr in Wattenscheid darf nicht ideologisch geführt werden, sondern sollte an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sein“, mahnte Hans-Josef Winkler von der UWG: Freie Bürger schon Anfang 2020.  

Anwohnerproteste

Deutlich vernehmbar sind inzwischen auch die Proteste von Anwohnern der „Auswegrouten“. Marienstraße, Otto-Brenner-Straße, Swidbertstraße und Propst-Hellmich-Promenade müssten dann den Autoverkehr „schlucken“. Mit Skepsis werden die vorgelegten Zahlen über die Frequenz am Bebel-Platz beäugt. Kritiker weisen darauf hin, dass die Erhebungen aus der Corona-Zeit nur bedingt aussagekräftig sind.

Martin Brasgalla, Inhaber von Hörakustik Brasgalla auf der Westenfelder Straße 18, warf eine kluge Idee in die Runde und schlug Politik und Verwaltung vor, drei Monate lang (probeweise) den Bebel-Platz zu sperren und so die Auswirkungen auf die Nebenstraßen zu prüfen. 

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