150.000 Euro Bundesförderung

Anschubfinanzierung für Gedenkort in ehemaliger Zwangsarbeitersiedlung

Die Vögel zwitschern, das Grün um die ehemalige Zwangsarbeitersiedlung in Bergen wirkt idyllisch.

Die bewohnten Häuser haben die Mieter zu einigen Teilen selbst saniert und schön hergerichtet. Bei den Bewohnern herrscht Unsicherheit, ob sie auch in Zukunft zu den jetzt noch günstigen Mieten bleiben können.

Die Zwangsarbeitersiedlung an der Bergener Straße steht seit Mitte der 1990er Jahre unter Denkmalschutz. Sie ist eine der letzten noch erhaltenen Zeugnisse der NS-Zeit im Ruhrgebiet und soll daran erinnern. Deshalb plant die Stadt Bochum hier schon länger ein Projekt, das Gedenken an die Opfer und das Bewohnen des Denkmals in Einklang bringt. „Es ist wirklich beeindruckend, wie die Menschen hier Bochumer Geschichte mit dem heutigen Leben in Einklang bringen. Einige Familien wohnen hier schon seit Jahrzehnten“, schildert SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering die Situation in der Siedlung. 

Anschubfinanzierung kommt

Sie war maßgeblich daran beteiligt, die 150.000 Euro Bundesförderung für einen Gedenkort in der Siedlung zu beschaffen. „Was wir mit dem Geld konkret machen, besprechen wir jetzt. Aus Geschichte sollte man lernen. Deshalb wäre ein Gedenk-, Lern- und Begegnungsort natürlich etwas Tolles. Hier kann man sehen, was Geschichte ist, und wo wir heute sind“, so Müntefering. Eine Idee ist, die ehemalige Kommandanturbaracke mit dem Geld herzurichten. Dort soll nach städtischen Plänen für die Siedlung auch ein kleines Museum entstehen.

Rund zehn Millionen Euro, so eine erste Einschätzung, soll die denkmalgerechte Sanierung der kompletten Anlage an der Bergener Straße kosten. Neben einem kleinen Museum sind auch Künstlerateliers angedacht, so die Wunschvorstellung der städtischen Planer. Möglich machen könnten das nur Fördergelder. Die gibt es allerdings noch nicht. Wann und ob die Pläne dann überhaupt umgesetzt werden, ist deshalb noch unklar, denn allein aus eigener Tasche wird die Stadt die zehn Millionen Euro wohl kaum investieren.

Anwohner wollen eingebunden werden

Die aktuellen Bewohner fühlen sich bei den Plänen der Stadt bisher nicht richtig eingebunden und machten das auch Oberbürgermeister Thomas Eiskirch bei einem Besuch der Siedlung deutlich. Die Menschen, die jetzt in den alten Zwangsarbeiterbaracken leben, haben viel in die Häuser investiert und maßgeblichen Anteil daran, dass sie überhaupt noch in dieser Form existieren. Seit 1947 werden die Gebäude zu Wohnzwecken von Menschen genutzt.

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