Anne Bude: Wenn ein Richter hinter der Ladentheke steht

Ali Elmaci arbeitet als Schöffe und betreibt einen Kiosk

„Ich hab schon so viele Berufe gehabt“, lacht Ali Elmaci. Jetzt betreibt er gemeinsam mit Frau und Sohn einen Kiosk in Langendreer an der Unterstraße 9.

Anne Bude: Wenn ein Richter hinter der Ladentheke steht

Seit fast genau einem Jahr tut er das, sieben Tage die Woche, immer von neun bis dreiundzwanzig Uhr, in seinem „Kiosk am Markt“.

„Ich habe Radio- und Fernsehtechniker gelernt und bei Saturn gearbeitet – im Verkauf und in der Beratung. Zuletzt war ich Arbeitsvermittler im Jobcenter Recklinghausen. Ich bin auch Sprach- und Integrationstrainer.“ Das ist aber noch nicht alles: Elmaci ist gleichzeitig öffentlich bestellter Dolmetscher für Deutsch und Türkisch – und dazu Schöffe am Landgericht Dortmund. Ein Laienrichter hinter der Theke also.

So viel Erfahrung muss sich doch auch auf einen Kioskbetrieb auswirken. Irgendwann ist da auch mal ein Streit zu schlichten. Das kommt vielleicht noch. Die eigentliche Fähigkeit, die jeder Budenbetreiber mitbringen muss, hat Ali Elmaci aber auch. „Die Sache mit dem Kiosk war eine total spontane Entscheidung. Aber Verkaufen macht uns Spaß“, sagt er, „mit meinem Papa war ich schon als Kind immer auf verschiedenen Trödelmärkten aktiv. Die Arbeit ist total abwechslungsreich.“

Paketdienst macht zuviel Arbeit

Aufgewachsen ist Ali Elmaci in Dortmund-Kirchlinde, dort wohnt er auch noch mit seiner Frau Filiz und seinem Sohn Cetin. „Aber wir wollen nach Bochum ziehen, die Anfahrt ist doch etwas weit“, sagt er. Die Verbindung nach Langendreer war eigentlich immer da, der Vater hat fünfundzwanzig Jahre bei Opel im Werk 2 gearbeitet.

Der „Kiosk am Markt“ ist groß – sechzig Quadratmeter, sechzehn Verkaufsbereiche gibt es. Vom Shisha-Tabak bis zur Camping-Gas-Kartusche gibt es eigentlich alles. „Was wir aber reduziert haben, ist die Wochenend-Abteilung“, so Ali Elmaci. Er meint das, was beim Einkaufen vergessen wurde: Salz, Mehl, Schlagsahne – diese Dinge. Auch Fertiggerichte in der Dose oder Zeitungen und Zeitschriften bietet er nicht mehr an. Oder den Paketdienst Hermes: „Das hat uns doch sehr in Beschlag genommen und es blieb nicht genug hängen“, sagt Ali Elmaci.

Die Anschaffung eines Fahrradständers war nutzlos

Man lernt eben in einem Jahr, was in einem Kiosk geht – oder auch nicht. „Zuerst hatten wir auch vor der Schulzeit geöffnet. Die Schüler kommen allerdings erst nach der Schule“, erzählt Elmac. „Aber die Tische und Stühle vor unserem Kiosk, die wirken wie ein Magnet.“ Für die muss er jedes Jahr eine Sondergenehmigung bei der Stadt beantragen. „Ist aber ganz einfach“, schmunzelt Ali Elmaci. Einen mobilen Fahrradständer hatte er auch angeschafft: „Ich wusste gar nicht, dass Bochum so eine Fahrradstadt ist, das ist anders als in Dortmund. Aber kurz danach hat die Stadt hier feste Fahrradständer einbetoniert. Hätte ich mir also sparen können“, lacht der freundliche Mann. Und noch eine Beobachtung hat er gemacht, an der Straßenbahnhaltestelle direkt vor der Tür: „Bei uns kaufen nur die Einsteiger, nicht die Aussteiger.“ Das verstehe, wer will.

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