Über Rückschläge, Mut und neue Ziele
Kyra Malinowski: Vom Sturmtalent zur Meistertrainerin
Kyra Malinowski galt als eines der größten Sturmtalente Deutschlands, ehe Verletzungen ihre Karriere früh beendeten. Heute steht sie als Trainerin an der Seitenlinie und prägt den Weg der VfL-Frauen. Über schmerzhafte Abschiede, den Mut zu neuen Entscheidungen und eine Mannschaft, die sich ihre eigene Geschichte erarbeiten soll.
Wenn Kyra Malinowski heute auf ihre Karriere zurückblickt, fällt ihr die Entscheidung schwer: Sieht sie sich zuerst als Spielerin oder als Trainerin? „Beides irgendwie“, sagt sie. Eine passende Antwort für einen Lebensweg, in dem das eine ohne das andere kaum denkbar ist.
Malinowski ist mit dem Ball groß geworden. Schon mit drei Jahren begann sie Fußball zu spielen, mit 16 stand sie in der Bundesliga und galt als eines der größten deutschen Sturmtalente. Dass sie in jungen Jahren bereits Außergewöhnliches erreicht hatte, war ihr damals kaum bewusst. „Ich glaube, in dem Moment nicht. Und das tat mir auch gut“, sagt sie heute. Erst mit Abstand habe sie gelernt, ihre Leistungen anzuerkennen.
Doch ihre Karriere nahm eine Wendung, die sie sich so nicht ausgesucht hatte. Kreuzbandrisse, Knorpelschäden und Meniskusverletzungen machten aus dem Traum von vielen weiteren Jahren auf dem Platz einen langen Kampf um die Rückkehr. Nach der ersten schweren Verletzung war da noch die Überzeugung, wiederzukommen. Auch nach dem zweiten Rückschlag blieb die Hoffnung. Doch je länger Malinowski der Mannschaft fernblieb, desto deutlicher wurde, dass ihr Knie den Belastungen des Leistungssports nicht mehr gewachsen war.
Verletzungen verändern ihren Weg
„Natürlich war das extrem schmerzhaft“, erinnert sie sich, „Ich hatte mir viel ausgemalt, war erfolgreich, hatte viele Tore geschossen und immer gespielt.“ Aufgefangen wurde sie von ihrer Familie, ihren Freunden und ihrer damaligen Mannschaft. Menschen, die ihr das Gefühl gaben, weiterhin dazuzugehören. „Das war Gold wert“, sagt Malinowski. Heute ist sie überzeugt, dass auch diese Erfahrung sie als Trainerin geprägt hat. Denn Malinowski will nicht nur die Fußballerin sehen. Sie will den Menschen verstehen.
Diese Haltung verbindet ihre beiden beruflichen Welten. Parallel zum Fußball studierte sie Sport und Deutsch auf Lehramt. Schule und Leistungssport gleichzeitig zu bewältigen, gehörte für sie lange zum Alltag. Als Lehrerin wollte sie junge Menschen begleiten, Wissen vermitteln und Werte weitergeben. Vieles davon findet sie heute auf dem Trainingsplatz wieder. „Es ist wichtig, immer den ganzen Menschen zu sehen“, sagt sie. Spielerinnen dort abzuholen, wo sie gerade stehen, zuzuhören und zu verstehen, was außerhalb des Platzes passiert, gehört für Malinowski genauso zum Trainerberuf wie Taktik und Trainingssteuerung.
Vor gut zwei Jahren traf sie eine Entscheidung, die für viele nach großem Risiko klingt: Sie gab die Sicherheit des Schuldienstes auf und wurde hauptberufliche Trainerin. Lange überlegen musste sie nicht. „Ich brenne einfach mehr für den Fußball“, sagt sie. Seit 2022 arbeitet Malinowski beim VfL Bochum. Als sie die Mannschaft übernahm, spielte diese noch in der Regionalliga. Das erste Jahr bezeichnet sie rückblickend als Lehrjahr. Sie musste die Liga, die Gegner und das Umfeld kennenlernen. Der VfL wurde Zweiter und verpasste den Aufstieg knapp.
Eine neue Geschichte schreiben
Im zweiten Anlauf gelang der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ungeschlagen. Für Malinowski war diese Serie allerdings weniger wichtig als die Haltung dahinter. Ihre Spielerinnen wollten jedes Spiel gewinnen, sich ständig verbessern und ihre Aufgaben konsequent zu Ende bringen. „Es ist ein Team, das sich gegenseitig pusht und viel voneinander abverlangt“, ist Kyra Malinowski stolz. Malinowski will mutige Spielerinnen. Spielerinnen, die Entscheidungen treffen, Dinge ausprobieren und Verantwortung übernehmen. Nach Ballverlusten soll ihre Mannschaft präsent und unangenehm sein, mit Ball schnell und intensiv spielen und immer wieder die Tiefe suchen. In einem Bereich sieht sie noch besonderes Entwicklungspotenzial: Aggressivität.
Ein klassisches Saisonziel gibt Malinowski nicht einfach von oben vor. Sie möchte, dass die Mannschaft ihre Ziele gemeinsam entwickelt. „Das Team muss das Spüren und Fühlen.“, weiß die Trainerin. Nach den Erfolgen der vergangenen Jahre gehe es nun darum, sich davon ein Stück weit zu lösen: „Es gilt, unsere eigene Geschichte für die Saison zu schreiben“, so Malinowski. Schließlich ist die zweite Bundesliga für die Frauen des VfL Bochum noch Neuland.


Kyra Malinowski will mutige Spielerinnen. Spielerinnen, die Entscheidungen treffen, Dinge ausprobieren und Verantwortung übernehmen. Fotos: firo sportfotos
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