Wattenscheid

Wattenscheider Tafel: „Deutlich längere Warteschlangen durch Corona“

Im vergangenen Jahr hat die Wattenscheider Tafel ihr 20-jähriges Bestehen erreicht. Der Autor dieses Artikels schreibt bewusst nicht „gefeiert“. Denn geht es nach dem Gründer und Vorsitzenden Manfred Baasner, dann hätte es den Verein nie so lange gegeben.

„Ursprünglich wollte ich die Politik wachrütteln und auf die Missstände im Bereich der Lebensmittelindustrie aufmerksam machen. Viel zu viele essbare Nahrungsmittel landeten und landen noch immer im Müll.“ Heute muss Baasner resümieren: Es war der berühmte Kampf gegen Windmühlen. Die Armut in Wattenscheid und Bochum sei sogar noch ein größeres Problem als vor 20 Jahren, und sie betrifft laut der Tafel seit dem Vereinsjubiläum im vergangenen April noch deutlich mehr Menschen.

Durch die Corona-Pandemie werde die Schlange der Bedürftigen, die sich Lebensmittel abholen möchten, nicht nur am Hauptsitz an der Laubenstraße in Wattenscheid immer länger. „In jeder der über 30 Ausgabestellen im Bochumer Stadtgebiet haben die Anmeldungen zugenommen“, so Baasner. Es kämen mittlerweile auch vermehrt Menschen, die durch Corona in Kurzarbeit mussten, oder Studenten, denen ihre Aushilfsjobs in der Gastronomie weggebrochen sind. 

Froh sei man, dass allen Bedürftigen in der Regel geholfen werden kann. Aber die Lage dürfe sich nicht verschlechtern. „Das Warenaufkommen wird immer weniger“, so Niklas Fantasia, der Manfred Baasner seit vergangenem Juni als Assistenz zur Seite steht. Der Verein suche weiter nach Partnern und zeichnet eine Win-Win-Situation auf: „Ein Supermarkt beispielsweise kann die Entsorgungskosten für Ware, die nicht verkauft wurde sparen und sie als Spende abschreiben“, erklärt Fantasia. Die Tafel wiederum könne die gespendete Ware an die Bedürftigen weitergeben. 

Wattenscheider Tafel sucht Fahrer

Dadurch, dass der Bedarf an Ware wächst, ist die Wattenscheider Tafel auch händeringend auf der Suche nach Fahrern – zum Beispiel Menschen, die durch Kurzarbeit gezwungenermaßen mehr Freizeit haben oder Beamte, die für den Vorruhestand 1.000 ehrenamtliche Stunden ableisten müssen. Die Tafel bringt vielen Menschen, die den Weg zu den Ausgabestellen nicht mehr schaffen oder scheuen Lebensmittel nach Hause. Deswegen werden auch Lieferwagen benötigt. Wer also Gutes tun möchte, kann sich bei der Wattenscheider Tafel melden. Telefon: 0 23 27 – 32 85 97 oder Mail: info@wattenscheider-tafel.de

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