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Träume in blau-weißer Bettwäsche

VfL Bochum: Fußballfrauen im Aufwind

Steigende Zuschauerzahlen, stärkere Medienpräsenz, Liveübertragungen auf DAZN: Die Öffentlichkeit findet zunehmend Gefallen am Frauenfußball. Und auch die gute Atmosphäre in den Stadien begeistert immer mehr Fans. 

„Warum bin ich hier nicht schon früher hingegangen?“, erzählt Kari Närdemann, Torfrau des VfL Bochum im Presseraum des Vereins von der Reaktion eines Freundes, der sich kein Spiel mehr entgehen lässt. Sie und Trainerin Kyra Malinowski sind voller Leidenschaft für ihren Sport und ihren Verein. 

Luxus Lohrheidestadion

Kyra Malinowski trainiert seit drei Jahren die 1. Mannschaft der Bochumerinnen, die sich gerade in der 2. Bundesliga mitten in der Spitzengruppe tummelt. Die ersten Saisonspiele haben die VfL-Frauen im schmucken Lohrheidestadion ausgetragen. Manches mutet dort „wie Luxus“ an. Zu Kari Närdemanns Freude gibt es „mehr als zwei Toiletten. Und auf dem Rasen spüren wir die Unterstützung unserer Fans – es hallt mehr“.

Die Trainerin ist für sie Kumpel, Autorität und Vorbild in einer Person. „Man spürt einfach, dass sie selbst auf hohem Niveau gespielt hat. Sie weiß, was sie uns auf dem Weg mitgeben kann“, sagt die Torfrau. Tatsächlich hat die heute 32-jährige Absolventin des Märkischen Gymnasiums in Wattenscheid zwischen 2008 und 2011 in allen DFB-Auswahlmannschaften von der U15 bis zur U18 gespielt. 2009 gab sie ihr Bundesliga-Debüt für die SG Essen-Schönebeck. Dann stoppten zwei Kreuzbandrisse ihre vielversprechende Karriere. Einen Blick zurück im Zorn erlaubt sich die Bochumerin nicht. „Ich bin ein positiver Mensch, ich habe es abgehakt. Es lag ja nicht in meiner Hand.“ 

Leidenschaft für den Fußball

Und so war es auch nie eine Frage, ob sie dem Sport treu bleibt, „dazu habe ich zu viel Leidenschaft für den Fußball“. Und sie habe immer die Stimmung auch in der Kabine genossen. „Es war nie eine Zweckgemeinschaft, es war locker und ehrlich, es war bei allem Ehrgeiz, Freude und Leichtigkeit“.

Diese Leidenschaft ließ die Lehrerin mit den Fächern Deutsch und Sport ihren Beamtenjob aufgeben, um hauptberuflich Trainerin beim VfL Bochum zu werden. „Ich war gern Lehrerin, aber ich brenne mehr für den Fußball.“ Schon als Kind habe sie in der blau-weißen Bettwäsche geschlafen: „Es ist für mich ein Traum, hier Trainerin zu sein.“

Immer mehr Profispielerinnen

Kari Närdemann hat vier Jahre lang in den USA International Business Management studiert. „Ideale Bedingungen für Leistungssportler“. Den Master hat sie fast in der Tasche, danach kann die 29-Jährige entscheiden, wohin der berufliche Weg gehen soll. Da weltweit viele Erst- und Zweitligisten nicht mehr auf eine Frauen-Abteilung verzichten, können aber inzwischen auch viele Spielerinnen ganz auf die Karte Fußball setzen. „Mittlerweile haben viel mehr Spielerinnen die Chance, Profis zu werden“, sagt die Torhüterin. Zumindest in der 1. Liga können die meisten davon leben – und bei Bayern München oder dem VfL Wolfsburg nebenbei noch ein Fernstudium machen.

Zeitgleich mit dem Vormarsch des Frauenfußballs verschwinden auch die letzten „Betonköpfe“: „Natürlich ist es ein sehr männlich geprägter Sport“, sagt Kyra Malinowski. Aber die uneinsichtigen Gegner seien weniger geworden: „Die Qualität unseres Spiels macht auch mit den Zuschauern auf der Couch was.“

Und auch die Ausrüstung wandelt sich: „Die Trikots sind nicht mehr ganz so unpassend zugeschnitten wie in der Vergangenheit. Man soll sich im Dress ja wohlfühlen“, meint Kari Närdemann. Dazu gehört auch, dass jede „so viel Make-up trägt, wie sie gern möchte“. Schließlich werde bei den Männern auch nicht gerade mit extravaganten Frisuren gegeizt.

Richtung 1. Liga

So jung die Saison noch ist, so klar ist der Plan: „Natürlich würden wir gern aufsteigen. Wer will nicht in der 1. Liga spielen?“, sagt Kari Närdemann. Und die Trainerin schiebt hinterher: „Der Kader ist größer, die Qualität hat sich verbessert. Klar müssen wir auch geduldig sein und Rückschläge hinnehmen. Aber wir wollen unseren Weg gehen.“ Und der führt mit Spielfreude, Spaß, vielen Fans und dem nötigen Quäntchen Glück in Richtung 1. Bundesliga.

Text: Gerd Strohmann
Fotos: VfL Bochum 1848

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