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„Fitness kostet weniger Geld als Gehalt“

Interview mit Frank Goosen zum VfL Bochum

Er hält dem VfL Bochum seit 50 Jahren die Treue, scheut aber auch keine Kritik: Bevor Kabarettist und Autor Frank Goosen am 1. September beim Zeltfestival Ruhr mit seinem Programm „Daddy Cool. Oder: Es regnet nie in Mendocino“ auf der Bühne steht, blickt er im halloBO-Gespräch mit Dietmar Nolte auf die neue Saison.

Frank Goosen, mit wieviel Optimismus gehen Sie in die neue Saison mit dem VfL Bochum?

Das Dumme ist, ich gehe immer mit Grundoptimismus in die Saison. Vor allem die Saisonanfänge waren allerdings in den letzten Jahren so niederschmetternd. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass es dieses Mal anders läuft. 

Wie empfinden Sie gerade die Stimmung rund um den VfL?

Die Stimmung war auch in der letzten Saison bis zum Ende brillant. Der Verein ist mit seinen Fans noch weiter zusammengewachsen. Das hat uns jede Menge Pluspunkte auch außerhalb von Bochum gebracht. Die Stimmung im Stadion zusammen mit den Fans war total positiv.

Sportlich hingegen lief es gar nicht – warum?

Das sind immer hausgemachte Probleme, man ist immer das Produkt seiner eigenen Entscheidungen. Welche äußeren Faktoren sollen denn dazu führen, dass der VfL nicht in der Lage ist, Spiele gegen Hoffenheim oder Kiel zu gewinnen? Kaderplanung ist nie Schicksal. Wir sind zu Recht abgestiegen, wir waren einfach nicht gut genug. Wir haben zwar gegen Bayern und Dortmund gewonnen, aber das bringt nichts, wenn man gegen die Mannschaften auf Augenhöhe verliert. Wir haben sogar am grünen Tisch noch einen Punkt bekommen. Wir können wirklich nicht sagen, wir sind betrogen worden. 

Wie gut waren die Personalentscheidungen in diesem Sommer – angefangen bei der Vertragsverlängerung mit Dieter Hecking?

Ich bin mit Prognosen immer vorsichtig. Aber natürlich war Dieter Hecking ein Riesenfaktor. Er kommt aus Castrop-Rauxel, aus dem Ruhrgebiet. Einer, der hierhin passt, wie man so schön sagt. Wir hatten auch mal einen Schweizer Trainer, der war hier sportlich durchaus erfolgreich. Es muss also nicht immer einer aus der Nachbarschaft sein. Aber so, wie Hecking die Mannschaft stabilisiert hat, war es logisch, ihn zu halten. Die Neuzugänge kann ich fast alle nicht beurteilen. Kevin Vogt ist ein super Typ, er ist ein Bochumer – das finde ich gut. Mal gucken, ob das auch funktioniert. 

Wieviel Lust auf die neue Saison hat die Vorbereitung bei Ihnen hinterlassen?

In der letzten Vorbereitung haben wir alle Testspiele verloren, wenn mich nicht alles täuscht. Das ist psychologisch nicht so gut. Diesmal haben wir nur eines verloren. Und im Unterschied zur letzten Vorbereitung wurde dieses Mal sehr viel mehr Wert auf Kondition gelegt. Das kann nur gut sein. Fitness ist das, was weniger Geld kostet als Gehalt. Das stimmt mich erstmal zuversichtlich. 

Was sagt der Ex-Funktionär Frank Goosen dazu, dass mit Andi Luthe jetzt ein Ex-Profi an der Vereinsspitze steht? 

Da halte ich mich komplett raus. Ich kenne ja zum Teil die handelnden oder auch nicht mehr handelnden Figuren. Ich möchte mich da lieber nicht in Interna einmischen.

Es gab zwei Teams und einen regelrechten Wahlkampf rund um die Präsidiumswahl. 

Demokratie tut immer gut. Das ist nur im Fußball so wenig verbreitet. Ich halte das für eine völlig logische und gute Sache, dass sich unterschiedliche Menschen zutrauen, diesen Verein zu führen. Früher war es eher schwierig, Leute mit Kompetenz dazu zu bewegen, beim VfL etwas zu machen. Das ist nicht so wie bei Schalke, wo alle Schlange stehen, weil sie denken, in zwei Jahren spielen sie wieder Champions League und können dann Spiele gegen Madrid sehen. Das ist bei uns anders. Deshalb ist es immer gut, wenn sich Leute erklären müssen, was sie für den Verein wollen. Dann entscheiden die Mitglieder, ob sie das überzeugt.

Alle Macht den Mitgliedern…

Das ist doch das, was uns von solchen Plastikvereinen unterscheidet wie Hoffenheim oder Leipzig. Da geht es ja nicht um Tradition, die kann ja kommen. Aber wir sind ein Mitgliederverein, auch wenn die Profiabteilung ausgegliedert ist. Wir sind immer noch ein von Mitgliedern gesteuerter Verein. Selbst der FC Bayern muss sich auf seiner Jahreshauptversammlung kritische Fragen gefallen lassen. Das ist das Salz in der Suppe.

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