Gerthe

Geplanter Fußballplatz in Gerthe sorgt für Streit

Anwohner wehren sich gegen den neuen Fußballplatz für den BV Hiltrop an der Sodinger Straße.

Eins ist in dieser Sache sicher: Der Sportverein BV Hiltrop verzeichnet starke Mitgliederzuwächse. Jedes Jahr kommen zwei komplett neue Mannschaften hinzu. Der bisherige Platz Am Hillerberg ist zu klein, erweitern kann man ihn nicht, dort entsteht Wohnbebauung. Der Rasenplatz ist nur im Sommerhalbjahr bespielbar, im Frühling, Herbst und Winter müssen die Sportler auf andere Anlagen ausweichen. Es muss also etwas Neues her.

Und ab hier wird es schwierig. 

Denn der bisherige Sportplatz am Hillerberg liegt genau dort, wo auch das umstrittene Neubaugebiet Gerthe-West entstehen soll. Also hat die Stadt sich nach Alternativstandorten für die Fußballer umgesehen. Gefunden wurde eine bisher unbebaute Fläche an der Sodinger Straße. Gegen diesen Standort regt sich schon seit längerem Widerstand. 

Anfang April hatten die Anwohner Flugblätter in ihren Briefkästen. Verfasst hat diese Peter Wittkowski-Wiemann, selbst Anwohner in der Nähe. 

„Wir wurden (…) bisher nicht einmal befragt, ob wir damit einverstanden sind. Kommt es tatsächlich zu einem Neubau, so ist dies mit vielen negativen Punkten verbunden, die die Anwohner hier ertragen müssten“, steht dort.  

Befürchtet werden Lärmbelästigung durch Training an jedem Tag sowie während der Spiele am Wochenende samt der Jubelschreie (oder andersrum) der Zuschauer. Dazu kämen Feiern auf dem Gelände und im Vereinsheim – hauptsächlich am Wochenende. Zusatzveranstaltungen würden vom BV Hiltrop schon jetzt avisiert, wie Osterfeuer, Oktoberfest, Vatertagsfest, Rudelgucken, Hiltroper Stadtfest. Damit kein falscher Eindruck aufkommt: Wittkowski-Wiemann gönnt dem BV Hiltrop eine adäquate Anlage, er war selbst jahrelang Vorsitzender des TV Gerthe. Trotzdem hat er dazu aufgerufen, eine Initiative gegen den Neubau zu gründen: „Das ist ein Affront gegen alle Vereine und Schulen, die sonst um jeden Euro betteln müssen“, sagt er auf hallobo-Nachfrage. 

Insgesamt soll die Sportanlage an der Sodinger Straße 7,3 Millionen Euro kosten, allein die Entwicklungsplanung verschlingt zweihunderttausend Euro.

Dazu befürchten die besorgten Anwohner störendes Flutlicht, das abends in Häuser und Gärten scheint sowie den Autoverkehr, den Zuschauer und Sportler mitbringen. 

Der Entwurf für den Bau der neuen Sportanlage sieht 40 Parkplätze vor. 

Die hält auch ein anderer Anwohner, der seinen Namen nicht gedruckt lesen will, für zu wenig. Ansonsten aber zeigt er sich dem Neubauprojekt gegenüber aufgeschlossen. Solange die wichtigen Fragen Verkehr, Parken, Lärm und der Umgang mit der Natur für alle erträglich beantwortet werden. Die Sportvereine seien wichtig, sagt er, täten viel für Kinder und auch Eltern. Und der alte Standort am Hillerberg sei eben nicht ausreichend. Am Verkehrskonzept könne man noch etwas nachbessern, aber es sei eben schwierig, einen Kompromiss zu finden. Die Sodinger Straße sei schon jetzt eigentlich eine gefährliche Straße, zum hohen Verkehrsaufkommen komme noch landwirtschaftlicher Verkehr. 

Geplanter Fußballplatz: Entscheidung im Juni

Die Stadt Bochum lobt das Bauvorhaben: Eine schnelle Entwicklung sei möglich, weil das Grundstück städtisches Eigentum sei, es sei relativ flach, Wohnbebauung gebe es direkt angrenzend nur auf einer Seite, gefällte Bäume könnten an Ort und Stelle nachgepflanzt werden. Und verkehrlich sei der Platz gut zu erreichen. 

Ein Satz, der den meisten Anwohnern in den Ohren klingelt, denn genau das befürchten sie. „Am Platz sind 40 Stellplätze geplant und wenn diese nicht ausreichen, werden Parkplätze in beiden Straßen gesucht, die schon jetzt an Wochenenden voll sind. Diese Zuschauer werden den kürzesten Weg zum Platz nehmen und über das Feld gehen oder über die Rasenfläche“, heißt es im Flugblatt von Wittkowski-Wiemann. 

Die letztendlich gültige Entscheidung fällt der Rat der Stadt Bochum am 24. Juni.

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