Gastbeitrag von Carsten Krinke
Der Gysenberg – ein Kleinod in Gefahr
Die verheerenden Waldbrände im Hohen Venn, in Hürtgenwald und im Sauerland haben den Fokus auf menschlichen Leichtsinn als Ursache gelegt. Carsten Krinke kennt sich mit dem Thema Wald aus und engagiert sich ehrenamtlich in Bochum und Herne. In diesem Gastbeitrag berichtet der in Hiltrop lebende Experte, warum der Gysenberg geschützt werden muss.
Der Gysenberg, Landschaftsschutzgebiet in Herne an der Stadtgrenze zu Gerthe und Hiltrop, gehört mit zu den kleinen, aber schönen Naherholungsgebieten der Region. Im Norden bestehen „Grünbrücken“ zum Naturschutzgebiet Langeloh und zum Volkspark Sodingen, im Westen zum Volkspark Hiltrop.
Ökologisch wertvoll
Die alten Buchenbestände im Gysenberg, mit beindruckenden Stammumfängen und zum Teil skurrilen Baumformationen (zum Beispiel die hier oft anzutreffenden Zwillingsbäume), die abwechslungsreichen Wege, die zwei kleinen Bäche (Mühlenbach beziehungsweise Ostbach sowie Ruhmbach) und die ruhige Waldatmosphäre machen den Gysenberg zu einem besonderen Kleinod für Spaziergänger, Familien mit Kindern (siehe Tippi-Bauten), Reitende, Radfahrende und Naturliebhaber.


Was viele nicht wissen: Der Gysenberg ist ein wertvoller Buchen-Edellaubholzwald (Fagetum), der auf einer teils mächtigen Lößlehmauflage wächst. Die teils gute Wasserversorgung und fruchtbaren Lößböden bieten die Grundlage für eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt und verleihen dem Wald seinen besonderen ökologischen Wert. Daher gesellen sich zur Rotbuche, der Bergahorn und die Esche sowie die Hainbuche.
Aber auch die Stieleiche zieht mit einigen besonders mächtigen Exemplaren die menschlichen Augen auf sich. Bergahorn und Esche sind hier neben der Rotbuche und Stieleiche sehr verjüngungsfreudig. Die Sturmwurffläche im Gysenberg wuchs so rasch wieder zu, wenn hier auch der Mensch durch eine Aufforstung den Waldschluss beschleunigt hat. Die positive Wirkung auf den Wasserhaushalt, insbesondere den Regenrückhalt wie auch der Klimaausgleich zur umliegenden Stadt, sind wichtige Waldnebenwirkungen.
Spuren des Klimawandels
Aber der Klimawandel wird auch im Gysenberg an der einen oder anderen Stelle sichtbar. Eine ältere Untersuchung zeigt auf, dass sich die Vegetationszeit im Bochumer Stadtgebiet schon um mehr als sieben Tage verlängert hat. Die Starkregenereignisse setzen den Wegen zunehmend zu. Sogenannte Querabläufe schützen vor Erosion, verlieren ohne Pflege schnell ihre Wirkung.
Wer aufmerksam durch den Wald auf den reichlich vorhandenen Wegen (und nicht wilden Pfaden) pirscht, kann Fuchs, Reh (ab und zu), Waldkauz, Kleiber, Waldbaumläufer verschiedene Spechtarten, Salamander und Erdkröte gut beobachten. Die Tiere sind mit dem Menschen vertraut und weisen geringere Fluchtdistanzen auf. Auch am Boden lassen sich seltene Kleinlebewesen und Pflanzen beobachten. Zahlreiche Informationstafeln informieren über den Wald und seine Bewohner. Drei Gasthäuser im Wald und in Waldesnähe laden zur Stärkung ein.


Doch dieses Kleinod ist auch in Gefahr: Es sollte jeder Mensch dazu beitragen, dieses kleine Naturerbe zu bewahren und auf die jeweiligen Nutzergruppen Rücksicht nehmen. Insbesondere achtlos weggeworfene Glasflaschen stellen eine Verletzungsgefahr für Menschen und Tiere dar. Das Rauchverbot vom 1. März bis 31. Oktober hat einen wichtigen Zweck: Es schützt den Wald in der trockenen Jahreszeit vor vermeidbaren Brandrisiken. Und leider hat es im Gysenberg auch schon gebrannt. Zigarettenstummel gehören niemals auf den Boden, sondern in den „Hosentaschen-Ascher“ (den gibt es!) und zu Hause entsorgt.
Kippen, Glas, Plastik
Viele Raucher und Raucherinnen wissen nicht, dass der Filter heute weitestgehend aus Mikroplastik und nicht mehr Papier besteht, somit im Wald nur langsam innerhalb von fünf bis sieben Jahren abgebaut wird und dabei Schadstoffe freigibt. Nikotin ist bereits in geringem Mengen für Kleinvögel tödlich, sie verwechseln teilweise den Filter mit Brotkrümeln. Weitere Verrottungszeiten: ein achtlos weggeworfenes Kaugummi drei bis fünf Jahre, ein Taschentuch bis zu fünf Jahre, ein Kotbeutel aus Plastik 100 bis 200 Jahre.
Gänzlich unverständlich bleibt der Waldbesucher dann vor herausgerissenen oder abgebrochenen Jungbäumen wie Bergahorn und Esche oder den wilden Müllkippen teilweise mit Reifenbergen im Umfeld der „alten Baumschule“ stehen oder wenn ein Quad im Gysenberg „ausgeführt“ wird.
Tragen wir alle mit Umsicht dazu bei, dass dieses Kleinod erhalten bleibt. Genießen Sie den Gysenberg, setzen Sie sich auf eine Bank und lassen Sie den Wald mit seinen imposanten Bäumen auf sich wirken, horchen Sie auf den Ruf von Buntspecht oder Waldkauz. Übrigens: Ein ganz, ganz großes Dankeschön an die anonymen Müllsammler- und Sammlerinnen im Gysenberg! Text: Carsten Krinke

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13.10.2026 – 08:23




