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Christian Hirdes: Liedermacher, Klavierkabarettist, komischer Poet

Christian Hirdes ist „Bochumer mit Mülheimer Migrationshintergrund“, lebt mittlerweile in Harpen und ist seit vielen Jahren Teil der Ruhrgebietskulturszene.

Er schrieb den Büdchen-Song „Gemischte Tüte“ und die auch über Essens Stadtgrenzen hinaus bekannte Songparodie „No Woman in Kray“, wurde vom Publikum zu „Tegtmeiers Erben“ gekürt und sang einst in der WDR-Sendung „Stratmanns“ seinen Song zum Kulturhauptstadtjahr 2010. In Bochum stand er u. a. als Moderator im Varieté „et cetera“ auf der Bühne, die ihm in Coronazeiten selbstverständlich unendlich fehlte.

Kreativ durch den Lockdown

Und was macht so ein Poet, wenn ihm die Bühne genommen wird? Er schafft sich eine eigene. Schließlich war ihm zwar sein Live-Publikum, nicht aber seine Kreativität abhanden gekommen. Die gilt es auszuleben und das hat Christian Hirdes mit Songs, Podcasts und Livestreams getan. Und kurz bevor es sich andeutete, dass er wirklich und wahrhaftig live auf die Bühne zurückkehren durfte, gab es in der für den Bochumer Kulturschaffenden gefühlt endlos trostlosen Zeit ein Highlight der ganz besonderen Art: Der Verein seines Herzens, der VfL Bochum, kickte sich zurück in die Beletage des bezahlten Fußballs. Der mögliche Wiederaufstieg des VfL nach elf langen Jahren Zweitklassigkeit hatte Christian Hirdes schon seit Wochen nicht mehr ruhig schlafen lassen.

Eine Ode an seinen Herzensverein

Kurz vor Saisonende spürte der Ruhrpottbarde: Wenn der Traum wirklich in Erfüllung geht, müssen die Gefühle raus! So textete und komponierte der VfL-Fan in den Katakomben seines Hauses den Aufstiegssong „Endlich, endlich wieder erste Liga!“, eine Klavierballade mit echtem Pathos und dem ein oder anderen Augenzwinkern. „Alle Stricke gerissen, Fahrstuhl außer Betrieb“, so wird etwa die lange Leidenszeit in Liga zwei beschrieben. Und im schmissigen Refrain heißt es gleichsam euphorisch wie bescheiden: „Grüß dich, altes Oberhaus! Du hast uns wieder – deinen VfL, deine stolze graue Maus!“ Sein Musikzimmer hatte er dafür fein hergerichtet: mit jeder Menge VfL-Eintrittskarten. „Bis vor fünf Jahren dekorierten die Eintrittskarten mein Arbeitszimmer. Seit einem Umzug innerhalb des Hauses bin ich nun nüchterner eingerichtet – und die Tickets warteten in einer Kiste auf einen Einsatz, der das ewige Horten rechtfertigen würde“, erzählt Christian Hirdes schmunzelnd. Gesangliche Unterstützung erhielt er spontan von den befreundeten Kollegen und Gleichgesinnten Helmut Sanftenschneider aus Gerthe und Ludger K. und Guntmar Feuerstein aus Harpen – ein Quartett mit absolutem Bochumer Lokalkolorit.

Vorfreude auf die Rückkehr zu Liveauftritten

Den Aufstieg hat das künstlerische Multitalent brav zu Hause erlebt und gefeiert. „Dem Virus sei Dank“, wie er bemerkt. Und das heimische Fiege gab’s erst nach dem Spiel. „Wieviele weiß ich nicht mehr.“ Jetzt freut er sich gleich auf mehrere Live-Erlebnisse: auf einen Besuch im geliebten Ruhrstadion, in dem er früher im Herzen der Ostkurve, zuletzt aber oben im Block Q stand – am Rand derselben. „Wo ich mit den gewohnten Gefühlsausbrüchen, die ich mir nicht abtrainieren mag, auch schon mal unangenehm auffalle“, gesteht Hirdes. Mit dem VfL-Virus hat er sich übrigens gerne infizieren lassen. „Mitte der 90er ging’s los, ich war gerade als Student nach Bochum gezogen und wurde von Kommilitonen infiziert.“ Seine schönsten Erlebnisse mit dem VfL reichten meist nicht bis zum Spielende. „Die erste halbe Stunde bei Ajax Amsterdam etwa. Oder letztes Jahr im Pokal gut 80 freudvolle Minuten gegen Bayern, die ich im Stadion erleben konnte.“

Und wann denn dieser Bart wieder abkommt, kontert Hirdes mit einem augenzwinkernden „Unverschämte Frage! – Wenn wir Champions-League spielen. Und das sollte nicht heißen, dass ich allzu euphorisch auf einem abwegigen VfL-Höhenflug bin – sondern eher, dass der Bart bleibt.“

Den Aufstiegssong kann man auf Youtube genießen:

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Und wer Christian Hirdes endlich wieder live erleben möchte, hier sind die ersten Termine:

Juli:

  • Fr., 16. Juli: „Hirdes & Ludger K. – Jenseits von Essen – Ein Kabarettabend ohne Notbremse.“ 19:30 Uhr. Zentrum Altenberg, Hansastraße 20, Oberhausen.
  • Sa., 17. Juli: „700 Jahre Bochum“. Mix-Show mit Bochumer Künstlern. 20 Uhr, Zauberkasten, Bochum.
  • Sa., 24. Juli: Sommerkabarett mit Livemusik und Matthias Reuter, Christian Hirdes, Benjamin Eisenberg & Marco Jonas Jahn. Zentrum Altenberg, Hansastraße 20, Oberhausen 19:00 Uhr.
  • So., 25. Juli: „Die Gemischte Tüte“. Bühnenbonbons mit Christian Hirdes und köstlichen Gästen. 18 Uhr, Theater Courage, Goethestraße 67, Essen.
  • Sa, 31. Juli: „Der Ruhrpott lacht“- 700 Jahre Bochum. Mit Helmut Sanftenschneider und Gästen. Zeche Hannover, Bochum.

August:

  • So., 8. August: „Bochumer Allerlei“. Mit Martin Fromme und „Heile Welt“ (= Nils Siemund und Christian Hirdes). 16 Uhr. Kulturhaus Thealozzi, Bochum.
  • Do, 12. August: „Variete & Kabarett“ mit Klaus Renzel, Herr Niels, Martin Fromme, Christian Hirdes. – 19:00 Uhr. Theater an der Niebuhrg, Niebuhrstraße 61, Oberhausen.
  • Do., 26. August, 19 Uhr: „Nachgewürzt Auswärtsspiel“. Freilichtbühne, Mülheim.
  • So., 29. August: „Die Gemischte Tüte“. Bühnenbonbons mit Christian Hirdes und köstlichen Gästen. 18 Uhr, Theater Courage, Goethestraße 67, Essen.
  • Mo, 30. August: „NachtSchnittchen“ Mit Helmut Sanftenschneider und Gästen. Kempen, Forum St. Hubert.
  • Di, 31. August: „NachtSchnittchen“ Mit Helmut Sanftenschneider und Gästen. Kempen, Forum St. Hubert.
  • Christian Hirdes hat einen Aufstiegssong für seinen Herzensverein, den VfL Bochum, geschrieben.

Unterstützung erhielt Christian Hirdes beim performen des Songs von Helmut Sanftenschneider, Guntmar Feuerstein und Ludger K.

Bericht von Andrea Schröder

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