Betreten verboten

Abgeschlossene Naturidylle am Hof Beckmann

Mitten in Wattenscheid – mit Blick auf die Probsteikirche – gibt es ein Stück Natur, das nicht für jedermann zugänglich ist.

Der Spaziergänger kann höchstens mal einen Blick durch den Zaun erhaschen, betreten kann man das Gelände nicht. „Und das soll auch so bleiben“, sagt Carl Wilhelm Beckmann, dessen Mutter Vera dieses Stück Land gehört und das er verwaltet. HalloWAT. durfte trotzdem einmal gucken.

Ein kleiner Bach schlängelt sich direkt am Hof Beckmann durch eine riesige saftige Wiese, gesäumt von alten Trauerweiden und anderen großen Bäumen. Die direkt angrenzende Berliner Straße mit ihrem dauerhaften Verkehrslärm hört man nicht, stattdessen flöten die Vögel. Gegenüber auf der anderen Seite des Weges zum Hof Beckmann, der auch hier „An der Papenburg“ heißt, auf einer Weide grasen Schafe mit ihren frisch geborenen Lämmern.

Renaturierung durch Emscher-Genossenschaft

Der Wasserlauf fließt in den Wattenscheider Bach, der zur Emscher hin entwässert, und der nach der Renaturierung durch die Emscher-Genossenschaft vielleicht auch irgendwann mal wieder ein solches Bild bietet. Was aber wahrscheinlich ein paar Jahre Wirken der Natur erfordert.

So wie jetzt aber hat das hier nicht immer ausgesehen. Lange Jahre hat die mittlerweile insolvente Wattenscheider Firma Aquella rund um den Bach Mineralwasser gewonnen. Das ist vorbei. Noch früher, ab dem Jahr 1927, gab es hier einen riesigen Gondelteich, den Carl Wilhelm Beckmanns Vorfahr Carl angelegt hatte, gemeinsam mit dem Stadion, dem Schwimmbad und der Restauration, die heute noch als Hotelrestaurant Beckmannshof existiert.

„Das sah hier ein bisschen aus wie in Hamburg an der Alster“, schwärmt Carl Wilhelm Beckmann heute. Der Teich wurde schon 1949 trockengelegt, danach wurde das Gelände wieder in seinen natürlichen Zustand zurückversetzt.

Heute lasse man die Wiese so, wie sie ist. „Das ist ein Idyll direkt vor der alten Stadtmauer Wattenscheids, das ist unwiederbringbar“, sagt Carl Wilhelm Beckmann, der heute im Immobilienbereich tätig ist, aber immer noch einen Landwirtschaftsbetrieb bei Neuss betreibt.

Historischer Hof Beckmann

Wie ohnehin die Familie und der Wattenscheider Bach seit Jahrhunderten verbunden sind. Der hieß im Mittelalter Radbecke – und wer von der Freiheit Wattenscheid aus den Bach überquerte, gelangte zum heutigen Hof Beckmann. Der erste Beckmann, ein Johann over de Becke, wurde 1332 erwähnt, in einem Abgabenbuch der Abtei Essen. Die heutigen Gebäude des Guts stammen bis auf eins aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Und überhaupt, die Geschichte: Carl Wilhelms Vater, der bereits 1999 verstorbene Carl-Friedrich Beckmann, genannt „Fitti“, ist der Gründer des Wattenscheider Heimat- und Bürgervereins, der auch heute noch die reichhaltige Historie der Stadt Wattenscheid pflegt. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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