Zum Hauptinhalt springen

Ehemalige der Frauenlobschule

Ungewöhnliches Klassentreffen im Teehaus

Seit vier Jahren ist das regelmäßige Klassentreffen für ehemalige Schülerinnen und Schüler der heutigen Frauenlobschule pure Freude. Nichts Besonderes? Doch: Christel, Walter, Adelheid, Doris, Fritz, Karin, Margret und Ingrid wurden am 1. April 1950 eingeschult.

Gemütlich ist es im Teehaus im Park „Bethanien“ hinter der Christuskirche in Gerthe. Hier trifft sich die überschaubare Runde jeden zweiten Mittwoch im Zwei-Monats-Rhythmus zum Plausch beim Frühstück. Es wären mehr, aber einige sind beispielsweise weggezogen. Walter Fischers trockener Humor kommt an: „Wir sind die Übriggebliebenen.“ Es wird laut gelacht.

Fischer hat auf Wunsch Fotos aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit mitgebracht, von der Einschulung, der Entlassfeier im März 1958 aus der Volksschule und von der Konfirmation mit Pfarrer Fortmann, die damals in der Erlöserkirche in Hiltrop gefeiert wurde. „Wir haben alle im Kirchenchor gesungen, das war richtig schön, besonders unser Auftritt beim Gottesdienst an Heiligabend.“

Bescheidenheit und Lebensfreude

Immer mal wieder fehlt jemand, das ist verständlich. Heute sind es Christel Thielker, geborene Joswig, und Karin Horsthofer, geborene Weisner. „Christel hat uns zusammengebracht, das Treffen hat sie organisiert“, erzählt Doris Wichmann, geborene Ewald. Sie und Ingrid Wisliewski, geborene Gauper, sind beste Freundinnen, sehen sich oft. „Aber man trifft hier in Gerthe oder in Hiltrop immer Bekannte, zum Beispiel beim Einkaufen.“ Auch das ist schön, findet Margit Dorra, geborene Karrasch.

Adelheid Krieger, geborene Treffer, und Fritz Wennemann vervollständigen das heutige Treffen im Teehaus. Auf Fragen nach dem damaligen Schulalltag, Erlebnissen und Erfahrungen, beeindrucken die „Ehemaligen“ mit ihrem Erinnerungsvermögen: Sämtliche Namen von Lehrerinnen und Lehrern kommen wie aus der Pistole geschossen. Daten, wann und wohin Klassenfahrten führten. Wunderschön sei beispielsweise die Woche in der Eifel in Maria Laach gewesen, schwärmen Doris und Ingrid. Walter Fischer nüchtern: „Ich war nie mit dabei, meine Eltern hatten dafür kein Geld übrig.“ Seine Familie habe sich zu fünft eine Ein-Zimmer-Wohnung teilen müssen. Kein Einzelschicksal: Sie erinnern sich an Mitschüler, die keine Schuhe trugen oder im Winter nur Sandalen trugen. Fischer: „Wir haben Bescheidenheit gelernt.“ Beifälliges Nicken in der Runde.

Respekt vor Lehrern und Eltern war selbstverständlich. An drakonische Strafen kann sich keiner erinnern, aber es wurde durchaus körperlich gezüchtigt, mit einem Stock auf die Finger oder den Handrücken geschlagen.

„Wir haben uns auch gestritten, aber nicht so, wie es heute üblich ist. Auf dem Schulhof wurde mal geschubst, das war das höchste der Gefühle.“ Mobbing, die Quälerei von Mitschülern, finden alle unfassbar. „Man versteht die Welt nicht mehr“, sagt Walter Fischer. Und spricht seinen ehemaligen Kollegen und Kolleginnen aus der Seele.

Text und Fotos: Kerstin Halstenbach

Schlagwörter


  • Volksbank Bochum Witten EG
  • Stadtwerke Bochum
  • Glasfaser Ruhr
  • Sportjugend Bochum
  • USB Bochum