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Kreisgrabenanlage Harpen: Wo Steinzeitbauern feste feierten

Hat Bochum sein eigenes Stonehenge – eine Kreisgrabenanlage? Wenn es nach dem bekannten Bochumer Sagensammler Dirk Sondermann geht, lautet die Antwort Ja. Und zwar im Bochumer Norden, genauer gesagt in Harpen. 

Dass da etwas ist, wissen Forscher schon seit dem Jahr 1966. Damals wurden beim Bau der A43 eindeutige Spuren gefunden: Im Boden zeigten sich Verfärbungen, die auf das Vorhandensein einer großen Kreisgrabenanlage schließen ließen. Pfostensetzungen in Kreisform mit einem Durchmesser von rund fünfzig Metern. Das wurde kurz untersucht, dann wurde weiter gebaut – die Zeiten damals waren so, bei der Durchführung des Fortschritts wollte man sich nicht lange aufhalten lassen. Heute ist die Anlage – mehrere tausend Jahre alt – also von der Autobahn überbaut und durchschnitten. 

Ganz in der Nähe aber, so fand man heraus, gab es noch eine andere Kreisgrabenanlage, ähnlich groß, in der Form aber elliptisch. Die liegt unter der Erde in der Nähe des Bockholts. Insgesamt sind in NRW vier solcher Funde bekannt, zwei davon in Bochum. 

Angelegt wurden die Kreisformen, die kultischen und gleichzeitig astronomischen Zwecken gedient haben dürften, von den Menschen der Rössener Kultur, frühen Steinzeit-Bauern, die den guten Boden der Hellweg-Börden für erste Landwirtschaft nutzten. Deren Spuren fanden sich auch in Gerthe, Hiltrop und am Gysenberg, zuletzt auch beim Neubau der Vonovia-Konzernzentrale an der Universitätsstraße. Ein Modell der genutzten Langhäuser dieser Steinzeitkultur kann man im Stadtarchiv an der Wittener Straße bewundern.

Vorstellen muss man sich die Anlagen so ähnlich wie das berühmte Stonehenge, nur eben aus Holz gebaut und deswegen nicht so dauerhaft wie der englische Steintanz. Zu sehen sind heute nur noch Verfärbungen im Boden, dort, wo einst die Stützpfeiler steckten.  

„Kreisgrabenanlage wäre touristisches Highlight für Bochum“

„Trotzdem, das wäre doch ein touristisches Highlight für Bochum. In Sachsen-Anhalt hat man so eine Anlage wieder aufgebaut – da kommen pro Jahr fünfhunderttausend Besucher hin“, sagt Sagensammler Sondermann, deren Geschichten auch im Internet unter sagenhaftes-ruhrgebiet.de zu lesen sind. 

Also wünscht er sich, dass die jungsteinzeitlichen Bochumer Kreisgrabenanlagen bekannter gemacht werden. Es müsse ja kein kompletter Neuaufbau sein, schon ein Hinweisschild wäre schön. „Gerade in der Nähe des Bockholts, wo heute das Maiabendfest gefeiert wird, haben vielleicht schon vor tausenden Jahren Menschen Frühlingsfeste gefeiert“, so Sondermann mit Hinweis auf die 700-Jahr-Feiern in unserer Stadt.

Das Problem an der Sache: Die zweite elliptische Kreisgrabenanlage liegt unter einem Privatgarten an der Augustinusstraße. „Wir haben da mal angeschellt und die Bewohnerin gefragt, ob in ihrem Garten irgendetwas Prähistorisches sei“, erzählt Dirk Sondermann mit einem Schmunzeln, „da hat sie gesagt, das müsste sie wissen, sie wohne schließlich schon seit vierzig Jahren hier. Dabei sind die Kreisgrabenanlagen rund 6500 Jahre alt.“

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