Zum Hauptinhalt springen

Spektakuläre Bilder von Straßen.NRW

Neue Brücke über das Nevetal

Langsam und ruhig schweben im Neveltal nacheinander zwölf echte Schwergewichte durch die Luft. Angehoben von zwei Schwerlastkränen bewegen sich die jeweils 28 Tonnen Stahl und Beton vom Lagerplatz auf dem Baufeld langsam auf die alte Brücke zu. Kurz davor stoppt der Verbund-Fertigteil-Träger sanft ab, sinkt scheinbar schwerelos nach unten und kommt schließlich zentimetergenau auf den beiden Widerlagern und dem Mittelpfeiler an.

Die Straßen.NRW-Regionalniederlassung Ruhr baut eine neue Brücke über das Neveltal am Munscheider Damm im Zuge der L651. Die L651 verbindet als Nord-Süd-Achse im Westen Bochums die südlich gelegene Stadt Hattingen mit dem Stadtteil Bochum-Wattenscheid mit Anschluss an die A40.

„So ein Einhub ist immer wieder beeindruckend zu sehen. Aber das hier ist wirklich etwas Besonderes, denn zwischen der neuen und der alten Brücke sind nur knapp zwei Meter Platz. Das erfordert sehr präzises und konzentriertes Arbeiten“, sagt Projektleiter Thorben Roeloffs, zuständig in der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Ruhr für den Neubau von Brücken. Vom Rand des Baufelds beobachtet er, wie die zwölf Träger nach und nach eingehoben werden. „Das ist ein wichtiger Meilenstein für das Projekt. Wir haben schon viel geschafft und jetzt geht es auf die Zielgerade“, so Roeloffs.

Wetterfester Stahl

Die Verbund-Fertigteil-Träger wurden in einem Werk im niederrheinischen Heinsberg produziert und werden zum Einhub von einem Zwischenlager in Herne auf Tiefladern nach Bochum transportiert. 27 Meter lang und bis zu 1,6 Meter hoch sind die Kolosse und bestehen jeweils aus 18 Tonnen Stahlbeton und einem zehn Tonnen schweren Stahlträger. Der Einsatz von Verbund-Fertigteil-Trägern verkürzt die Bauzeit von Brücken enorm. Denn statt die zwölf Stahlträger einzeln einzuheben und dann vor Ort die Betonplatten zu gießen, um den sogenannten Überbau der Brücke herzustellen, werden Stahl und Beton bereits im Werk verbunden. Das spart Material und Zeit und minimiert auch Risiken wie z.B. Verzögerungen durch ungeeignetes Wetter. Das System wurde in den 1990er Jahre erstmals eingesetzt und seitdem von der Bauindustrie weiterentwickelt. Die neue Neveltalbrücke wird im Gegensatz zu herkömmlichen Stahlverbundbrücken mit wetterfestem Stahl errichtet. Bei der herkömmlichen Variante wäre nach etwa 30 Jahren der Korrosionsschutz zu erneuern. Mit dem hier gewählten System entfällt dies komplett und das Bauwerk soll über die gesamte Lebensdauer von circa 100 Jahren ohne größere Wartungsarbeiten in Betrieb bleiben.

Schon vor dem feierlichen Spatenstich im Dezember 2024 waren zahlreiche Arbeiten rund um die Neveltalbrücke gelaufen: Das Baufeld wurde freigeräumt, Plätze zum Lagern von Material und für die Baubüros befestigt, Baustraßen rechts und links der Brücke hergestellt. Hohlräume aus den Zeiten des Kohlebergbaus wurden unterhalb des Baufelds mit Beton verfüllt. Als erste Kompensationsmaßnahmen wurden Fledermauskästen aufgehängt und in der Nähe der Brücke auf 7.000 Quadratmetern – das entspricht etwa einem Fußballfeld – Bäume und Sträucher gepflanzt. Seitdem ist viel passiert. Zwei Widerlager und der Mittelpfeiler entstanden auf einer Gründung aus insgesamt 48 Bohrpfählen. Rund 2.700 Kubikmeter Bewehrter Beton, 400 Tonnen Betonstahl und 25.000 Kubikmeter Boden wurden dafür bewegt.

Kleine Brückenkunde

Die Gründung ist der unterste Teil des Fundaments einer Brücke und wird häufig aus Beton hergestellt. Die neue Neveltalbrücke in Bochum ist auf 48 Bohrpfählen gegründet, die aus Bewehrungsstahl und Beton hergestellt wurden.

Als Widerlager bezeichnet man die tragenden Elemente am Anfang und am Ende einer Brücke und als Pfeiler die Tragelemente zwischen den Widerlagern.

Als Überbau wird das Element der Brücke bezeichnet, welche die Hindernisse wie Wasserläufe oder andere Verkehrswege überspannt. Auf dem Überbau verlaufen die Fahrbahn sowie die Geh- und Radwege.

Als Kappen werden die äußeren Bereiche des Überbaus bezeichnet, auf denen sich häufig die Geh- und Radwege befinden.

Anfang 2027 sechs Wochen lang Vollsperrung

Und es ist noch viel zu tun, bis die knapp 54 Meter lange Brücke fertig ist und für den Verkehr freigegeben werden kann. Folgende Arbeitsschritte stehen noch an: Betonage des Überbaus und der Kappen, Montage der Überflughilfen und Geländer, der Straßenbau mit dem Bau der Querungshilfe Schnatstraße, Abbruch der alten Brücke, Herstellung der Einrichtungen zur Entwässerung der Fahrbahn und der Schutzeinrichtungen wie Leitplanken. Damit die neue Brücke mit der Landesstraße verbunden werden kann, wird Anfang 2027 eine sechswöchige Vollsperrung für den Streckenbau notwendig. Straßen.NRW wird rechtzeitig über den genauen Zeitraum und das Umleitungskonzept informieren.

Erst danach wird auch die alte Brücke abgerissen. Knapp 100 Jahre alt ist sie dann geworden. Auch wenn sie den Belastungen durch das Gewicht und die Zahl moderner LKW schon seit Ende der 1970er Jahre nicht mehr gewachsen war und nur noch von Fahrzeugen befahren werden durfte, die weniger als 16 Tonnen wiegen. Die neue Brücke können künftig alle Verkehrsteilnehmenden nutzen, denn auch der Rad- und Fußverkehr hat endlich ausreichend Platz und wird sicher über das Neveltal geführt.

Schlagwörter


  • Glasfaser Ruhr
  • Sportjugend Bochum
  • Stadtwerke Bochum
  • USB Bochum
  • Volksbank Bochum Witten EG